Die Wurzeln der rund 250 Mitarbeitende zählenden Schaltag-Gruppe liegen im Schaltschrankbau und in der Kabelkonfektion. Darauf aufbauend hat das Unternehmen Kompetenzbereiche zur Umsetzung von strategischen Outsourcing- sowie Automatisierungsprojekten aufgebaut. Dazu gehört die professionelle Beschaffung und vernetzte Fertigung über die beiden Standorte in der Schweiz und in Tschechien, wie CEO Igor Savicic im Exklusivinterview mit dem SMM betont.
Als die SMM-Redaktion vor Ort war, wurde eine komplexere Automationsanlage kundenspezifisch programmiert und die Inbetriebnahme vorbereitet.
(Bild: Matthias Böhm)
SMM: Zwei Ihrer fünf Kompetenzfelder sind der Schaltschrankbau sowie der Apparate-, Maschinen- und Anlagenbau inklusive Engineering. Können Sie diese Kompetenzfelder kurz beschreiben?
Igor Savicic: Im Schaltschrankbau bieten wir Engineering, Dokumentationserstellung und Wertanalysen für jede Anforderung – vom anspruchsvollen Prototypenbau bis hin zur kostengünstigen Serienfertigung, bei Bedarf mit CE-Zertifizierung für Europa und UL-Zertifizierung für die USA. Für den Maschinen- und Anlagenbau bieten wir zusätzlich Unterstützung bei der Konzeptentwicklung und können auch grossvolumige Systeme realisieren. Unsere Ingenieure arbeiten mit modernsten Tools und verstehen die Sprache des Kunden.
Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen im Maschinen- und Apparatebau?
I. Savicic: Die Sicherung und Stärkung der Kernkompetenzen in den Bereichen Engineering, Beschaffung und Produktion gehören zu unseren täglichen Herausforderungen. Dazu kommen die kontinuierliche Steigerung der Produktivität in allen Bereichen, zum Beispiel durch gezielte Digitalisierung sowie spezifische Themen wie die Versorgungssicherheit für die Langläufer. Deshalb investieren wir kontinuierlich in Ausbildung sowie Prozess- und Tooloptimierung.
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In welchen Technologiesegmenten sind Ihre Kunden angesiedelt?
I. Savicic: Wir sind in den letzten Jahren historisch mit dem klassischen Maschinenbau gewachsen. Unser Kundenspektrum reicht vom lokalen KMU bis zum internationalen Grosskonzern mit entsprechenden Anforderungen an uns als Prozesslieferanten. Seit Covid konnten wir auch vermehrt Aufträge in der Pharma- und Medtech-Industrie generieren. Letztlich sind wir aber nicht auf bestimmte Branchen festgelegt. Grundsätzlich sind wir es gewohnt, kleine und grosse Projekte für unsere Kunden branchenunabhängig zum Erfolg zu führen.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau?
I. Savicic: Die Zusammenarbeit mit unseren Kunden ist auf deren Bedürfnisse und Wünsche zugeschnitten. Wir haben in den letzten Jahren festgestellt, dass das Management der gesamten Wertschöpfung für die Kunden immer wichtiger wird, um adäquate Lieferzeiten, Stichwort «time to market», und Kosten gewährleisten zu können. Die entsprechenden Kompetenzen haben wir in unserer Organisation konsequent aufgebaut. Wir pflegen seit Jahrzehnten erfolgreiche Partnerschaften und sind stark darin, zeitnah Lösungen für sich ändernde Anforderungen zu finden. Dies ist aus unserer Sicht ein Differenzierungsfaktor und Alleinstellungsmerkmal unserer Kompetenzstruktur.
Sie entwickeln für Ihre Kunden komplexe, massgeschneiderte Anlagen und Automatisierungssysteme. Wie läuft der Know-how-Austausch bei solch komplexen Engineering-Projekten ab?
I. Savicic: Es beginnt mit intensivem Zuhören und einem klaren Verständnis der Kundenanforderungen sowie der Zusammenstellung eines gemeinsamen Teams. Während des Projekts sorgen wir für einen kontinuierlichen Austausch gemäss dem vereinbarten Meilensteinplan mit klarem Fokus auf die Zielerreichung. Entscheidend ist, dass wir gemeinsam mit dem Kunden konkrete Meilensteine definieren, diese termingerecht umsetzen und die Projektabwicklung bei Bedarf kontinuierlich an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. Uns ist sehr wichtig, die Prozesse und Technologien unserer Kunden zu verstehen, um diese optimal bedienen zu können. Hierzu müssen wir kontinuierlich investieren, natürlich auch in die Weiterbildung unserer Mitarbeitenden.
Was bedeutet das für Ihr Entwicklungsteam?
