Die Transformation der Automobilindustrie hin zum Elektroantrieb hat bei Grob einen Veränderungsprozess in Gang gesetzt, der quasi beispiellos ist. Neben klassischen Bearbeitungszentren baut das Unternehmen jetzt auch Giga-Factories zur Batteriezellenproduktion, wie die Besucher auf der Grob-Hausmesse sehen konnten.
Schruppen, Schlichten und 5-Achs-Simultantechnologie – gezeigt auf dem 5-Achs-Universal-Bearbeitungszentrum G550T bei der Herstellung eines Peltronrades.
(Bild: Anne Richter)
Die Grob-Werke gehören zu den Werkzeugmaschinenherstellern, die in den letzten Jahren den vielleicht grössten Veränderungsprozess durchlaufen haben. Davon konnten sich die Besucher der Grob-Hausmesse vom 3. bis 6. Mai 2022 am Stammsitz in Mindelheim im Unterallgäu überzeugen. Ausgelöst wurde die Transformation durch die Umstellung der Automobilindustrie weg vom Verbrennungsmotor hin zum Elektroantrieb. Aufsichtsratsvorsitzender der Grob-Werke Christian Grob fasst diese Zeit zusammen: «Die letzten zwei Jahre während der Pandemie haben wir intensiv genutzt, um die Grob-Gruppe in seiner Transformationsphase weiterzuentwickeln. Vor knapp sechs Jahren haben wir die Weichen für die Transformation hin zur E-Mobilität gestellt. Rückwirkend betrachtet können wir mit Stolz behaupten, dass dies die richtige Entscheidung war. Wir haben gesehen, dass es eine lange Zeit braucht, bis die unterschiedlichen Technologien stabil laufen. Hierzu ist ein langer Atem mit genügend Reserven notwendig. Der Einsatz und Aufwand haben sich gelohnt, denn heute sind wir Marktführer in der Produktion von Fertigungsanlagen für Statoren eines Elektromotors. Gleichzeitig haben wir uns strategisch so aufgestellt, dass wir zukünftig Technologien für den kompletten Antriebsstrang von einem Elektrofahrzeug anbieten können. Angefangen vom E-Motor über Batteriemodul bis zur Batteriezelle.»
Einstieg in die Batteriezellen- Produktion mit Giga-Factories
Konkret weist Grob heute einen Marktanteil bei Hairpin-Stator-Linien von 60 Prozent auf. Es wurden durch komplementäre Entwicklungen Maschinen und Anlagen für die Rotor-Technik, die Imprägnier- Technik und die Nadelwickel-Technik entwickelt und in den Markt eingeführt. Vor drei Jahren ist das Unternehmen in den schnell wachsenden Markt zur Herstellung von Grossanlagen für die Batteriemontage eingestiegen und hat bereits Maschinen, Prozessketten und standardisierte Montageabläufe für Grossprojekte in der Batteriemodul-Montage und der Batteriepack-Montage entwickelt und an die Automobilindustrie ausgeliefert. Ziel ist es, in einem nächsten Schritt mit Maschinen und Anlagen zur Produktion von Batteriezellen in den Markt zu gehen. «Grob hat sich entschieden, den extrem schnell wachsenden Markt und den Bedarf für Grossanlagen zur Produktion von Batteriezellen in Europa mit neuen innovativen Konzepten zu erschliessen. Bereits dieses Jahr erwarten wir einen ersten Grossauftrag für die Batteriezellen-Produktion in sogenannten Giga-Factories», berichtet German Wankmiller, CEO der Grob-Werke. Von den Grob-Aktivitäten im Bereich Elektromobilität konnten sich die Besucher auf der Hausmesse und in geführten Betriebsrundgängen überzeugen.
Ursprünglich war das Geschäft von Grob ganz auf den Verbrennungsmotor und dessen Herstellung ausgerichtet. Und auch auf diesem Gebiet gibt es bei Grob Weiterentwicklungen. G. Wankmiller fasst zusammen: «Mit der siebten Entwicklungsstufe unserer G-Baureihe setzen wir die sehr erfolgreiche Modellpolitik unserer 5-Achs-Bearbeitungszentren für die Automobilindustrie fort. Die 7. Entwicklungsstufe ist gekennzeichnet durch höhere Dynamikwerte für die Achsgeschwindigkeiten und Beschleunigungen und durch deutlich reduzierte Span-zu-Span-Zeiten beim Werkzeugwechsel.» Über die Herstellung des Verbrennungsmotors hinaus hat sich Grob zusätzlich auf die Zerspanung von Konstruktionsbauteilen aus Aluminium ausgerichtet: «In unserem wesentlichen Tätigkeitsgebiet der Maschinen und Anlagen für die Automobilindustrie setzen wir weiter Akzente durch neue Maschinen zur Bearbeitung von leichten und komplex strukturierten Aluminium-Bauteilen in der Karosserie und dem Fahrwerk der Autos. Hierzu haben wir die neuen Maschinen der F-Baureihe entwickelt», berichtet G. Wankmiller.
