«Plastics in a changing world» - News von der Weltkunststoffmesse 2016 Umweltschonendes Recycling für Kunststoffindustrie unverzichtbar

Redakteur: Susanne Reinshagen

Der Markt für Kunststoffe unterliegt einem starken Wandel. Peter Jetzer, Finanzjournalist und Rohstoffexperte äussert sich zu den Trends in der Welt der Kunststoffe.

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Peter Jetzer, Branchendienst KI-Kunststoff Information
Peter Jetzer, Branchendienst KI-Kunststoff Information
(Bild: INGRID JOST-FREIE)

Herr Jetzer, der KI Group – Polymer Summit K 2016 firmiert zur diesjährigen Weltkunststoffmesse unter dem Titel «Plastics in a changing world». Warum?

Peter Jetzer: Die Kunststoffproduktion hat allein im vergangenen Jahr 2015 um 11 Mio. Tonnen auf aktuell 322 Mio. Tonnen zugenommen. Treiber des weltweiten Wachstums ist vor allem der steigende Verbrauch in Asien. Der Tabellenführer ist China mit 27,8 Prozent. Zusammen mit Japan und dem Rest Asiens beträgt der Anteil am weltweiten Verbrauch nahezu 50 Prozent. Die NAFTA und Europa teilen sich mit jeweils 18,5 Prozent den zweiten Platz. Damit steht für die Kunststoffindustrie fest: Asien ist der wichtigste Produzent und Absatzmarkt für Kunststoffe weltweit.

Warum ist China ein wichtiger Player im Markt für Kunststoffe? Welche Wettbewerbsvorteile haben chinesische Unternehmen?

Jetzer: China investiert in seine Infrastruktur, also in Strassenbau, Schienennetze, Stromversorgung und Bildungseinrichtungen. Die Bevölkerung wächst, ist gut ausgebildet und mobiler geworden. Der Lohnkostenvorteil kann nicht geleugnet werden. Gemäss den Schätzungen der Weltbank soll China in diesem Jahr um 6,7 Prozent wachsen. Im Vergleich dazu revidierte die Weltbank ihre Schätzungen zum weltweiten Wachstum auf 2,4 Prozent. Der Immobilienboom in China birgt jedoch die Gefahr einer weiteren Krise. Die chinesische Notenbank muss handeln.

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Wie sieht das neue chinesische Wachstumsmodell nun aus?

Jetzer: China setzt mit seiner Politik auf Innovationen und ein stärkeres Binnenwachstum. Dafür geht China weltweit sogar auf «Shopping-Tour». Die chinesischen M&A Aktivitäten haben zugenommen. Ein gutes Beispiel hierfür war die Übernahme von KraussMaffei. Auch für ausländische Unternehmen ist China strategisch wichtig. Denn ein Werk vor Ort, ist der beste Weg, um in diesem dynamischen Wirtschaftsraum langfristig erfolgreich zu sein. Ein Beispiel hierfür ist das Engagement der RKW-Gruppe in Guangzhou oder auch im Nachbarstaat Vietnam.

Welche Trends erkennen Sie noch?

Jetzer: «Plastics in a changing world» bedeutet auch, dass die Rohstoffbeschaffung immer wichtiger wird. Nach der Polyolefin-Versorgungskrise im vergangenen Jahr wurde zum ersten Mal die neue Abhängigkeit der europäischen Verarbeitungsindustrie von Rohstoffimporten deutlich. Damit ist die Rohstoffbeschaffung zu einem wichtigen Zukunftsthema der europäischen Kunststoffindustrie geworden. Darüber hinaus müssen zu den globalen und drängenden Umwelt- und Entsorgungsfragen neue Antworten gefunden werden. Den Takt gibt unter anderem auch das World Plastics Council der globalen Kunststofferzeuger (WPC) vor. Im Rahmen vieler Sonderveranstaltungen der Weltkunststoffmesse wird die Entsorgungsfrage für Kunststoffe also ernstgenommen und kritisch diskutiert. Fakt ist: Für eine wettbewerbsorientierte Kunststoffindustrie ist ein umweltschonendes und innovatives Recycling unverzichtbar.

Warum unverzichtbar?

Jetzer: Die Versorgungskrisen werden langfristig zunehmen. Die Rohstoffpreise werden volatiler. Und beim werkstofflichen Recycling fordert der Gesetzgeber höhere Quoten. Der Absatz von Sekundärmaterialien ist somit ein neues und wachsendes Geschäftsfeld.

Herr Jetzer, welche Technologien werden sich im Markt durchsetzen? Gibt es in der Kunststoffindustrie eigentlich innovative Startups?

Jetzer: Covestro hat sich als Spin-off des Bayer-Konzerns erfolgreich in China etabliert. Das Unternehmen zählt zu den weltweit und branchenübergreifend führenden Anbietern hochwertiger Polymer-Werkstoffe. Der Hauptstandort ist jetzt in Shanghai. Dennoch unterhält Covestro wichtige Standorte in Deutschland wie etwa Leverkusen, Dormagen, Brunsbüttel oder Krefeld Uerdingen. Das Startup hat in Deutschland Investitionsprojekte in Millionenhöhe aufgelegt und u.a. eine neue Grossanlage für das Polyurethan-Vorprodukt TDI in Dormagen realisiert.

Ob Digitalisierung, Mobilität, Gesundheit oder Nachhaltigkeit – diese Wachstumsfelder müssen moderne Unternehmen der Kunststoffindustrie besetzen. Auch Wertschöpfungsprozesse müssen neu durchdacht werden. Gibt es hierfür ein Zauberwort?

Jetzer: Der Maschinenbau setzt ganz klar auf das Thema Industrie 4.0. Ferner findet eine Verlagerung der Basispolymerherstellung von Europa nach Asien statt. <<

Das Interview führte François Baumgartner von Baumgartner/Birner.

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