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Schweizer Qualitätszulieferer 2019 Rotodur AG: 50 Jahre Hartmetall-Kompetenz

Redakteur: Matthias Böhm

Die Rotodur AG, Spezialistin in der Herstellung von Hartmetall-Bauteilen, feiert ihr 50-jähriges Jubiläum. Das Gränicher Unternehmen beherrscht von der Rohlingsherstellung über das Sintern bis hin zur Bearbeitung die gesamte Prozesskette. Und da Stillstand ein Fremdwort für die Hartmetall-Spezialisten ist, wird tatkräftig in die Modernisierung des Maschinenparks investiert.

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Rotodur beherrscht von der Pulvermetallurgie bis zum einsatzfähigem Hartmetall-Werkzeug die gesamte Prozesskette.
Rotodur beherrscht von der Pulvermetallurgie bis zum einsatzfähigem Hartmetall-Werkzeug die gesamte Prozesskette.
(Bild: Rotodur)

Kaum ein Unternehmen beherrscht das Herstellen und Bearbeiten komplexer Hartmetallbauteile – rund bis kubisch − in dieser Perfektion wie die das Gränicher Unternehmen Rotodur. Dieses Fachwissen aufzubauen, war jedoch nicht leicht, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.

1969: Start-up in einem Keller

Mit 27 Jahren wagte Paul Füchslin mit zwei Partnern den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Erfolgsgeschichte des damaligen Start-ups Rotodur AG begann in einem Keller mit zwei gebrauchten Rundschleifmaschinen, in die damals viel Geld investiert werden musste. Heute, 50 Jahre später, verfügt das Unternehmen über 30 hoch qualifizierte Mitarbeiter und einen Maschinenpark, der auf die Hartmetallver- und -bearbeitung perfekt zugeschnitten ist. 20 Mitarbeiter entwickeln und produzieren in Gränichen. Zehn Mitarbeiter arbeiten in der Niederlassung in Biel, wo unter anderem auch centerless geschliffene Hartmetall-Werkstücke hergestellt werden.

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Paul Füchslin (Mitbegründer, VR-Präsident und Hauptaktionär) sagt zu seinem Schritt in die Selbständigkeit: «Ich hatte damals mit 27 Jahren einen sicheren Arbeitsplatz als Produktionsleiter. Gleichwohl habe ich mir gesagt, jetzt oder nie. Wenn ich heute – 50 Jahre später – auf die Entwicklung des Unternehmens zurückschaue, war es die richtige Entscheidung.»

Beherrschung der kompletten Prozesskette

Die eigentliche Kernkompetenz des Unternehmens liegt in der Beherrschung der kompletten Prozesskette: von der Hartmetallpulver-Aufbereitung über das Pressen der Grünlinge und das Vor- und Fertigsintern der Teile bis hin zum Fertigbearbeiten der Hartmetallwerkstücke. Wenn es technisch erforderlich ist, bearbeitet die Rotodur AG auch das Trägermaterial dazu.

Paul Füchslin: «Zu Beginn hatten wir uns noch zu 100 Prozent auf das Bearbeiten von Hartmetallwerkstücken konzentriert, und zwar auf das Aussen- und Innenschleifen. Die Hartmetallrohlinge mussten wir extern beschaffen. Doch wir wollten uns weiterentwickeln und den Wertschöpfungsprozess erweitern.»

Rolf Füchslin (Geschäftsführer seit 2009): «Die Erfolgsgeschichte ist sicher auch, dass wir die gesamte Prozesskette abdecken. Wir werden von Industrie-Unternehmen unterschiedlichster Branchen angefragt, für die wir anwendungsspezifische Hartmetall-Bauteile herstellen. Unsere Produkte gehen typischerweise in Industriesektoren, wo sie hohen Belastungen und Verschleiss ausgesetzt sind. Dabei werden die Anforderungen an Haltbarkeit, die Komplexität und Präzision immer anspruchsvoller. Ein bedeutender Anwendungssektor unserer Lösungen liegt im Bereich der Stanztechnik. Stichworte sind Stanzmatrizen, Prägewerkzeuge, Form- und Lochstempel sowie Ziehwerkzeuge. Aber auch Maschinenteile für die Textilindustrie oder die grafische und chemische Industrie stellen wir aus Hartmetall her. Für besonders hoch beanspruchte Schleifanwendungen fertigen wir auch Schleifdorne aus Hartmetall anstelle von Vergütungsstahl.»

