Rego-Fix: An Trends orientieren Starke Aussichten für den Werkplatz Schweiz

Von Konrad Mücke

Über Trends und Chancen für einen Hersteller hochwertiger Werkzeug-Spannsysteme nach dem Abklingen der Pandemie im Umfeld des Mobilitätswandels sprachen wir mit Pascal Forrer, Leiter Marketing & Verkauf, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Rego-Fix AG in Tenniken.

Anbieter zum Thema

Mit einem vielfältigen Angebot an technischen und kaufmännischen Berufsfeldern ist Rego-Fix als mittelständisches, aber international ausgerichtetes Produktionsunternehmen auch ein attraktiver Arbeitgeber.
Mit einem vielfältigen Angebot an technischen und kaufmännischen Berufsfeldern ist Rego-Fix als mittelständisches, aber international ausgerichtetes Produktionsunternehmen auch ein attraktiver Arbeitgeber.
(Bild: Rego-Fix AG)

SMM: Mit welchen besonderen Forderungen sind derzeit in der Schweiz produzierende Unternehmen konfrontiert?

Pascal Forrer: Auch wir sind mit den rundum bekannten Herausforderungen konfrontiert. Das betrifft zum Beispiel den Mangel an Fachkräften. Der Markt ist derzeit regelrecht ausgetrocknet. Daneben rückt der Aspekt der Rohmaterialbeschaffung immer wieder auf die Tagesordnung. Oft müssen wir auf Halbzeuge und Vorprodukte länger warten. Zudem lassen sich Lieferzeiten manchmal nicht voraussagen. Das macht es schwierig, die Produktion exakt zu planen. Speziell strategische Planungen werden sehr viel komplexer. Hinzu kommt, dass Kosten kaum noch stabil und zuverlässig kalkulierbar sind.

Wie bewältigen Sie diese Herausforderungen?

P. Forrer: Wir planen seit jeher schon mit einer grösseren Weitsicht. Inzwischen schätzen wir für die Beschaffung und damit für unsere Produktion bereits über 12 bis 18 Monate im Voraus den Bedarf ab. So ist das Rohmaterial, mit dem wir heute in der Produktion arbeiten, mitunter bereits vor einem Jahr geordert worden. Jetzt erweist sich der bisher schon pflegliche und respektvolle Umgang mit unseren bewährten Lieferanten als vorteilhaft. Schon seit vielen Jahren arbeiten wir eng zusammen und sind nicht auf kurzfristige Verbindungen aus, die allein auf günstigste Konditionen abzielen. So können wir auf die Zusammenarbeit mit unseren Partnern zählen, wenn wir jetzt beispielsweise mal einen höheren Bedarf haben.

Bildergalerie

Kommen wir nochmals zurück zum Mangel an Fachkräften. Das beschäftigt die Branche seit etwa zwei bis drei Jahren und wird sich weiter zuspitzen. Was tun Sie bei Rego-Fix, um diesen Schwierigkeiten zu begegnen?

P. Forrer: Wir bilden selbst aus. Dazu haben wir eine grosse Lehrlingsabteilung, in der technische, ICT-, Konstruktions- und kaufmännische Berufe gelehrt werden. Zusätzlich geben wir unseren fertig ausgebildeten jungen Leuten intern eine Perspektive. Zusammen planen wir weitere Schritte nach dem Abschluss der Lehre, um Chancen im Unternehmen aufzuzeigen und somit die gut ausgebildeten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an uns zu binden und möglichst über viele Jahre im Unternehmen zu halten. Da wir ein breit aufgestelltes, mittelständisches Unternehmen sind, bieten sich für technische Fachkräfte einige Möglichkeiten, zum Beispiel in der Konstruktion, in der Arbeitsvorbereitung, in der NC-Programmierung, im Vertrieb. Zusammen mit den Verbänden, zum Beispiel der Swissmem, organisieren wir auch vorbereitende regionale Veranstaltungen und werben für die technisch-praktischen Berufsfelder. Als günstig erweist sich, dass wir als attraktiver Arbeitgeber bekannt sind. Wir können einige Vorteile bieten, ob nun von der geografischen Lage und dem Umfeld her oder vom Ausbildungsplatz selbst. Bei uns können Lehrlinge modernste Technologien erlernen, drei- und fünfachsiges Fräsen, Multiachsen-Drehmaschinen. Vom ersten bis zum letzten Ausbildungsjahr durchlaufen unsere Lehrlinge sämtliche Stationen und können somit alle attraktiven Technologien kennenlernen.

