Suchen

Swisstech/Prodex: Robotik Roboter zum Dressieren von Tortenböden

Redakteur: Bernhard Herzog

Sie ist süss, berühmt und sieht gut aus. Ausserdem schmeckt sie lecker, die Solothurner Torte der Suteria. In der Backstube hilft ein Fanuc-Roboter bei der Herstellung. Dabei ist die Idee, einen Roboter zur Tortenherstellung einzusetzen, gar nicht neu.

Firmen zum Thema

Die «Original Solothurner Torte» wird nach einem fast hundertjährigen Rezept produziert.
Die «Original Solothurner Torte» wird nach einem fast hundertjährigen Rezept produziert.
(Bild: Fanuc)

her. Als Inhaber Manfred Suter vor gut 30 Jahren vor Feiertagen oft nächtelang in der Backstube den Kraftsport mit dem Dressiersack ausübte, keimte in ihm schon die Absicht, Abhilfe zu schaffen. Über die Jahre verfolgte er diverse mechanische Ansätze einer Automatisierung. Anleihen bei der Mechanik eines Grammophons blieben in Anfängen stecken. Die Anstrengung blieb, die Löhne stiegen weiter.

An einem Jazz-Konzert lernte Suter dann den Ingenieur Ernst Ramseyer kennen, der für die Herstellung des «Tête de Moine»-Käses eine Maschine zum Salzen der runden Käselaibe entwickelt hatte. Suter griff das Thema auf und interpretierte die Lösung auf seine Weise. Ein Fanuc-Roboter war schon Teil des ersten Lösungsvorschlages für den Konditoreieinsatz, er löste die Aufgabe und durfte fortan das Dressieren der Japonais-Masse übernehmen – bei der Solothurner Torte allerdings mit gemahlenem Haselnussgemisch.

Bildergalerie

Die «Original Solothurner Torte» wird nach einem Rezept produziert, das 2015 hundert Jahre alt wird. Die Torte ist ein Leader-Artikel der Suteria Chocolata AG, Solothurn. Das zweite Hauptprodukt sind «Champagner Truffes». Für beide traditionellen Spezialitäten gab es bei der Swiss Bakery Trophy 2010 im Wettbewerb mit 1400 anderen Produkten zwei Goldmedaillen.

An diesem Erfolg hat ein LR-Mate-Roboter von Fanuc mitgewirkt. Der Beitrag des Roboters zur fertigen Torte ist bescheiden, die Begründung für seinen Einsatz jedoch geradezu «klassisch». Er erledigt eine monotone und überdies sehr kräftezehrende Arbeit. Vorbilder für den Einsatz gab es keine. Aber, so Michael Brüderli: «Unser Geschäft hat ein so grosses Volumen angenommen, dass wir sorgfältig mit unseren Ressourcen umgehen müssen.» Der CEO ist selbst gelernter Konditor und Chocolatier und hat nach seiner Lehre bei der Suteria über mehrere Jahre Erfahrungen in unterschiedlichen Abteilungen beim grössten Schokoladen-Produzenten gesammelt und sich weitergebildet. Seit drei Jahren ist er zurück in Solothurn.

Handwerkliche Kunst …

… wird in der Suteria grossgeschrieben. Ein Abschlusszeugnis nach bestandener Lehre gilt überregional als Eintrittskarte in die Welt der Schokoladen, Torten und Pralinen. Trotzdem sind selbstverständlich viele Arbeitsschritte automatisiert oder mindestens mechanisiert. Für das Füllen der Truffes gibt es «Abfüll-Maschinen», auch Teige werden maschinell gerührt. Das alles in überschaubarem Rahmen und ohne Druck. Während andere Branchen einen Roboter ausdrücklich aus Qualitätsgründen einsetzen, bemerkt Michael Brüderli: «Wo der Roboter keinen Einfluss auf die Qualität hat, uns aber im Arbeitsprozess entlastet und helfen kann, setzen wir ihn auch gerne ein.»