Die Spezialisten des Unternehmens sind in der Lage, anspruchsvollste Geometrien, Passungen, Innenbohrungen, Aussengewinde wie auch Innengewinde in engen Toleranzen zu fertigen.

Bedeutender strategischer Schritt in 1987

Der strategische Schritt in die Hartmetallherstellung wurde 1987 initiiert: «Das war aus heutiger Sicht ein ganz wichtiger Entscheid, um unser Unternehmen vom reinen Lohnunternehmen zu einem Technologieunternehmen weiterzuentwickeln. Denn erst seit der Herstellung unserer eigenen Hartmetalle können wir zu 100 Prozent zielgerichtet die Werkstoffeigenschaften auf das Anforderungsprofil hin ausrichten. Das war zuvor in diesem Umfang nicht möglich. Ab diesem Moment war es uns möglich, auf höchstem Qualitätsniveau im Bereich von Hartmetallbauteilen mitzuwirken», sagt Paul Füchslin.

Rolf Füchslin: «Bis 1987 hatten wir hohe Kompetenz im Bearbeiten von Hartmetallen: Erodieren, Schleifen, Läppen, Honen usw. Doch wir hatten keinen wirklichen Einfluss auf das Grundmaterial. Wir konnten nicht immer das passende Hartmetall beschaffen. Wenn die Basis, also das Grundmaterial, nicht optimal ist, dann können Sie nicht das 100-prozentige Werkstück fertigen. Aber das war immer unser Ziel. Genau das änderte sich mit unserer eigenen Hartmetallherstellung fundamental.»

Hochkarätiger Schweizer Maschinenpark

Das Unternehmen verfügt über einen Maschinenpark, der perfekt auf die Hartmetallbearbeitung zugeschnitten ist. Rolf Füchslin: «Wir haben zum grössten Teil Schweizer Werkzeugmaschinen. Im Rundschleifbereich verfügen wir über Studer- und Kellenberger-Maschinen. Agie-Charmilles-Senk- und Drahterodier-Maschinen runden den Maschinenpark ab. Im 2019 investierten wir in eine CNC-gesteuerte Hauser-Koordinaten-Schleifmaschine. Den Erodierbereich erweiterten wir erst kürzlich durch eine Agie-CUT-P350-Drahterodiermaschine und eine Agie-FORM-P350-Senkerodiermaschine. Mit diesem Maschinenspektrum sind wir auf einem sehr hohen Fertigungsgrad im Bearbeiten von HM-Bauteilen angekommen.»

Kompetenzspektrum wächst kontinuierlich

Rolf Füchslin über die Zukunft des Unternehmens: «Aufgrund der Erweiterung unseres Kompetenzspektrums nehmen die Anfragen stetig zu, das stimmt mich zuversichtlich für die zukünftige Entwicklung unseres Unternehmens.» Paul Füchslin ergänzt: «Das ist genau so, ich denke, dass Hartmetall für unterschiedlichste Anwendungen immer interessanter wird, bei denen bisher niemand daran gedacht hatte, sie aus diesem Material zu fertigen. Die Anwendungsbreite vergrössert sich, deshalb wird unser Auftragsvolumen zunehmen. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben wir in den Maschinenpark wieder massiv investiert. Gerade auch mit den jüngsten Investitionen und dem hervorragenden Know-how unserer Mitarbeiter blicken wir in unserem 50. Jubiläumsjahr positiv in die Zukunft.»

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