3D-Uhrmacherkunst

Traditionelle Uhren, topmodern entwickelt

| Redakteur: Luca Meister

«In der Uhrmacherkunst sind die Komponenten sehr komplex und alles andere als Perfektion ist inakzeptabel», erklärt Paride Della Corte, Leiter der CNC-Fertigung und Sicherheitskoordinator bei Eterna.
Bildergalerie: 2 Bilder
«In der Uhrmacherkunst sind die Komponenten sehr komplex und alles andere als Perfektion ist inakzeptabel», erklärt Paride Della Corte, Leiter der CNC-Fertigung und Sicherheitskoordinator bei Eterna. (Bild: Eterna)

Die in Grenchen ansässige Eterna stellt mechanische Uhren und Quarz-Uhren her. Um alle Möglichkeiten der neu installierten Drei-Achsen-CNC-Fräsmaschinen nutzen zu können, hat das Unternehmen eine leistungsfähige Softwarelösung implementiert. Dadurch profitieren die Fertigungsingenieure sowohl von der Möglichkeit, die Produktion zu simulieren, als auch von Funktionen für die Automatisierung der CNC-Programmierung. So werden kürzere Zykluszeiten wie auch reduzierte Stillstandzeiten der Maschinen erreicht.

mei. Wird der Markt für traditionelle Uhren den aufkommenden Hightech-Smartwatches zum Opfer fallen? Laut der Citigroup wird das nicht der Fall sein. Gemäss einem in 2013 veröffentlichten Forschungspapier mit dem Titel «Smart or Good Looking: Watch» kommt die Citigroup zum Schluss, dass beide Arten nebeneinander existieren werden, da Verbraucher Uhren für unterschiedliche Verwendungszwecke kaufen. Während also tragbare Technologie den technisch versierten Kunden anzieht, werden traditionelle Uhren auch weiterhin erfolgreich sein. Das sind gute Nachrichten für die Schweizer Uhrenindustrie und Unternehmen wie Eterna. Die Schweizer Präzisionsspezialisten haben, basierend auf ihrer Reputation, die sich auf hoher Qualität begründet, lange die Uhrenindustrie dominiert. Innovationen wie Automatik-Armbanduhren und die ersten elektronischen Uhren haben zu ihrem internationalen Ruf beigetragen.

Kugelgelagertes, reibungsarmes Automatik-Uhrwerk

Seit der Gründung im Jura im Jahr 1856 hat sich die Eterna AG zu einem der wenigen Uhrenhersteller entwickelt, die Uhrwerke an ihrer eigenen Produktionsstätte fertigen. «Bereits 1915 erfanden wir die ersten Tischuhren mit einem proprietären Uhrwerk und einer beispiellosen Acht-Tage-Gangreserve», sagt Paride Della Corte, Leiter der CNC-Fertigung und Sicherheitskoordinator bei Eterna. Seit mehr als 150 Jahren liefert das 80 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen Zeitleserinnovationen wie das revolutionäre kugelgelagerte und deshalb reibungsarme Automatik-Uhrwerk, das seitdem als Standard für alle Automatikwerke gilt. «Die fünf kleinen, reibungsarmen Kugellager sind gleichbedeutend mit Eterna; sie wurden zu unserem Logo, das auf dem Zifferblatt jeder Uhr erscheint», so P. Della Corte. Eterna perfektioniert die Kunst des mechanischen Uhrmacherhandwerks durch die Kombination höchsten handwerklichen Geschicks mit moderner Produktionstechnik. «Jede Komponente einer mechanischen Eterna-Uhr wurde hier an unserem Standort in Grenchen konstruiert und gefertigt», fährt P. Della Corte fort. «Vor kurzem haben wir in neue CNC-Maschinen investiert, um unsere Produktionsleistung zu erhöhen und effizienter zu fertigen. Allerdings haben wir sehr schnell erkannt, dass unsere bisherige CNC-Software nicht ausreichend war, um alle Möglichkeiten nutzen zu können, welche die CNC-Maschinen bieten. Deshalb machten wir uns auf die Suche nach einer leistungsfähigeren Lösung, um die Vorteile unserer neuen Maschinen komplett auszuschöpfen.»

