Die Unternehmen Robert Ott AG und Rollstar AG haben die Einkaufsplattform Seetalfertigung initiiert. Der Fokus der neuen Plattform liegt auf der Fertigung und Montage komplexerer Baugruppen. Die beiden Partnerunternehmen verfügen gesamthaft über einen Maschinenpark von über 100 CNC-Werkzeugmaschinen sowie knapp 200 Mitarbeitende und decken das gesamte Spektrum modernster Fertigung (Dreh-Fräskomponenten, Verzahnungen) ab. Im SMM-Interview zeigen Robert Ott (CEO der Robert Ott AG) und Lukas Ziegler (CEO der Rollstar AG) auf, über welche Kompetenzen die Seetalfertigung verfügt.
Die beiden Initianten der Seetalfertigung Lukas Ziegler (li.) und Robert Ott, im Hintergrund das 60 Mitarbeiter starke Familienunternehmen Rollstar AG, das sich auf modulare Planetengetriebe und Hydromotoren spezialisiert hat.
(Bild: Matthias Böhm)
Mit welchem Ziel haben Sie die Einkaufsplattform seetalfertigung.ch gegründet?
Robert Ott: Die Rollstar AG und die Robert Ott AG arbeiten seit vielen Jahren eng zusammen. Die Rollstar AG ist keinen Kilometer von uns entfernt. Wenn man es ganz grob beschreiben würde, dann verfügt Rollstar über eine sehr hohe Kompetenz im Bereich des Verzahnens und der Getriebetechnik, inklusive hydraulischer Antriebssysteme. Wir als Robert Ott AG, aktuell mit 130 Mitarbeitenden, sind ein klassischer Zulieferant mit dem Fokus auf Dreh- und Fräskomponenten. Unser Ziel ist, die Stärken und die geographische Nähe beider Firmen zu bündeln, damit wir unseren Partnern ein zuverlässiges Netzwerk für mechanische Lösungen mit höchsten Ansprüchen bieten können, wenn es um komplexe Bauteile und Baugruppen geht, «ein Projekt, ein Ansprechpartner».
Herr Ziegler, können sie das Kompetenzgefüge der Rollstar AG kurz umreissen?
Lukas Ziegler: Rollstar ist auf mechanische Antriebstechniksysteme spezialisiert. Konkret entwickeln wir modulare Planetengetriebe und Hydromotoren.
Die Branchen, die wir beliefern, sind breit gefächert. Unsere Kunden kommen aus den Segmenten Offshoreindustrie, Erdbohrsysteme, Seilbahnbau bis hin zu Tunnelbohrmaschinen und der Stahlindustrie. Ein Beispiel: Die Kaltumformung von Blechen (bis zu 400 mm Blechdicke) erfordert hohe und höchste Drehmomente zum Antrieb der Walzen. In diesem Anwendungsgebiet wird unser momentan grösstes Planetengetriebe mit einem maximalen Drehmoment von 6,5 Mio. Nm eingesetzt. Unser Team und unser Maschinenpark sind auf die Entwicklung und Herstellung solcher Antriebslösungen spezialisiert. Unser Binnenmarkt ist eher klein und liegt bei zehn Prozent. Wir exportieren fast 90 Prozent unserer Produkte ins Ausland.
Jetzt zur Robert Ott AG, wie positioniert sich Ihr Unternehmen?
Robert Ott: Unsere Komponenten, die wir fertigen, hören von den Dimensionen etwa da auf, wo es bei Rollstar anfängt. Unser Export liegt bei zirka fünf Prozent im DACH-Raum, das heisst der Heimmarkt ist für uns existenziell. Wir verfügen über 80 CNC-Maschinen auf 6 000 m2 Produktionsfläche. Über das Jahr erreichen wir mit 3-Schicht-Betrieb über 250 000 Produktionsstunden. Die typischen Losgrössen liegen zwischen 20 und 2 000 Stück von 1 mm bis 600 mm im Durchmesser mit eine Länge bis 2 000 mm.
Um es kurz zu machen: Wir bearbeiten alle gängigen Materialien. Das gleiche gilt für die Bearbeitungsverfahren, mit Ausnahme des Verzahnungsprozesses, wo die Rollstar AG zum Zug kommt, können wir nahezu alle Verfahren im eigenen Betrieb ausführen.
Was bedeutet das konkret, dass Rollstar beim Verzahnen zum Zug kommt?
Lukas Ziegler: Das ist tatsächlich eine unserer Kernkompetenzen. Innen- und Aussenverzahnungen können wir per Abwälzverfahren, stossend oder räumend herstellen. Seitens des Maschinenparks haben wir einen Fokus auf Dreh- und Fräsbearbeitungen, Schleifen und Verzahnen. Wir bearbeiten Dimensionen bis 1 600 mm. Unsere Räummaschine gehört zu den grössten Europas. Das heisst, wir haben hier echte Alleinstellungsmerkmale. Vom Durchmesser können wir Innenverzahnungen bis zu einem Teilkreisdurchmesser von zirka 400 mm räumen. Wir haben hierzu diverse Räumnadeln mit gängigen Profilen.
