CrazyDrill Cool SST-Inox: Bis 20 x d in einem Bohrstoss

Stressfrei in Inox

| Redakteur: Silvano Böni

Fünf Versionen von Inox- Bohrern mit Innenkühlung und Nutzlängen von 3 x d bis 20 x d im Durchmesserbereich von 1 bis 6 mm.
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Fünf Versionen von Inox- Bohrern mit Innenkühlung und Nutzlängen von 3 x d bis 20 x d im Durchmesserbereich von 1 bis 6 mm. (Bild: Mikron Tool)

Schnell, präzise und prozesssicher bohren in kleinen und kleinsten Durchmessern ist eine spezielle Herausforderung. Besonders bei rostfreien Stählen oder hitzebeständigen Legierungen. Doch effiziente Resultate können erreicht werden mit geeignetem Material, Geometrie und Kühlung sowie einer optimalen Bohrstrategie und entsprechenden Einsatzparametern.

CrazyDrill Cool SST-Inox, so der Name des neuen Vollhartmetallbohrers von Mikron Tool, ist verfügbar in Durchmessern von 1 bis 6 mm, entwickelt für die Bearbeitung von rostfreien Stählen, hitzebeständigen (nickelbasierten) Legierungen und Chrom-Kobalt-Legierungen. Der Bohrer ist aktuell in Nutzlängen von 6, 10, 15 und 20 x d verfügbar.

Gefragt nach den Besonderheiten des Bohrers, erklärt Alberto Gotti, Entwicklungsleiter bei Mikron Tool: «Dieses Werkzeug zeichnet sich aus durch eine extrem hohe Bohrleistung. Diese wird erreicht dank einem ‹Spanbrecherprofil› an der Spitze, welches kurze, gekrümmte Späne generiert, und einem erweiterten Nutenprofil im hinteren Teil, welches die Späneausfuhr erleichtert. Auch die Beschichtung ist neu und ausgerichtet auf die spezielle Belastung von rostfreien Materialien.»

Ein Maximum an Kühlleistung

Ein weiteres, gemäss den Entwicklern das entscheidende Merkmal, um rostfreie Materialien prozesssicher und schnell zerspanen zu können, ist die effiziente Kühlung. Spiralisierte, im Bohrer integrierte Kühlkanäle führen das Kühlschmiermittel bis an die Bohrerspitze. Die spezielle Form, in ihrem Querschnitt einem Tropfen nachempfunden, sorgt dabei für eine bis zu viermal grössere Durchflussmenge an Kühlmittel, verglichen mit einem runden Querschnitt. Um auch bei kleinen Bohrdurchmessern diese Kühlleistung zu garantieren, ist der Schaft bei Durchmessern unter 3 mm zusätzlich mit einer Powerkammer (Hohlraum im Schaft) versehen.

Der Vorteil dieser Kühlung sei eindeutig die höhere Lebensdauer der Werkzeuge, so Gotti, da auf diese Weise eine Überhitzung der Schneiden und deren Ausbrechen gleich von Anfang an vermieden wird. Kombiniert mit der passenden Geometrie trage die Kühlung ausserdem dazu bei, dass die Späne besser gebrochen und leichter aus den Spannuten gespült werden. All diese Faktoren ermöglichen eine Bearbeitung mit höheren Schnittgeschwindigkeiten und Vorschüben. Und vor allem: Ein einziger Bohrstoss genügt, um die volle Bohrtiefe zu bohren, bis 20 x d – ohne Entspänen.

Schritt für Schritt in die Tiefe

Alberto Gotti präzisiert: «Die Entwicklung erfolgte in zwei Schritten. Als Erstes kamen wir mit einer kurzen Version für Bohrtiefen bis 10 x d auf den Markt, schon dies eine Herausforderung in Bezug auf Effizienz und Standzeit. Erst nachdem sich diese im Markt bewährt hatte, haben wir uns an eine Erweiterung des Angebots gewagt. Bei der ‹Verlängerung› auf Bohrtiefen bis 20 x d wurden unsere Entwicklungsingenieure nochmals gefordert. Vor allem die erschwerte Späneabfuhr durch die langen Spiralnuten stellte ein Hindernis dar. Zwar konnte die Geometrie der bereits bestehenden Kurzversionen übernommen werden, doch bei diesen Bohrerlängen war eine weitere Massnahme notwendig, um beim Bohren in die Tiefe einen Anstieg der Kräfte zu verhindern: das Polieren der Nuten. Die so erhaltene extrem glatte Oberfläche der Spiralnuten macht in Bohrtiefen von mehr als 10 x d einen wesentlichen Unterschied aus. Sie sorgt gemeinsam mit den anderen erwähnten Faktoren dafür, dass auch bei tiefen Bohrungen die Kräfte gleichbleiben. So genügt ein einziger Bohrstoss, um die volle Bohrtiefe zu erreichen und die Späne dabei problemlos aus den Nuten zu befördern. Und das mit hohen Schnitt- und Vorschubgeschwindigkeiten.»

Kurze Bohrzeit, lange Standzeit

Alberto Gotti versichert: «Diese neu konzipierten Bohrer sind äusserst zuverlässig, die Standzeiten können vor allem bei der Bearbeitung von hitzebeständigen Legierungen wesentlich verbessert werden. Das bedeutet für den Anwender, dass er seine oft wertvollen Teile mit hoher Prozesssicherheit fertigen kann.» Um mit diesen Bohrern eine gute Bohrqualität zu gewährleisten, empfiehlt der Hersteller, die angegebenen Richtlinien einzuhalten. Es handle sich hier durchgehend um getestete Werte. Die Erfahrung der Verkaufsingenieure hat gezeigt, dass der Operateur an der Maschine oft zu vorsichtig vorgeht. Dies sei jedoch nicht notwendig und auch nicht zu empfehlen, denn die besten Resultate bringe der Bohrer mit hohen Schnitt- und Vorschubgeschwindigkeiten.

In der Praxis

Ein Hersteller von Dampfventilen aus rostfreiem austenitischen Stahl DIN 1.4301 (AISI 304) für Kaffeemaschinen hat mit einem CrazyDrill Cool SST- Inox Ø 2,75 mm eine Bohrung in eine Bohrtiefe von 15 x d mit einem einzigen Bohrstoss ausgeführt und dabei mit einem Werkzeug über 100 000 Teile gebohrt. Das sind doppelt so viele, wie vorher möglich waren. Auch ein Kunde in Irland konnte für eine Bohrung von Ø 4 mm, Bohrtiefe 24 mm in austenitischem Stahl SAE 303 (1.4305) mit einem einzigen Bohrer 30 000 Teile bohren, sechsmal mehr als mit dem vorgehend eingesetzten Werkzeug, wobei sich gleichzeitig die Bohrzeit um 30 Prozent reduzierte. Auch interne Tests beim Hersteller ergaben, dass generell drei- bis fünfmal längere Standzeiten möglich sind, abhängig vom zu bearbeitenden Material. Auch beim Faktor Zeit, so Gotti, sei ein grosses Sparpotenzial vorhanden. Hier zeigten die ersten Erfahrungen, dass eine Bohrtiefe von 20 x d, in einem Bohrstoss und mit den empfohlenen Schnittdaten gebohrt, den Bohrprozess bis zu zehnmal verkürzen kann. Was selbst die Entwickler erstaunt hat: Es ist möglich und sogar empfohlen, mit denselben Geschwindigkeiten und Vorschüben in jede Tiefe zu bohren; egal ob es «nur» um 6 x d geht oder um eine tiefe Bohrung von 20 x d. SMM

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