Die Schweizer Tech-Industrie hat sich im vergangenen Jahr positiv entwickelt. Im Vergleich zu 2021 erhöhten sich die Umsätze um 9,4 Prozent, die Exporte um 5,6 Prozent und die Auftragseingänge um 2,4 Prozent. Für das laufende Jahr sind die Erwartungen der Unternehmerinnen und Unternehmer vorsichtig optimistisch.
Links Stefan Brupbacher (Direktor Swissmem) und rechts Martin Hirzel (Präsident Swissmem) bei der Swissmem-Jahresmedienkonferenz am 1.3.2023.
(Bild: Anne Richter)
Die Umsätze in der Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte Technologiebranchen wie zum Beispiel Sensorik, Photonik, Robotik, additive Fertigung und industrielle ICT) stiegen 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 9,4 Prozent. Im vierten Quartal 2022 betrug der Zuwachs gegenüber Vorjahresquartal 8,8 Prozent. Die Branche verzeichnete damit das siebte aufeinanderfolgende Quartal mit jeweils höheren Umsätzen. Sowohl KMU als auch Grossbetriebe profitierten von diesem Aufschwung.
Ebenfalls nahmen die Auftragseingänge im Vergleich zu 2021 um 2,4 Prozent zu. Der im dritten Quartal 2022 erlittene Einbruch bei den Auftragseingängen konnte damit teilweise wettgemacht werden. Verbunden mit den globalen Rezessionsängsten befürchtete Swissmem einen starken Abschwung in der Industrie, welcher jedoch sowohl für KMU als auch für Grossfirmen ausblieb. Vielmehr lag die Kapazitätsauslastung im vierten Quartal bei hohen 89,6 Prozent und damit deutlich über dem langjährigen Mittel von 86,2 Prozent.
Es überrascht deshalb nicht, dass sich die Anzahl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Tech-Industrie weiter erhöht hat. Sie stieg im vierten Quartal 2022 auf 326 500 und lag 2,7 Prozent höher als in der Vorjahresperiode.
Höhere Exporte bei allen Warengruppen
Die Güterexporte der Tech-Industrie stiegen 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent und erreichten einen Wert von 72,3 Milliarden Franken. Alle wichtigen Märkte entwickelten sich positiv. So erhöhten sich die Ausfuhren nach Asien um 11,7 Prozent, in die USA um 7,9 Prozent sowie in die EU um 4,3 Prozent. Die Exporte aller wichtigen Warengruppen nahmen zu. Gegenüber 2021 erhöhten sich die Ausfuhren bei den Metallen um 8,5 Prozent, bei der Elektrotechnik/Elektronik um 7,4 Prozent, im Maschinenbau um 5,4 Prozent und bei den Präzisionsinstrumenten um 4,2 Prozent.
Optimistischer Blick nach vorne – trotz Risiken
Zu den Geschäftszahlen von 2022 sagt Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher: «Insgesamt ist die Lage der Schweizer Tech-Industrie besser als befürchtet. Nach dem dritten Quartal 2022 rechneten wir mit einem Abschwung. Dieser ist bis jetzt noch nicht erfolgt.»
Die guten Umsatzzahlen führt Brupbacher auch darauf zurück, dass die Unternehmen den hohen Auftragsbestand abarbeiten und ausliefern konnten. Das wurde möglich, weil sich mit Ausnahme von einzelnen Schlüssel- und Elektronikkomponenten die Lieferkettenprobleme spürbar entspannt haben.
«Für das laufende Geschäftsjahr bin ich vorsichtig optimistisch», ergänzt Brupbacher. Das deckt sich mit den Einschätzungen der Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Swissmem-Mitgliedschaft. Gemäss der jüngsten Umfrage rechnet ein Drittel in den kommenden zwölf Monaten mit höheren Auftragseingängen aus dem Ausland. Wachstumsimpulse sind vor allem aus den USA und den aussereuropäischen Märkten zu erwarten. Während 28 Prozent mit sinkenden Aufträgen rechnen, gehen 39 Prozent der Befragten von gleichbleibenden Bestellungen aus.
Der positive Zahlenkranz darf laut Swissmem jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Firmen unter steigenden Kosten für Energie, Rohstoffe und Arbeitskräfte leiden.
«Um die Inflation weiter zu reduzieren, dürfte es zu weiteren Zinsschritten der Nationalbanken kommen. Dies wird die Konjunktur und somit die Nachfrage nach unseren Produkten abkühlen. Zudem besteht nach wie vor die Gefahr einer Energiemangellage im nächsten Winter», erklärt Stefan Brupbacher.
Die grössten Risiken für die Weltwirtschaft liegen allerdings in einer weiteren Eskalation des Krieges in der Ukraine sowie in einer Verschärfung der Spannungen zwischen China und den USA.
Herausforderungen beim Fachkräftemangel und beim globalen Marktzugang
Im Inland stellt der Fachkräftemangel eines der grössten Risiken für die Tech-Industrie dar. Ein Grossteil der Swissmem-Mitgliedschaft klagt über Schwierigkeiten, geeignete Fachleute zu finden. Um dem entgegenzutreten, investiert Swissmem umfangreiche Mittel in die Reform der Industrieberufe, ins Berufsmarketing sowie in die MINT-Förderung, wobei der Verband hier aber auch den öffentlichen Sektor in der Pflicht sieht.
Die Schweizer Tech-Industrie exportiert fast 80 Prozent ihrer Produkte. Durch Offensiven wie dem «Inflation Reduction Act» in den USA, dem «Green Deal» in der EU oder der «Dual Circulation Strategy» in China wird der hindernisfreie Zugang zu den globalen Absatzmärkten jedoch zunehmend zu einer Herausforderung. Martin Hirzel, Präsident Swissmem, zeigt sich besorgt: «Unsere Unternehmen haben erhebliche Wettbewerbsnachteile gegenüber subventionierten und mit Zöllen geschützten ausländischen Konkurrenten.»
Stand vom 30.10.2020
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Um Gegensteuer zu geben, müsse die Schweiz weltweit den Marktzugang für Unternehmen erleichtern. So müsse das Freihandelsabkommen mit dem Mercosur finalisiert sowie ratifiziert und die Verhandlungen mit Indien zum Abschluss gebracht werden.
Mit China besteht zwar bereits ein Freihandelsabkommen, die meisten Hightech-Maschinen sind jedoch von der Zollbefreiung ausgenommen, weshalb der Swissmem die Aufnahme von Gesprächen für eine Erweiterung des Abkommens fordert.
«Aber die dringendste Aufgabe ist, das bilaterale Verhältnis mit der EU – dem mit Abstand wichtigsten Handelspartner – auf eine neue Basis zu stellen. In einer zunehmend tripolaren Welt ist das ein Gebot der Vernunft», betont Hirzel. Dadurch kann sich die Schweiz den Zugang zum europäischen Binnenmarkt sichern, die Voraussetzungen zur vollumfänglichen Teilnahme an der europäischen Forschungszusammenarbeit schaffen und mittels eines Stromabkommens das ab 2025 erhöhte Risiko eines Stromversorgungsengpasses verringern.
Zudem bliebe gewährleistet, dass die Unternehmen fehlende Fachkräfte ohne grossen bürokratischen Aufwand in der EU rekrutieren können. «Es ist höchste Zeit, im Europadossier vorwärtszumachen. Ziel muss sein, die Verhandlungen bis im Frühjahr 2024 abzuschliessen», unterstreicht Hirzel. -nne- SMM