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Unterschiede bei Exportmärkten
Die Güterausfuhren der MEM-Industrie reduzierten sich gemäss den Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung in den ersten neun Monaten 2015 um 3,9 Prozent und erreichten einen Warenwert von 46,8 Milliarden Franken. Die Exportrückgänge haben sich im Verlaufe des Jahres deutlich beschleunigt. Im ersten (–1,4 %) und zweiten (–2,9 %) Quartal fielen die Einbussen noch moderat aus. Im dritten Quartal 2015 brachen die Exporte um hohe 7,3 Prozent ein. Betrachtet man die einzelnen Produktbereiche, so sanken die Ausfuhren des Maschinenbaus (–6,7 %), der Metalle (–4,9 %) und des Bereiches Elektrotechnik/Elektronik (–6,3 %) substanziell. Nur die Präzisionsinstrumente konnten das Exportniveau knapp halten (–0,7 %).
Die Exportzahlen für den Monat Oktober, die gestern veröffentlicht wurden, weisen ebenfalls einen deutlichen Rückgang der Ausfuhren gegenüber dem Vorjahresmonat aus. Die globalen Märkte entwickelten sich dabei sehr unterschiedlich. Die Ausfuhren in die EU, dem mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt der MEM-Branche, reduzierten sich in den ersten drei Quartalen 2015 um 5,7 Prozent. Die Güterexporte nach Asien zogen dagegen moderat (+1,6 %) und jene in die USA kräftig (+7,0 %) an. Der US-Markt bietet auch den einzigen Lichtblick in der zurzeit schwierigen Situation. Zum einen hat sich der Franken gegenüber dem US-Dollar spürbar abgeschwächt, was die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exporteure stärkt. Zum anderen ist der US-Markt seit einiger Zeit der dynamischste Wachstumsmarkt für die Schweizer MEM-Industrie. Mittlerweile gehen fast ein Achtel (12,3 %) aller Exporte der MEM-Branche in die USA.
Keine Entspannung in Sicht
Die Geschäftszahlen der MEM-Industrie zeigen die einschneidenden Folgen der Überbewertung des Schweizer Frankens. Neben den Einbrüchen beim Auftragseingang und dem Umsatz wirken sich insbesondere die hohen Margenverluste aus. Über ein Drittel der Unternehmen rechnet deswegen für 2015 mit einem operativen Verlust.
Die Unternehmer schätzen auch die künftige Geschäftsentwicklung nicht besonders optimistisch ein. Nur gerade 30 Prozent der Firmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit höheren Bestellungseingängen aus dem Ausland. Von einer sich weiter verschlechternden Auftragslage gehen 26 Prozent der Unternehmen aus.
Die erneute, massive Überbewertung des Schweizer Frankens löste in diesem Jahr einen beschleunigten Strukturwandel in der Industrie aus.
Viele Betriebe der MEM-Branche stehen vor der Frage, welche industriellen Tätigkeiten in der Schweiz noch wirtschaftlich betrieben werden können. Arbeiten mit geringer Wertschöpfung haben einen zunehmend schweren Stand. Entsprechend kam es im Verlauf des Jahres immer wieder zu Meldungen über Produktionsverlagerungen und Stellenabbau. Zwischen Januar und Juli 2015 gingen in der MEM-Industrie gemäss offiziellen Statistiken des Bundes rund 4500 Stellen verloren. Aufgrund des rückläufigen Bestellungseinganges und der nach wie vor bestehenden Frankenstärke rechnet Swissmem damit, dass sich dieser Trend vorerst fortsetzen wird. <<
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