Universalmaschinen für eine effiziente und flexible Fertigung
Ein weiterer, wichtiger Pfeiler in der Grob-Strategie sind die Universalbearbeitungszentren, die auf eine effiziente und flexible Fertigung ausgerichtet sind. Die Universalmaschinen bieten Kunden vielfältige Möglichkeiten in der Fräs- und Fräs-Dreh-Bearbeitung von Werkstücken aus verschiedensten Materialien. Mit einer hohen Produktivität und maximalen Stabilität ermöglichen die Bearbeitungszentren eine effektive Fertigung und passen sich dank umfangreicher Konfigurationsmöglichkeiten ideal an individuelle Anforderungen an. Neu im Grob-Programm sind 4-Achs-Bearbeitungszentren. G. Wankmiller resümiert: «In unserer Business Unit Universalmaschinen konnten wir den Umsatz durch die Erweiterung der 5-Achs-Baureihe und eine neue Baureihe von 4-Achs-Bearbeitungszentren signifikant steigern. So haben wir in den vergangenen zwei Jahren acht neue Bearbeitungszentren entwickelt. Das Maschinenprogramm unserer Bearbeitungszentren umfasst nun 4 Baureihen und 20 verschiedene Maschinentypen.»
Auf der Hausmesse wurden verschiedene Anwendungen auf den Universalmaschinen vorgestellt, so unter anderem die Fertigung eines Peltronrads aus Edelstahl für den Einsatz in der Energietechnik auf dem 5-Achs-Universalbearbeitungszentrum G550T mit Schruppen, Schlichten und 5-Achs-Simultantechnologie. Das 5-Achs- Universalbearbeitungszentrum G150 ist die kleinste und jüngste Grob-Universalmaschine. Die Maschine ist für eine Zerspanung mit höchster Präzision ausgelegt. Besonders prädestiniert ist die Neuentwicklung unter anderem für den Einsatz in der Medizintechnik und die Herstellung von Gelenkimplantaten. So hat Grob unter anderem auf dieser Maschine die Herstellung eines Knieimplantates aus Cobalt- Chrom demonstriert und gibt damit auch ein Beispiel für vielfältige Kooperationen. Wegen der komplexen Freiform-Geometrien stellt das Fräsen von Femur-Komponenten eine Herausforderung dar. Um das Knieimplantat bestmöglich zu fertigen, wurde ein spezielles Werkzeug mit einer adaptierten Schneidengeometrie erstellt. Das NC-Programm hierfür wurde mit der CAM-Lösung Hypermill von Openmind generiert.
Stand vom 30.10.2020
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Des Weiteren ist Grob auch auf dem Gebiet der additiven Fertigung aktiv. Hier setzt das Unternehmen auf das Liquid-Metal-Printing-Verfahren. Die neue GMP 300 ermöglicht durch das pulverlose Fertigungsverfahren eine sichere und im Vergleich zu anderen AM-Verfahren schnelle Herstellung von endkonturnahen Aluminium-Bauteilen. Die Materialzuführung erfolgt in Drahtform, durch die wegfallende Pulverhandhabung ist das Gefahrenpotenzial reduziert.
Passende Automatisierung ist eine Kernkompetenz von Grob. Auch davon konnten sich die Besucher auf der Hausmesse überzeugen. Grob bietet von der Standard-Automation wie Palettenhandling in runder oder linearer Anordnung bis hin zur schlüsselfertigen Fertigungslinie die gesamte Bandbreite an Automationslösungen. Dazu gehört auch die flexible Roboterzelle mit Werkstück- und Palettenhandling, automatischen Greiferwechseln und kompaktem Schubladenzuführsystem in die externen Peripheriegeräte z. B. zum Entgraten, Waschen oder Messen integriert werden können.
All diese Entwicklungsaktivitäten haben bei Grob zu einem Wachstum geführt, was sich auch auf die Produktion auswirkt. Deshalb sind für das nächste Jahr entsprechende Investitionen geplant, wie Ch. Grob berichtet: «Die letzten Jahre haben wir viel in neue Technologien investiert. Aktuell liegt unser Investitionsschwerpunkt wieder im Ausbau der Standorte, konkret in Investitionen in neue Gebäude und Werkshallen. Eine Notwendigkeit, die sich schon allein aufgrund unserer neuen Produkte und ihrer Grösse ergibt.» SMM