3D-Druck Schicht für Schicht zum Haus

Autor / Redakteur: Dana Hoffmann / Stéphane Itasse

Der US-Ingenieur Behrokh Khoshnevis von der University California arbeitet seit einigen Jahren an einer Erweiterung der gar nicht so neuen Technik des Drucks von Gegenständen. Unter dem Stichwort Contour Crafting überträgt er die etablierte Technik des 3D-Druckers in den ganz grossen Massstab: Er baut mit seinem Team Häuser.

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Der Häuserdrucker in der Animation.
Der Häuserdrucker in der Animation.
(Foto: Contour Crafting, 2014. Alle Rechte vorbehalten.)

Noch steckt das Projekt in der Entwicklungsphase. Khoshnevis ist Professor an der University of South Carolina und betreibt dort seine Forschung auf dem Gebiet der System- und Produktionstechnik, wie Contour Crafting berichtet. Das System ist also noch nicht für den Markt bereit, soll aber schon in wenigen Jahren die ersten Schritte in diese Richtung machen. Eigentlich setzt das Ganze nur eine geniale Idee etwas grösser um. Der grosse arbeitet genau wie ein kleiner 3D-Drucker nach dem Schichtprinzip, bei dem der druckbare Gegenstand in vielen Einzelschritten entsteht.

Einen wesentlichen Unterschied gibt es aber doch: Beim herkömmlichen 3D-Druck kann aktuell oft nur ein Werkstoff erarbeitet werden, der durch Laser oder Elektronenstrahlen an den richtigen Stellen geschmolzen wird und nach dem Aushärten die gewünschte Form behält. Bei der Erfindung von Khoshnevis ist der riesige „Druckkopf“ Teil einer vielseitig beweglichen Anlage und mit den verschiedenen giessbaren Baumaterialien gefüllt, die direkt auf das leere Areal auftragen werden. Ein schnellhärtender Beton formt die Wandhüllen, danach werden sie mit üblichen Materialien ausgegossen.

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Weniger Mannstunden, mehr Flexibilität

Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein einziger Dienstleister bewerkstelligt mit vier Mann den gesamten Rohbau – laut eigenen Angaben innerhalb von 24 Stunden für ein grosszügig bemessenes Wohnhaus. Individuelle Architekturen können umgesetzt werden, ohne nach den passenden Bauelementen suchen zu müssen. Momentan arbeiten die Wissenschaftler an der Möglichkeit, Versorgungsleitungen gleich mit zu giessen. Der Phantasie scheinen nur die Grenzen der Statik gesetzt.

Die Träume der Entwickler reichen bis zum automatisierten Hausbau auf dem Mond oder Mars. Vorerst ist eher die Anwendung im Katastrophenfall oder in ärmeren Ländern realistisch, in denen es darauf ankommt, schnell und günstig dafür zu sorgen, dass die Menschen ein Dach über dem Kopf bekommen. Apropos Dach: Wenn gewünscht, kann das Dach ebenfalls aus Beton gegossen werden. Der Roboter kann aber auch als Kran eingesetzt werden und transportiert herkömmliche Materialien an die richtige Stelle – voll automatisch, versteht sich.

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