Einen weiteren Aspekt dürfen wir nicht vergessen: Beschäftigte haben heute andere Ansprüche an ihr Umfeld und den Arbeitgeber als noch vor Jahren. Sie achten darauf, dass das Unternehmen sich zum Beispiel an ethischen Werten orientiert, sich um den Umweltschutz sorgt und Ähnliches. Beispielsweise hat sich durch Corona die Möglichkeit ergeben, im Home-Office zu arbeiten. Davon möchten einige Mitarbeiter nun auf Dauer profitieren. Diesen komplexen Ansprüchen müssen wir uns als Unternehmen natürlich stellen und für beide Seiten akzeptable Lösungen finden.

Was bedeutet das im Einzelnen für Ihr Unternehmen?

P. Forrer: Wir planen zusammen mit unseren Beschäftigten deren bestmögliche Mitarbeit im Unternehmen. So gibt es unter anderem einige Teilzeitbeschäftigte, die wegen privater Umstände lieber nur 50 Prozent oder 80 Prozent ihrer eigentlich verfügbaren Arbeitszeit im Unternehmen oder für das Unternehmen tätig sind. In Positionen, in denen solche Regelungen zur Arbeitszeit realisierbar sind, sind wir offen und flexibel, da haben wir ehemalige Tabus der Branche überwunden. Schwieriger sind geeignete Regelungen in den Bereichen in der Produktion zu finden, in denen wir auf die Präsenz der Fachkräfte unbedingt angewiesen sind. Da wir dreischichtig produzieren, betrifft das vor allem die Nachtschichten, die heute schwieriger zu besetzen sind. Trotz einiger Vorteile – höheres Einkommen – werden solche Arbeitszeiten kaum noch akzeptiert. In diesem Zusammenhang besteht für uns die Aufgabe darin, mit den Arbeitnehmern die geeignete Lösung zu finden. Hier zeigt sich, wer es schafft, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.

Welche anderen Möglichkeiten sehen Sie, speziell die unbeliebten und kaum noch zu besetzenden Nachtschichten dennoch produktiv zu nutzen?

P. Forrer: In diesem Zusammenhang arbeiten wir seit vielen Jahren daran, fortschreitend zu automatisieren. Auch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit ist das natürlich sinnvoll. Wir suchen stets nach Chancen, Prozesse zu automatisieren und somit auch zuverlässiger und sicherer zu machen. Automatisierung sorgt auch für gleichbleibende Qualität. Unseren Kunden in aller Welt können wir somit durchweg hochwertige Produkte bieten. Zudem profitieren wir von den günstigen Kosten einer weitgehend automatisierten Produktion. Sie trägt dazu bei, dass wir hochwertige Produkte «Made in Switzerland» international wettbewerbsfähig verkaufen können.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Wie stehen Sie als Unternehmen zur Politik in Verbindung mit der EU?

P. Forrer: In der Schweiz produzierende Unternehmen waren und sind in Bezug auf den Export – von dem wir primär leben – schon immer besonders gefordert. Wir hatten nie eine Komfortzone. Wir sind permanent gefordert. Erst vor wenigen Jahren mussten wir die Veränderungen beim Wechselkurs zwischen Schweizer Franken und Euro verkraften. Zudem hatten wir schon immer vergleichsweise hohe Kosten in der Schweiz. Das ist aber aus meiner Sicht ein wesentlicher Grund, warum wir uns nach wie vor in dem aktuell sehr schwierigen Umfeld sehr gut präsentieren. Eigentlich ergibt sich aus den ständigen Forderungen heraus ein Vorteil des Produktionsstandorts Schweiz. Denn wir sind gewohnt, beste Lösungen in einem fordernden Umfeld zu suchen und diese auch zu finden.

