Bystronic: Innovation gehört zur Schweizer DNA

Schweiz auch künftig attraktiver Standort

| Redakteur: Konrad Mücke

Christoph Rüttimann: «Künftig wird man sich im Wettbewerb vor allem durch Software abheben. Das gilt für uns als Anbieter von Fertigungslösungen, aber auch für unsere metallverarbeitenden Kunden.»
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Christoph Rüttimann: «Künftig wird man sich im Wettbewerb vor allem durch Software abheben. Das gilt für uns als Anbieter von Fertigungslösungen, aber auch für unsere metallverarbeitenden Kunden.» (Bild: Bystronic)

Bystronic ist ein weltweit führender Anbieter für Gesamtlösungen zur Blechbearbeitung mit Entwicklungs- , Fertigungs- und Vertriebsstandorten in aller Welt. Über die optimale Strategie und künftige Chancen sprachen wir mit Dr. Christoph Rüttimann, CTO Bystronic Group.

SMM: Herr Rüttimann, wie bewerten Sie die aktuelle Geschäftsentwicklung bei Investitionsgütern wie den hochwertigen Blechbearbeitungslösungen von Bystronic?

Christoph Rüttimann: Wegen der schwer vorhersehbaren politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen rund um den Globus halten sich viele Unternehmen derzeit zurück. Sie warten ab, investieren nur zögerlich oder gar nicht.

Welchen Einfluss hat das auf Ihre Geschäftstätigkeit?

C. Rüttimann: Der Geschäftsgang von Bystronic hängt nicht spezifisch von einer oder wenigen Branchen ab. Das ist unser Vorteil. Blechteile werden überall benötigt, in der Luft- und Raumfahrt, im Fahrzeugbau, in der Elektronik, der Haushaltsgeräteindustrie und der Medizinaltechnik, im Schwermaschinenbau und der Energieerzeugung. Somit trifft uns beispielsweise die aktuelle Schwäche der Automobilbranche nur wenig. Insgesamt betrachten wir die zurückhaltende Konjunktur als vorübergehende Erscheinung. Ich gehe davon aus, dass diese Beruhigung nicht in eine tiefgreifende Krise münden wird. Insofern bin ich zuversichtlich.

Wie positioniert sich Bystronic, um auch volatile Wirtschaftsentwicklungen gut zu bewältigen?

C. Rüttimann: Dazu haben wir uns in mehrfacher Hinsicht orientiert. Zum einen haben wir in unterschiedliche Technologie-Unternehmen investiert und deren Portfolio in unser Angebot integriert. Bystronic ist über Jahrzehnte bekannt,für hochwertige Produkte und innovative Technologien. Diese erfordern vom Anwender natürlich entsprechende Investitionen. Seit einigen Jahren entwickeln und verkaufen wir auch Lösungen im mittleren Preissegment. In Asien unterstützen wir Anwender auch mit Schneid- und Biegesystemen im Einstiegssegment. Zudem gehören inzwischen weitere Technologien, zum Beispiel das 3D-Schneiden von Rohren und Profilen oder das umfassende Automatisieren bei Schneid- und Biegeprozessen, zu unserem Produktportfolio. Damit sind wir in allen Wirtschaftssituationen in der Lage, unseren Kunden die ideale Fertigungslösung anzubieten. Zudem können wir Maschinensysteme und Services anbieten, die sehr präzise auf regionale Forderungen abgestimmt sind. So sind wir weltweit in nahezu allen regionalen Märkten erfolgreich.

Wie ist Bystronic international vertreten?

C. Rüttimann: In allen Kontinenten haben wir regionale Verkaufs- und Servicegesellschaften. In Europa, Amerika und Asien haben wir Entwicklungs- und Produktionsstätten. So können wir wichtige Märkte direkt unterstützen und beliefern. An allen Standorten profitieren wir von regional verwurzelten Mitarbeitenden. Sie kennen die jeweilige Mentalität unserer Kunden. Wir können damit auch spezielle Forderungen und Vorlieben für unsere weitere Entwicklung aufnehmen und zu unserem Vorteil nutzen. So haben beispielsweise chinesische Fertigungsbetriebe schon früh den Faserlaser bevorzugt. Das gab uns wiederum den Anstoss, diese Technologie konsequent weiterzuentwickeln und auch in anderen Märkten voranzutreiben.

Bedeutet das, dass Bystronic in einem überschaubaren Zeitraum eher kein Schweizer Unternehmen mehr sein wird?

C. Rüttimann: Das trifft es nicht! Wir stehen entschieden und nachhaltig zum Standort Schweiz. Bystronic ist als Unternehmen von Innovation getrieben. Und Innovation wird auch in Zukunft in der Schweiz generiert, davon sind wir überzeugt. Allerdings verteilen wir unsere Kompetenzen neben Niederönz in den Bereichen Automation, Laserschneiden von Rohren und Profilen auf zwei weitere Standorte in Italien. In Deutschland entwickeln wir Biegetechnologie. Und auch in China haben wir Entwicklungs- und Fertigungsstandorte in Tianjin und Shenzhen. Westliche Ingenieure sind daran interessiert, etwas so gut wie möglich und am besten morgen noch besser zu machen. Chinesische Ingenieure hingegen entwickeln Maschinen mit einer anderen Art von Effizienz. So, dass es eben funktioniert und den gewünschten Zweck erfüllt. Beide Arbeitsweisen haben ihre Berechtigung. Und der gegenseitige Austausch bringt überzeugende Ergebnisse.

