Nicht in die Bauherrenfalle tappen Richtiges Planen spart bare Münze

Autor / Redakteur: Richard Phillips, Bundesamt für Energie BFE / Silvano Böni

Druckluft ist für produzierende Unternehmen unverzichtbar. Doch das betriebsinterne Know-how dieser typischen Querschnittstechnologie ist oft gering. Das merken viele Betriebe, wenn eine neue Druckluftanlage gebaut werden muss. EnergieSchweiz will hier Abhilfe schaffen.

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Zu viel Luft kann genauso falsch sein wie zu wenig – die richtige Dimensionierung der Druckluftanlage ist entscheidend für die künftigen Betriebskosten.
Zu viel Luft kann genauso falsch sein wie zu wenig – die richtige Dimensionierung der Druckluftanlage ist entscheidend für die künftigen Betriebskosten.
(Bild: BFE / EnergieSchweiz)

Ob eine neue Fertigungslinie geplant, die Produktionskapazitäten ausgeweitet oder eine neue Produktionshalle gebaut werden sollen – das alles sind Situationen, die oft am Anfang einer neuen Druckluftanlage stehen. Der perfekte Zeitpunkt und eine einmalige Chance, eine gut konzipierte, betriebssichere und sparsame Anlage zu beschaffen. Dies legt den Grundstein für künftig tiefe Energie- und Betriebskosten. Denn die Mängel einer schlecht konzipierten und mangelhaft ausgeführten Druckluftanlage können auch mit allen Optimierungsanstrengungen in den nächsten zehn Jahren nicht behoben werden.

Doch die Beschaffung einer Druckluftanlage ist für die meisten produzierenden Unternehmen keine alltägliche Sache. Vielen Betreibern fehlt darum die Routine, um in solchen Projekten die Fallstricke zu erkennen. Mit oftmals unerfreulichen «Nebenwirkungen» wie Verzögerungen beim Bau, Mehrkosten und Mängel an der Anlage oder langfristig zu hohe Energie- und Betriebskosten. Dabei sind es immer wieder ähnliche Stolpersteine, an denen Bauherrschaften hängen bleiben. Daher hat EnergieSchweiz im Rahmen der Kampagne effiziente Druckluft eine neue Broschüre erarbeitet. Sie zeigt auf, welche «Bauherrenfallen» in der Praxis besonders häufig vorkommen und wie sie vermieden werden können.

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Die eigenen Bedürfnisse kennen

Unternehmen müssen die Märkte, für die sie produzieren, gründlich kennen. Weit weniger ausgeprägt ist dieses Wissen, wenn es um die Bedürfnisse an die eigene Druckluft geht. Doch gerade das ist eine wesentliche Voraussetzung für eine gute – das heisst betriebssichere und energieeffiziente – Druckluftversorgung. Denn wer seinen aktuellen und künftigen Bedarf nicht kennt, läuft Gefahr für eine falsch ausgelegte Anlage. Und weil man nicht so genau weiss, was und wie viel man braucht, wird im Zweifelsfall eine Anlage gewählt, die zu gross dimensioniert ist. Diese überdimensionierten Anlagen verursachen jedoch spürbar höhere Energiekosten. Ganz abgesehen davon, dass auch die Investitionskosten zu hoch ausfallen.

Den «richtigen» Druckluftplaner mit ins Boot holen – und nicht alleine lassen

Im Zuge der Planung der Druckluftanlage kann die Bestimmung des künftigen Druckluftbedarfs mit gutem Gewissen dem Druckluftplaner übergeben werden. Aber Vorsicht, hier droht die nächste «Bauherrenfalle». Zwar kann ein guter Planer den künftigen Druckluftbedarf abschätzen. Doch er benötigt dazu das Wissen der Fachleute aus der Produktion, welche die internen Prozesse und Abläufe aus dem Effeff kennen. Wenn der Planer in diesem Bereich zu wenig Informationen erhält, kann er auch nicht den fundierten Bedarf abschätzen und muss vage Annahmen treffen. Daher sollten Unternehmen den Planer mit ihren Betriebserfahrungen unterstützen und ihm in seinem Auftrag Vorgaben bezüglich Energieeffizienz und Betriebskosten machen. Das gilt übrigens auch, wenn das ganze Projekt einem Generalunternehmer übergeben wird.

Neue Technologien und die Abwärme gezielt nutzen

Einige traditionelle Unternehmen setzen gerne auf Bewährtes und meiden neuen Technologien und Lösungen. Doch wer dem Altbewährten nachhängt, kann das Potenzial des Neuen nicht nutzen. Es lohnt sich daher zu prüfen, ob es auf dem Markt etablierte Systeme zum Energiesparen gibt, die sich für die neue Anlage eignen. Dazu gehören zum Beispiel maschinenübergreifende Managementsysteme oder eine Leistungsregulierung mit Frequenzumformern.

Zu den zentralen Merkmalen einer energieeffizienten Druckluftversorgung gehört auch die Abwärmenutzung. Denn überall, wo in der Produktion Wärme ungenutzt verpufft, geht Geld verloren. Die Abwärme aus der Druckluft fällt mit einem für die Wärmeerzeugung attraktiven Temperaturniveau von 60 bis 90 °C an. Es liegt auf der Hand, diese Wärme gezielt für Heizung, Warmwasser oder für andere Wärmeprozesse zu nutzen.

Billig kann langfristig teuer sein

Der Bau einer neuen Druckluftanlage ist keine Schnäppchenjagd. Wer beim Vergleich der Offerten reflexartig das billigste Angebot wählt, verkennt die langfristige Kostenverteilung in der Druckluft. Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, dass die Investitionskosten nur gerade 15 Prozent der gesamten Druckluftkosten während der Lebensdauer einer Anlage ausmachen. 70 Prozent sind Energiekosten, weitere 15 Prozent müssen für Wartung und Unterhalt gerechnet werden. Eine etwas teurere, dafür sparsamere Druckluftanlage zahlt sich immer aus. Damit man die Energiekosten im Blick behalten und nach der Inbetriebnahme auch optimieren kann, lohnt es sich darüber hinaus, Messgeräte fürs Monitoring des Energieverbrauchs zu installieren. SMM

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