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Keine Angst vor Shopfloor Management Transparenz statt Feuerwehrübungen

Redakteur: Luca Meister

Der Alltag im Maschinenbau ist von «Feuerwehrübungen» statt von geordneten Abläufen geprägt. Hektik und Stress erschweren Rhythmus und Fluss sowie effizientes Arbeiten. Anstelle von nachhaltiger Problemlösung tritt die Suche nach Schuldigen. Das Ergebnis: fehlerhafte Produkte und unzufriedene Kunden statt Top-Qualität. Abhilfe schafft Shopfloor Management.

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Visualisierungstafel mit Regelkommunikation.
Visualisierungstafel mit Regelkommunikation.
(Bild: Staufen)

Maschinenbauer kennen den immer wiederkehrenden Zustand, wenn halbfertige Maschinen in der Endmontage auf fehlende Teile oder Einstelldaten warten. Wenn Monteure im Stundentakt die Maschinen wechseln und sich jedes Mal neu einarbeiten müssen. Wenn Produktionsleiter die Kundentermine nur mit grossen Sicherheitspuffern einhalten können. Und wenn Kunden nach Montagebeginn noch Änderungswünsche haben.

Prozesse einhalten

Einer der häufigsten Gründe für fehlerhafte Produkte und unzufriedene Kunden ist eine unstrukturierte Auftragsabwicklung. Zwar haben viele Unternehmen ihre Prozesse definiert. Nur allzu oft jedoch gehen diese Beschreibungen auf dem Weg von der Theorie zur Praxis verloren, dienen bestenfalls einer Zertifizierung und verschwinden nach den Audits gänzlich in der Schublade. «Wir finden immer einen Grund dafür, weshalb wir unsere Prozesse nicht einhalten müssen», beschreibt es der Produktionsleiter eines internationalen Verpackungsmaschinenherstellers.

Dabei ist eine strukturierte Auftragsabwicklung mit definierten Phasen und eindeutigen Kriterien ein entscheidender Hebel, um Probleme am eigentlichen Ort der Wertschöpfung – der Produktion und der Montage – gar nicht erst entstehen zu lassen.

Eine typische Auftragsabwicklung im Maschinenbau lässt sich in folgende zehn Schritte gliedern:

  • 1. Angebot intern freigegeben
  • 2. Auftrag geklärt
  • 3. Auftrag eingelastet
  • 4. Konstruktion abgeschlossen
  • 5. Material verfügbar
  • 6. Material und Dokumente bereitgestellt
  • 7. Inbetriebnahme vorbereitet
  • 8. Auftrag intern abgenommen
  • 9. Auftrag durch Kunden abgenommen
  • 10. Auftrag abgeschlossen

Produktivitätssteigerungen von bis zu 50 Prozent

Ein besonderes Augenmerk bei der Auftragsabwicklung gilt den ersten beiden Phasen – der Freigabe und der Klärung des Auftrags: dem sogenannten «Frontloading». Ziel ist es, das Angebot mit einem interdisziplinären Team zu klären, bevor es als Bestellung in die Organisation eingelastet wird und die Konstruktionsabteilung mit der Erstellung der Zeichnungen beginnt. So werden beispielsweise vor Angebotsabgabe die Kundenanforderungen an die Maschine detailliert geklärt, technische Risiken abgeschätzt und die Machbarkeit geprüft. Allfällige Zukaufmaschinen und -aggregate sowie Schnittstellen werden ebenfalls zu diesem Zeitpunkt bestimmt. Und kundenspezifische Elemente werden für beide Seiten verbindlich festgelegt.

Die Erfahrung zeigt, dass sich die Investition in die frühen Phasen der Auftragsabwicklung auszahlt: Die Fertigungs- und Einkaufsteile sind zum richtigen Zeitpunkt verfügbar. Einstelldaten sind vorhanden, wenn sie gebraucht werden. Zeichnungen müssen nicht immer wieder geändert werden, weil Kunden sich anders entschieden haben. Maschinen werden ohne Unterbrechungen von Anfang bis Ende montiert. Kurz: Die Verschwendung im gesamten Produktionssystem wird minimiert, und die Durchlaufzeiten werden verkürzt. Produktivitätssteigerungen von bis zu 50 Prozent sind keine Ausnahmen.

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