Ergänzendes zum Thema
nachgefragt
Fragen an Hans Marfurt, Geschäftsführer der Trumpf Maschinen AG in Baar
SMM: Das Geschäftsjahr 2010/11 endete für Trumpf Schweiz AG mit einem Rekordwachstum – wie entwickelt sich die Geschäftstätigkeit am Standort Schweiz aktuell?
Hans Marfurt: Als exportorientiertes Unternehmen, welches über 90 % seines Umsatzes im Ausland erzielt, ist die weltweite Konjunktur von massgebender Bedeutung. Diese lief bislang auf hohem Niveau. Das führt zu einem weiterhin sehr hohen Wachstum im zweistelligen Prozentbereich, wenn auch nicht mehr mit dem ausserordentlich hohen 61%igen Zuwachs aus dem letzten Geschäftsjahr.
Der Werkplatz leidet unter der Abhängigkeit von ungünstigen Wechselkursen – welche Auswirkungen zeigen sich für Ihre Unternehmung? Erwarten Sie in überblickbarer Zeit eine Entspannung?
H. Marfurt: Der starke Schweizer Franken belastet unser Geschäft, was in Anbetracht unserer hohen Exportorientierung zu sehen ist. So hat die Frankenaufwertung im letzten Geschäftsjahr unseren Umsatz mit Fr. 90 Mio. belastet. Als Mitglied einer internationalen Unternehmensgruppe können wir diese Verluste teilweise mit konzerninternen Lieferungen ausgleichen. Die hohe Währung verteuert hingegen unseren Standort im weltweiten Vergleich. In Anbetracht der globalen Schuldenkrise erwarte ich in absehbarer Zeit keine Entspannung. Die Schweiz ist in fast allen relevanten makroökonomischen Kennzahlen an der weltweiten Spitze platziert, sodass vieles für einen weiterhin starken Franken spricht.
Der Werkplatz leidet auch anderweitig: Vielerorts fehlen hochqualifizierte Fachkräfte – wie sieht das in Ihrem Unternehmen aus? Welche allfälligen Konsequenzen sehen Sie? Was ist zu tun?
H. Marfurt: Bislang ist es uns gut gelungen, unseren Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften zu decken. Dies mag mit unserer Stellung als weltweiter Marktführer in einem internationalen Hightechgebiet zusammenhängen. Zudem engagieren wir uns sehr stark in der Berufsausbildung. Unsere Ausbildungsquote beträgt knapp 10 %. Im Weiteren bieten wir Praktikumsstellen für Studenten an und engagieren uns in weiteren Projekten zur Förderung des technischen Nachwuchses. Das duale Berufsbildungssystem ist einer der ganz grossen Schweizer Standortvorteile und wir müssen alles daran setzen, diesen Vorsprung zu halten. Aufgrund der demographischen Entwicklung werden wir in der Industrie unsere Anstrengungen verdoppeln müssen, um weiterhin gute Schulabgänger für unsere Berufe zu gewinnen. Es freut mich, dass diese Erkenntnis inzwischen um sich greift und einige Aktivitäten sowohl auf nationaler wie auch regionaler Ebene gestartet wurden.
Welche Bedeutung hat innerhalb des Trumpf-Konzerns die Schweiz als Fertigungs- und Entwicklungsstandort? Wie stehen die Chancen längerfristig?
H. Marfurt: In Anbetracht der Grösse des hiesigen Marktes hat die Schweiz innerhalb der Gruppe eine überproportional hohe Stellung, insbesondere als Produktionsstandort. Dies zeigt sich in unserer hohen Exportquote von über 90 %. Auch die Entwicklungstätigkeit wurde hier in den letzten zehn Jahren markant ausgebaut, sei es durch die Einführung neuer Produkte wie auch den Ausbau bestehender Aktivitäten. Die Schweiz ist dank ihrer Standortattraktivität – Stabilität, hohes Ausbildungsniveau, gute Fachkräfte, industrielle Basis mit guten Zulieferern, vernünftige gesetzliche Rahmenbedingungen – auch innerhalb der Gruppe weiterhin gut positioniert. Zudem sind sowohl in Baar wie auch in Grüsch Erweiterungen möglich.
Ganz allgemein gesehen: Was müsste unternommen werden, damit der Werkplatz künftigen Anforderungen standhalten kann?
H. Marfurt: Die mit hohen Verlusten verbundene Überwindung der Finanzkrise hat hoffentlich allen vor Augen geführt, wie wichtig ein ausgewogener Branchenmix für unser Land ist. Obwohl der Finanzplatz in der Schweiz im internationalen Vergleich eine überproportionale Bedeutung aufweist, ist es uns besser als vielen anderen Ländern gelungen, die Krise zu bewältigen. Der Werkplatz Schweiz, welcher geprägt wird durch leistungsfähige KMU und international operierende Unternehmen, hat seine ausserordentlich hohe Wettbewerbsfähigkeit auch in dieser schwierigen Zeit erneut bewiesen. Mir ist also nicht bange um die weitere Entwicklung des Werkplatzes. Verbesserungspotenzial sehe ich beim Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus unseren Hochschulen in die Industrie. Hier sind beide Seiten – Wirtschaft und Hochschulen – gefordert. Nochmals hinweisen möchte ich auf die zukünftige Herausforderung, genügend junge Berufsleute für unsere Industrie zu gewinnen.
Wie beurteilt Trumpf aktuell die Entwicklung der globalen Märkte?
H. Marfurt: Wir erwarten ein Abflauen der weltweiten Konjunktur, gehen jedoch nach wie vor von einem Wachstum aus.