3D und Simulation: weniger Kosten und Ausschuss

Eterna entschied sich für die «3D-Experience»-Plattform von Dassault Systèmes mit dem «Delmia-V6-Machining-Pack» für die Fertigung. «Mit dieser Plattform haben wir eine komplette Lösung, die Delmia für die Bearbeitung prismatischer CNC-Programmierung, ‹Catia› für das Design und die Visualisierung in 3D und ‹Enovia› für die Verwaltung der Werkzeugbibliothek umfasst.» Eterna visualisiert das Design virtuell in 3D und simuliert den Werkzeugweg einschliesslich Materialabtrag und automatischer Generierung des Maschinencodes. «Mit Catia kann ich das 3D-Modell, das von unseren Designern erstellt wurde, visualisieren. Mit dem ‹Delmia Machine Builder› modelliere ich die CNC-Maschine sowie das entsprechende Zubehör und das CNC-Programm für unsere Drei-Achs-Fräsmaschine wird automatisch generiert», erläutert P. Della Corte. «Mit 3D können wir mögliche Probleme vorab erkennen, wodurch in der späteren Fertigung Zeit gespart und Nacharbeit vermieden wird, was wiederum zu geringeren Kosten und weniger Ausschuss führt.»

Gleich beim ersten Mal passend

«In der Uhrmacherkunst sind die Komponenten sehr komplex und alles andere als Perfektion ist inakzeptabel», meint P. Della Corte. «Delmia Machining Pack kann die Bearbeitung eines Uhrwerks simulieren, um sicherzustellen, dass es auch entsprechend gefertigt werden kann. Und wenn etwas nicht möglich ist, mache ich selbst die notwendigen Anpassungen am Design mit Catia. Dann erstelle ich die zugehörigen Werkzeuge und kann bereits virtuell überprüfen, dass es zu keinen Kollisionen zwischen Werkstück, Werkzeug und Spannvorrichtung kommt, bevor die eigentliche physische Produktion startet. Das Ergebnis, das wir während der virtuellen Simulation erhalten, entspricht exakt der Situation in der realen Welt. Der Produktionszyklus ist kürzer, denn das Werkstück ist gleich beim ersten Mal passend.»

Längere Maschinenlebensdauer

Für die sechs Familien von Uhrwerken, die Eterna herstellt, gibt es viele Teile. Das Programmieren und Einrichten der Maschinen benötigt anscheinend viel Zeit. P. Della Corte. «Ein wesentlicher Teil der Vorbereitung erfolgt vorab. Deshalb ist es wichtig, mit einer Programmieranwendung zu arbeiten, die flexibel ist und schnelle Ergebnisse liefert. Mit der Delmia-V6-Machining-Anwendung können wir effizient programmieren – für jede Art von Form oder Kontur – und dabei den Materialverlust auf ein absolutes Minimum beschränken. Darüber hinaus ermöglicht es ein effizienteres Bearbeitungsprogramm, Kollisionen zu vermeiden und den Verschleiss am Werkzeug aufgrund geringerer Reibung zu reduzieren.» P. Della Corte verwaltet eine umfangreiche Werkzeugdatenbank mit Enovia, auf die er für die Herstellung der Uhrwerke, welche die Designer bei Eterna erschaffen, zurückgreift. «Meine erste Aufgabe ist es, zu prüfen, ob das Werkzeug, das für die Herstellung einer Komponente benötigt wird, bereits vorhanden ist. Wenn nicht, dann erstelle ich es mit Catia V6. Anschliessend wird es in Enovia für die zukünftige Wiederverwendung aktiviert.»

In rund einer Woche produktiv

Die Cenit AG, Partner von Dassault Systèmes, hat Delmia Machining Pack bei Eterna implementiert und die Schulungen durchgeführt. «Durch die Zusammenarbeit mit Cenit war die Anwendung in etwas mehr als einer Woche installiert und produktiv einsetzbar», resümiert P. Della Corte. «Dabei hat sich die Expertise von Cenit für unsere Installation als sehr wertvoll erwiesen.» Sorgt sich Paride Della Corte über das Aufkommen der Hightech-Smartwatches? Er antwortet: «Es wird immer einen Markt für Uhren geben, die mehr als ein Jahrhundert der grossen Uhrmachertradition mit viel Liebe zum Detail und Schönheit repräsentieren. Während Technologie die Benutzererfahrung in vielerlei Hinsicht verbessert, so ist die Tatsache, ein zeitloses Stück Uhrmacher- und Ingenieurskunst zu tragen, ebenso für viele eine wunderbare Erfahrung.» <<

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42866377 / Konstruktion)