Was wünschen Sie sich als produzierendes Unternehmen von der Politik in der Schweiz?

P. Forrer: Die Schweiz ist ein klassisches Exportland. Wir bei Rego-Fix exportieren zum Beispiel etwa 90 Prozent unserer Produktion, einen grossen Anteil davon in die Länder der EU. Deshalb sind wir abhängig von einem guten Verhältnis zu unseren Nachbarländern. Für uns sind die Rahmenbedingungen sehr wichtig. Wir wünschen uns selbstverständlich günstige Bedingungen, um einfach und schnell unsere Produkte in wichtige Industrieländer wie Deutschland, Frankreich und Italien liefern zu können.

Darüber hinaus sind wir sehr daran interessiert, dass auch der Forschungsstandort Schweiz international Schritt halten kann. Wir wünschen uns, dass die Forschung weiter gefördert wird, dass wir im Austausch mit Hochschulen und auch in Zusammenarbeit mit unseren Nachbarländern an vorderster Position an den Megatrends der Zeit mitwirken und forschen können.

Wie wird sich Rego-Fix in den kommenden Jahren strategisch und in Bezug auf technische Innovationen entwickeln und positionieren?

P. Forrer: In den letzten drei Jahren sind wir entgegen dem allgemeinen Umfeld stark gewachsen. Wir gehen davon aus, dass der Markt nicht so ausgeprägt gewachsen ist. Aufgrund unserer strategischen Ausrichtung – diversifizierte Produkte, Verfügbarkeit unserer Produkte, breites Spektrum an Kundenbranchen – haben wir uns aber eine sehr gute Position erarbeitet. Wir waren nie abhängig von Entwicklungen in Einzelmärkten. Darauf aufbauend können wir uns erfolgreich weiterentwickeln. Das dient uns auch als Basis, in internationale Präsenz zu investieren. Zum Beispiel haben wir in den letzten drei Jahren eigene Niederlassungen in Italien, in Japan und in Mexiko gegründet, um in wichtigen Märkten mit eigenem Fachpersonal vertreten zu sein und Kunden qualifiziert mit unserem Know-how und unseren hochwertigen Produkten betreuen zu können. Wir werden als grösseres, wachsendes Unternehmen immer internationaler.

Darüber hinaus stellen wir uns den zunehmenden Forderungen aus der Industrie nach erweiterten technologischen Eigenschaften unserer Produkte. Als Stichworte nenne ich mal Digitalisierung, digitaler Zwilling, Datenerfassung an allen Komponenten in der Fertigung, fortlaufendes Messen zahlreicher Parameter im Prozess. Das sind nach unserer Meinung übergreifende Trends, die über viele Jahre anhalten und sogar weiterentwickelt werden. Dem stellen wir uns mit unseren Produkten, indem wir zum Beispiel Messtechnik und digitale Schnittstellen in unsere Werkzeug-Spannsystem integrieren. Einhergehend müssen wir uns aber auch von einem Hersteller von Produkten hin zu einem umfassenden Dienstleister entwickeln. Gefordert sind beispielsweise die geometrischen Daten unserer Werkzeughalter als digitale Datensätze, damit Fertigungsbetriebe das in ihre CAD/CAM-Systeme und ihre Fertigungsplanung aufnehmen können. Wir müssen also neben der reinen Produktion eine Softwareentwicklung und Datenpflege betreiben und weiter ausbauen. Dabei sind wir gefordert, mit Beratung unsere Kunden zu unterstützen.

Was beinhaltet die Entwicklung hin zu einem Dienstleister rund um das zerspanende Werkzeug?

