Gespräch mit Persönlichkeiten aus der Industrie

Tonnenschwere Werkzeugmaschinen im µ-Bereich

Seite: 2/3

Anbieter zum Thema

Schaber als Beruf ist am Verschwinden. Wie sichern Sie den Nachwuchs dieser Berufsleute? Werden diese von Ihrem Unternehmen selbst ausgebildet?

Y. Meyer: Dieser Beruf ist tatsächlich sehr selten. Dank unserer geschichtlichen Entwicklung können wir uns jedoch auf eine grosse Erfahrung stützen, welche auch für die optimale Ausbildung unentbehrlich ist. Das Handwerk des Schabers ist sehr spezifisch und setzt ganz spezielle Eigenschaften voraus. Wir suchen diejenigen Mitarbeiter, die diese Talente besitzen, und bilden sie nach unseren Bedürfnissen aus. Die Ausbildung zum Schaber dauert mehrere Jahre, bevor jemand in der Lage ist, allein eine komplexe Maschine zu bearbeiten. Wir sind stolz auf die Arbeit unserer Schaber; deshalb wird ihre individuelle Unterschrift auf die Kabine der fertigen Maschine aufgebracht. Dies auch als ein Zeichen der Würdigung ihrer Arbeit.

Gusswerkstoffe bleiben das Grundmaterial Ihrer Maschinen. Ist es heute immer noch nötig, Gussteile vor deren Bearbeitung zur Stabilisierung mehrere Jahre ruhen zu lassen?

Y. Meyer: Ja, unsere Maschinen sind aus Gusswerkstoffen gefertigt. Im Gegensatz zu früher ist das längere Lagern jedoch nicht mehr notwendig, weil wir besondere Werkstoffe verwenden, die von unsern Lieferanten speziell hergestellt werden.

Bildergalerie

Wie gross ist neben der Schabtechnologie der Anteil der modernen Elektronik im Zusammenhang mit der Verbesserung der Präzision und der Reproduzierbarkeit Ihrer Maschinen?

Y. Meyer: Die Elektronik erlaubt uns heute nicht nur lineare Korrekturen, sondern auch räumliche, dank denen die Genauigkeit der Maschine weiter verbessert werden kann. Trotz der Komplexität dieser Korrekturen kann damit die mechanische Präzision nicht ersetzt werden. Bei einer guten Maschine kann die Präzision dank der Elektronik verbessert werden; bei schlechten hingegen bringt das gar nichts. Wir wollen einfach beide Methoden optimal miteinander kombinieren und nicht die eine durch die andere ersetzen.

Das Bearbeitungszentrum Dixi 270 ist mit der leistungsfähigen Steuerung Ergoline Control ausgerüstet, die viele feste Bearbeitungszyklen einschliesst. Hat die direkte Programmierbarkeit auf der Maschine im Zeitalter von CAM und 5-Achsen-Maschinen überhaupt noch Zukunft?

Y. Meyer: Unsere Maschinen sind alle mit Hochleistungssteuerungen ausgerüstet. Natürlich geht es nicht darum, dass die Maschinen generell vor Ort programmiert werden sollen. Es gibt aber Situationen, bei denen der Kunde mit einer geschickten Steuerung die Möglichkeit hat, bestimmte Bearbeitungszyklen abzurufen, mit denen die Präzision erheblich verbessert werden kann. Da wäre zum Beispiel der Zyklus quickset, mit welchem wir die Zentrierungsabweichung der Achse aufgrund thermischer Ausdehnung der Maschine beträchtlich vermindern können. Wir verkaufen praktisch keine Maschine ohne diese Option. Ein weiteres Beispiel ist der Schleifzyklus. Heute ist es möglich, Schleifbearbeitungen direkt auf unserer Maschine zu integrieren. Stellen Sie sich die Leistungsfähigkeit einer Anlage vor, die sowohl Fräsen als auch Schleifen mit der bei Dixi normalen Oberflächenqualität und Hochpräzision kombinieren kann! Die Schnittstelle Celos der Gruppe DMG Mori wird bei uns immer häufiger eingesetzt. Damit wird nicht nur ein unmittelbarer Mehrwert erreicht, sondern auch eine skalierbare Plattform angeboten, die jedes Jahr neue Applikationen enthält. Die Steuerung wird somit evolutiv.

(ID:43877740)