Für den Robotereinsatz war es höchste Zeit geworden, wie sich Manfred Suter erinnert: «Uns sind ja Leute verloren gegangen, die diese Arbeit machen mussten.» Kein Wunder, dass die Konditoren der Suteria den neuen Kollegen schätzen. Manfred Suter: «Wenn man die Handarbeit mit dem Einsatz eines Roboters kombinieren kann und trotzdem mit seinem Produkt einzigartig bleibt, dann spricht natürlich vieles für die Automatisierung.» Die richtige Kombination sei eben auch ein wichtiges Argument für den Erhalt des Produktes und des Standortes.

Mechanischer Kollege in der Backstube

Angesichts der Tausenden von Torten pro Jahr wurde der LR Mate zum geschätzten Hilfsmittel in der Backstube. Mit zirka 700 mm Reichweite und einer Traglast von 5 kg ist er das technische Abbild eines menschlichen Arms und auch in der Lebensmittelproduktion ein idealer Helfer. Wie alle Konditoren trägt er einen weissen Schutzanzug. Nur die Haube bleibt ihm erspart. Die Bedienung der Zelle ist auf einfache Handgriffe reduziert. Dosiereinheit, Behälter und Schläuche sind selbstverständlich auf optimale Reinigungseigenschaften ausgelegt, auch wenn immer das gleiche Produkt verarbeitet wird und keine «Kontamination» durch andere Rezepturen zu befürchten ist. «Die Spritzdüse ist übrigens die gleiche, wie wir sie im Handbetrieb verwendet haben», bemerkt Brüderli.

Auf einem kleinen Touchscreen wird eine von sechs Tortengrössen zwischen 12 und 26 cm Durchmesser eingestellt. Der Mitarbeiter füllt die Dosiereinrichtung mit der Haselnuss-Baisermasse, sorgt für einen Stapel Backbleche und schon kann der Start-Knopf gedrückt werden. Je nach gewählter Tortengrösse passen acht oder zwölf Baiserdeckel auf ein Backblech. Jede Torte hat einen Boden und einen Deckel aus Baiser. Mit einer Dosiereinheit dressiert der Roboter in kreisenden Bewegungen die Masse. Gelegentlich muss von Hand nachgebessert werden, weil die Baisermasse keinesfalls unter hohem Druck verarbeitet werden soll und Lufteinschlüsse zu Fehlern führen können. Ist das Backblech voll, entnimmt es der Mitarbeiter aus der Zelle und es kommt in den Ofen, wo es bei immer gleich niedriger Temperatur im Ofen gebacken wird. Ein leeres Blech wird dann von einem Stapel automatisch in die Roboterzelle gezogen.

Kompromisslose Qualität …

… reklamiert die Suteria für sich. Was das heisst, erklärt Michael Brüderli: «Die Voraussetzung für ein gutes Produkt sind gute Zutaten.» Billiger einzukaufen, so Brüderli, sei kein Problem. Seine «Swiss made»-Strategie geht jedoch in eine andere Richtung: «Uns ist es wichtig, immer die gleiche hohe Qualität zu haben.» Nichts anderes erwarten die Suteria-Kunden.

Dazu gehört auch die Frische aller Produkte. Deswegen kommt der Roboter mit einem Halbtagsjob aus. An die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit stösst der Fanuc-Roboter nicht. Soll er auch nicht. Der Verkauf bestimmt die produzierte Menge. Lediglich vor hohen Feiertagen legt der Roboter mal eine Extraschicht ein.

Und trotzdem: «Unsere Reputation haben wir durch traditionelles Handwerk erarbeitet.» Daran werde sich nichts ändern. «Wir werden auch in Zukunft ausschliesslich ‹Swiss made› produzieren», sagt der designierte Firmenchef. Expansionspläne hege er durchaus. China sei so ein Projekt. Das betreffe allerdings nur exklusive Verkaufsstellen und nur das Geschäft mit Schokolade. Die «Original Solothurner Torte» wird auch in Zukunft ausschliesslich aus Solothurn kommen. Michael Brüderli: «Wir produzieren so viel, wie wir von Hand produzieren können. Dann ist Schluss.» <<

(ID:43025393)