Im Rahmen der Seetalfertigung heben Sie sich von den Kompetenzspektrum der Einzelunternehmen ab. Was heisst das konkret?
Robert Ott: Unser Kundenspektrum ordert heute zu 95 % Einzelkomponenten bei uns. Bei Rollstar sind es Antriebssysteme und -einheiten, die auf den Bereich der Antriebstechnik den Fokus legen. Unsere beiden Unternehmen ergänzen sich aus technologischer Sicht hervorragend. Gemeinsam können wir ein sehr anspruchsvolles Spektrum an Systemlösungen anbieten, die die jeweiligen individuellen Einzelkompetenzen unserer beiden Unternehmen erheblich erweitern und unseren Kunden einen Mehrwert bieten.
Verstehe ich das richtig, dass die Seetalfertigung eine reine Plattform für industrielle Einkäufer ist?
Lukas Ziegler: Korrekt, die Seetalfertigung ist kein Unternehmen und auch kein Firmenzusammenschluss, sondern eine reine Vertriebsplattform, welche den Fokus auf den strategischen Einkauf oder die Beschaffung der Kunden legt.
Aus welchen Sektoren erhoffen Sie sich Aufträge?
Robert Ott: Aus allen Industrien, in denen die Einkäufer komplexere anspruchsvolle Baugruppen benötigen. Von der Maschinenindustrie bis hin zu Bereichen der Halbleiterindustrie versprechen wir uns erhebliches Potenzial.
Lukas Ziegler: Hier kommt unsere Kooperation zum Tragen. Die Rollstar AG und die Robert Ott AG ergänzen sich hervorragend. Die Idee der Seetalfertigung kam vor drei Jahren. Gemeinsam können wir komplexe Baugruppen fertigen und montieren. Die Seetalfertigung will sich, wie gesagt, auf grössere Projekte spezialisieren, wir erhoffen uns Anfragen für Baugruppenentwicklung, -fertigung und Montage. Im Bereich der mechanischen Fertigung können wir ein enorm breites Spektrum anbieten. Weitere Verfahren wie z. B. Wärmebehandlung oder Beschichtung beziehen wir extern. Aktuell wollen wir die Möglichkeiten unserer beiden Unternehmen im Rahmen der Seetalfertigung voll ausnutzen.
Stand vom 30.10.2020
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Und wer übernimmt den Lead im Falle eines Auftrags?
Lukas Ziegler: Die Verantwortung für die jeweiligen Projekte übernimmt, das Unternehmen, welches den grösseren Projektanteil hat. Erhalten wir eine Anfrage prüfen wir zunächst, wer den Lead übernimmt. Entsprechend würde die Rollstar AG oder die Robert Ott AG den Kontakt aufnehmen und das Projekt koordinieren.
Robert Ott: Wenn unsere Kunden das Bedürfnis haben gesamte Baugruppen zu bestellen, dann können wir das über die Seetalfertigung entsprechend abdecken. Mit der Seetalfertigung sprechen wir konkret Einkäufer an, die Interesse haben komplexe Systeme zu bestellen. Entscheidend ist der Nutzen der Kunden
Die unterschiedlichen Stärken der beiden Unternehmen haben Sie beschrieben, wo liegen die Gemeinsamkeiten?
Lukas Ziegler: Beide Unternehmen sind inhabergeführt. Die Denkweise unserer Mitarbeitenden ist sehr ähnlich. Beide Firmen entwickelten sich über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich weiter und gehören zu führenden Playern in ihrem Segment. Gemeinsamkeiten liegen nicht zuletzt im Qualitätsbewusstsein, Time-Management und in der Professionalität. Beide Unternehmen sind darüber hinaus ISO-zertifiziert.
Wenn man an Schweizer Unternehmen denkt, spielt immer auch Qualität eine Rolle. Wie sehen Sie das?
Robert Ott: Nur mit Qualität kann man heute nicht mehr punkten. Das ist Grundvoraussetzung. Entscheidend sind Lieferzeiten, effiziente Prozesse und Flexibilität.
Sind auch Engineering-Dienstleitungen in der Seetalfertigung inkludiert?
Lukas Ziegler: Bei Rollstar sind sechs Mitarbeitende im Engineering beschäftigt. Aus unserer Sicht ist es wichtig, insbesondere wenn es engineeringgetriebene Firmen sind, dass wir produktionsnahe Engineering-Unterstützung anbieten können.