P. Forrer: Fertigungsbetriebe fordern zunehmend gesamte, sorgfältig ausgearbeitete und zuverlässige Prozesse. Wir stehen also in der Pflicht, nicht nur ein ausgereiftes, optimiertes Spannsystem für Werkzeuge, sondern eine rundum aufeinander abgestimmte Bearbeitungslösung zu bieten, bestehend zum Beispiel aus Spindel, Werkzeugaufnahme, Spannsystem, Kühlung und Werkzeug. Das bedeutet für uns, ein weiterreichendes Know-how zu erarbeiten und zu bieten. In Zusammenarbeit mit unseren Kunden ergibt sich daraus eine umfassende Beratungsleistung, wir gehen also ganz klar in Richtung vermehrter Dienstleistung.

Auch in einem anderen Zusammenhang sind wir gefordert, uns weg vom reinen Produkt hin zu einem Dienstleister zu entwickeln. Das betrifft unter anderem die Bestell- und die Lieferprozesse. Kunden erwarten heute digitale Informationen und digitalisierte Abläufe, beispielsweise mit einem Webshop für Standardprodukte, der unverzüglich Informationen über Verfügbarkeit und Liefertermine bietet. Auch die Prozesse in der kaufmännischen Abwicklung sollen mehr und mehr rein digitalisiert ablaufen, also zum Beispiel der Versand, die Verzollung sowie die Fakturierung.

Fertigungsbetriebe in der Metallbearbeitung beschäftigen sich derzeit mit dem Mobilitätswandel. Voraussichtlich wird es wegen der Elektroantriebe in Zukunft weniger spanend zu bearbeitende Komponenten geben. Wie wirkt sich das auf Ihre Produkte und Ihr Unternehmen aus?

P. Forrer: Bei diesen Befürchtungen geht man immer davon aus, dass am Elektromotor natürlich sehr viel weniger Bauteile zu bearbeiten sind als an einem Verbrennungsmotor. Allerdings werden nach wie vor weltweit sehr viele Fahrzeuge gebaut. Für Elektroautos werden eher einfachere Bauteile und vermehrt Bauteile aus eher anspruchslosen Werkstoffen zu fertigen sein. Aber daneben wird es eine Vielzahl bisher nicht bekannter Komponenten geben, zum Beispiel Sensoren, elektrische Aktoren, Kamerasysteme und dergleichen. Auch für diese sind eine Vielzahl an Bauteilen zu fertigen, zum Beispiel optische Linsen, feinmechanische Bauteile und Elektronikplatinen. Das werden wohl eher kleinere und sogar Mikrobauteile sein. Mit unserem Produktspektrum sind wir auf diese Entwicklung sehr gut vorbereitet. Sicher werden andere Varianten und Baugrössen unserer Werkzeug-Spannsysteme an Bedeutung gewinnen. Aber nach wie vor werden diese benötigt. Zusätzlich werden die Forderungen an Genauigkeit, Rundlauf und Qualität zunehmen. Das heisst für uns, dass wir ein bereits sehr gutes Produkt weiter verbessern und in Bezug auf die geänderten Ansprüche optimieren. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir im Segment der spanenden Bearbeitung in naher Zukunft keine signifikanten Einbrüche sehen. Im Gegenteil werden sich aus den genannten Gründen voraussichtlich eher Chancen für weiteres Wachstum ergeben. Unsere Stärke in der Schweiz ist, dass wir uns an Trends orientieren und zukunftsträchtige Entwicklungen unverzüglich angehen. Unterstützt werden wir dabei von der engen Zusammenarbeit mit Hochschulen sowie vom umfassenden Einverständnis von Belegschaften einerseits sowie Führungskräften und Inhabern andererseits. Die Rahmenbedingungen für eine einvernehmliche zwischenmenschliche Zusammenarbeit sind in der Schweiz sehr gut. Bei uns sind alle sehr stark daran interessiert, gemeinsam die beste Lösung zu finden und am künftigen Erfolg eines Unternehmens mitzuwirken. Letztlich profitieren alle Beteiligten davon.

Herr Forrer, vielen Dank für diese Informationen. SMM

(ID:48240071)