I. Savicic: Ein kompetentes und kommunikatives Entwicklungsteam ist entscheidend für eine effiziente Zusammenarbeit und besteht aus rund zehn Spezialisten. Darüber hinaus arbeiten wir mit spezialisierten Entwicklungspartnern zusammen, die wir bei Bedarf hinzuziehen. Auch hier verfügen wir über ein ausgezeichnetes Netzwerk.
Apropos Vernetzung, Sie verfügen über ein internationales Beschaffungsnetzwerk, können Sie Ihr Beschaffungsnetzwerk näher beschreiben und welche Vorteile es für Ihre Kunden hat?
I. Savicic: Unsere langjährigen Partnerschaften, zum Beispiel mit Herstellern von Schweissbaugruppen, sind der Garant dafür, dass wir auch bei zeitlich und inhaltlich anspruchsvollen Anwendungen wirtschaftliche Lösungen für unsere Kunden anbieten können. Grundsätzlich legen wir gemeinsam mit unseren Kunden die Beschaffungsstrategie, den optimalen Liefer- und Leistungsumfang fest, der bei jedem Projekt neu definiert wird. Dazu gehören auch die Abrufmengen sowie die notwendigen Sicherheitsbestände in der Beschaffung.
Was haben Sie während der Covid-Pandemie in Bezug auf die Beschaffung gelernt?
I. Savicic: Die Beschaffungsrealität wurde während Covid auf eine harte Probe gestellt. Es gab weltweit Lieferengpässe in bestimmten Bereichen. Dank unseres internationalen und breiten Netzwerks konnten wir jedoch alternative Lösungen finden, insbesondere im Bereich der Steuerungstechnik. Dieses Engagement wurde von unseren Kunden sehr geschätzt. Wir überwachen kontinuierlich die Daten und Fakten zur Lieferfähigkeit aller unserer Lieferanten, um schnell und prozesssicher handeln zu können.
Wie stellen Sie den Service und die Ersatzteilversorgung für die von Ihnen konzipierten Anlagen sicher?
I. Savicic: Zum Teil schulen wir die Kunden an den Systemen und stellen spezifische Soft- und Hardwaretools zur Verfügung. Darüber hinaus bieten wir natürlich auch unseren direkten Service an. Die langfristige Ersatzteilversorgung definieren wir immer gemeinsam mit dem Kunden.
Stand vom 30.10.2020
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Sie sprachen von der Entwicklung von Softwarelösungen.
I. Savicic: Ja, auf jeden Fall, es gibt vier grosse Anbieter im Bereich der Steuerungstechnik, auf die wir konkret zugreifen. Hier hat es in den letzten Jahren nach der Covid-Situation enorme Unterschiede in der Lieferperformance gegeben. Für alle Steuerungssysteme entwickeln wir mit unseren Mitarbeitern die entsprechende Software, wir entwickeln die Schnittstellen und integrieren die Anlagen schlüsselfertig in deren Produktion. Bei den Steuerungssystemen richten wir uns zu 100 Prozent auf den Kunden aus und bauen die entsprechenden softwarespezifischen Kompetenzen weiter aus.
Zum Unternehmen: Sie kommen ursprünglich aus dem Schaltschrankbau und der Kabelkonfektion. Der Anlagenbau und die Automation sind hinzugekommen. Wohin geht die Reise?
I. Savicic: Der Firmenname Schaltag kommt ja aus dem Schaltschrankbau, den wir seit 1961 weiter perfektioniert haben. Darüber hinaus positionieren wir uns verstärkt als industrieller Lösungsanbieter. Mechatronische Systementwicklung und Fertigung praktizieren wir seit rund 30 Jahren, in den letzten 10 Jahren wurden die aus unserem Unternehmen gelieferten Maschinen und Anlagen jedoch komplexer und teilweise auch grösser – und wir konnten verstärkt Outsourcing-Projekte mit klaren Kosteneinsparungen für unsere Kunden durchführen. Zusätzlich haben unsere zufriedenen Kunden vermehrt Automationsleistungen bei uns angefragt. Diesen Bedarf nahmen wir in unsere langfristig angelegte Strategie auf, die wir gemäss dem Kompetenzaufbau unseres Unternehmens implementieren. An dieser Stelle möchte ich unseren zweiten, sehr modernen Standort in Tschechien erwähnen, der den Schweizer Standort bzgl. Einkauf und Produktion bedarfsweise optimal ergänzt. Entscheidend aber bleibt, dass wir für die Schweizer Kunden vor Ort sind, ihre Sprache sprechen und über die Agilität verfügen, gemeinsame Projekte rasch zu deren vollster Zufriedenheit umzusetzen. SMM