Was gibt Ihnen die Sicherheit, dass die Schweizer Technologie weiterhin führend sein wird?

C. Rüttimann: Nach wie vor geniessen Schweizer Produkte weltweit einen hervorragenden Ruf für ihre Qualität und Zuverlässigkeit. Diesen gilt es zu erhalten und in Zukunft weiter auszubauen. Dafür haben wir die besten Voraussetzungen. Das betrifft einerseits die Mentalität, das hatte ich schon angesprochen. Dazu gehört andererseits aber speziell unser herausragendes Bildungssystem und allgemein das Bildungsniveau. Wir pflegen beste Kontakte zu Schulen und Hochschulen. So gibt es einen fortlaufenden Austausch zwischen unabhängiger Forschung und den Unternehmen. Auch hat sich inzwischen eine auf aktuelle Forderungen der Industrie ausgerichtete Forschung in direkter Verbindung zu Unternehmen etabliert. Das bringt natürlich bedeutende Impulse für Innovation. Es vereinfacht auch den Zugang zu Fachkräften und ermöglicht den jungen Menschen einen problemlosen Übergang in die Arbeitswelt. Unter diesen Aspekten ist die Schweiz ein besonders attraktiver Standort. Wenn wir das weiterführen, werden wir künftig weltweit hinsichtlich Innovation und Technologie führend bleiben. Darauf können wir stolz sein.

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In welche Richtung wird sich die Innovation bewegen?

C. Rüttimann: Nach vielen Jahren der Weiterentwicklung bei der Mechanik und den Prozessen werden künftig die Software und die Automation eine immer grössere Rolle spielen. Künftig wird man sich im Wettbewerb vor allem durch Software abheben. Das gilt für uns als Anbieter von Fertigungslösungen, aber auch für unsere metallverarbeitenden Kunden. Das haben wir erkannt und richten uns ganz gezielt danach aus. So haben wir unsere Entwicklung mit Softwarespezialisten erheblich verstärkt. Unser Produktportfolio wird fortlaufend erweitert mit kompletten, automatisierten Systemen, bei denen Software eine entscheidende Rolle spielt. Wir wollen unseren Kunden neben einzelnen Maschinen auch komplett vernetzte Produktionssysteme anbieten. Wir binden dabei auch Maschinen und Einrichtungen ein, die nicht aus unserem Hause stammen. Da unterscheiden wir uns von einigen Wettbewerbern. Wir sind aber der Meinung, dass wir nur so unseren Kunden den echten Mehrwert bieten. Unsere Innovation entsteht immer aus dem sehr engen Kontakt zu unseren Kunden. Wir orientieren uns an deren Forderungen und an deren Bedarf.

Ziel ist die vollständig vernetzte, automatisierte Blechfertigung. Selbst für Einzelstücke soll ein vollständig automatisierter Durchlauf verwirklicht werden. Getrieben wird diese Entwicklung unter anderem von der Erkenntnis, dass auch unseren Kunden immer weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Um unseren Kunden zu zeigen, dass wir das schaffen, bauen wir derzeit unsere eigene Fertigung nach diesem Prinzip neu auf. In unserem angestammten Werk in Niederönz,gestalten wir eine bestehende Produktionshalle grundlegend um. Dort installieren wir unsere vernetzte Fertigung nach dem Prinzip der Smart Factory Dasselbe machen wir in unserem neuen Produktionswerk in den USA.

Der Weg führt also weg vom reinen Maschinenhersteller hin zu einem eher von Software geprägten Unternehmen. Wie bekommen Sie dafür die geeigneten Fachkräfte, die sich bisher ja in einer ganz anderen «Umwelt» bewegen und aufhalten?

C. Rüttimann: Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber und bauen unser Potential hier auch noch weiter aus. Wir gestalten an mehreren Standorten unsere Arbeitsumgebungen um. In Niederönz zum Beispiel wird es in Zukunft unterschiedliche Bereiche zum Arbeiten speziell für «Kopfarbeiter» geben. Einerseits eher individuelle Bereiche, in die man sich mal zurückziehen kann, andererseits sehr kollaborative, für wechselnde Teams vorgesehene Arbeitsumgebungen. Auch die Arbeitszeitmodelle wandeln sich. Wir ermöglichen es nicht nur den Softwarespezialisten zumindest zeitweise an selbstbestimmten Orten zu arbeiten.

Darüber hinaus bilden wir unseren Nachwuchs selbst aus. Fortlaufend haben wir etwa 120 Lehrlinge in unterschiedlichen Stufen der Ausbildung und in einer Vielzahl an Berufsfeldern bei uns beschäftigt. Dafür passen wir auch die Lerninhalte an die künftigen Forderungen an. Sind unsere Fachkräfte mal in den betrieblichen Alltag fest eingebunden, geben wir ihnen immer wieder Möglichkeiten zur Weiterbildung. Das können Aufenthalte im Ausland an einem unserer Standorte sein, um den sozialen Horizont zu erweitern und um den Wissenstransfer zu fördern. Das kann aber auch die fachliche Qualifikation betreffen, um sich zum Beispiel mit einem Zusatzstudium in Technologie, Betriebswirtschaft oder Marketing weiterzuentwickeln. Speziell in dieser Hinsicht arbeiten wir daran, auch in Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. SMM

Herr Rüttimann, vielen Dank für diese Informationen.

Das Interview führte Konrad Mücke.

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