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China ist demnach auch ein grosser Markt für Ihr Unternehmen. Ist Kistler ebenfalls vor Ort vertreten?
R. Sonderegger: China ist nach Deutschland der zweitgrösste Markt für uns und wir sind vor Ort mit einem Technologiecenter für kundenspezifische Anwendungen vertreten. Das technologische Know-how für die Produktion werden wir aber nie nach China geben. Wir produzieren nur an acht Standorten in den Hochlohnländern Schweiz, Deutschland und USA – das wird auch so bleiben.
Demnach haben Sie hier in Winterthur auch eine entsprechend hohe Fertigungstiefe?
R. Sonderegger: Das ist so. Hier in Winterthur ist das Zentrum der Sensortechnologie im Konzernverbund. Vereinfacht gesagt kommt hier Stahl und Quarz rein und Sensoren gehen raus.
Sie produzieren fast 10 000 Sensoren pro Jahr. Die gehen doch bestimmt nicht nur in Forschungs- und Entwicklungszentren?
R. Sonderegger: Wir haben ein starkes Wachstum in Grossdiesel- und Gasmotoren, in welchen eine permanente Zylinderdrucküberwachung stattfindet. Daneben wachsen Anwendungen in der Verkehrstechnik sehr schnell, speziell in Asien. Beispielsweise werden dort mit unseren Sensoren die Achslasten von Lkws gemessen, um so eine gewichtsabhängige Maut erfassen zu können. Den grössten Teil unserer Sensoren liefern wir aber in Entwicklungsabteilungen. Wir sind unterteilt in drei Divisionen und sind damit in 17 Geschäftsfeldern tätig; unsere Anwendungen sind sehr vielfältig.
Welche dieser Geschäftsfelder sind die wichtigsten?
R. Sonderegger: Das sind ganz klar die Verbrennungsmotoren, die Prozessüberwachung bei Fügesystemen sowie die momentan am stärksten wachsende Verkehrstechnik.
Sie züchten hier in Winterthur Ihre eigenen Kristalle für ihre Sensorik. Welchen Hintergrund hat das?
R. Sonderegger: Als piezoelektrisches Element in unseren Sensoren benutzen wir Quarzkristall. Beim normalen am Markt erhältlichen Quarzkristall wird das Messsignal ab circa 220 °C nicht mehr brauchbar. Für Anwendungen im Hochtemperaturbereich, wie beispielsweise in der Turbinenmesstechnik, ist dieses Material ungenügend. Vor fast 20 Jahren haben wir uns dann dazu entschieden, eine eigene Kristallforschung aufzubauen, um Materialien zu entwickeln, die eine wesentlich höhere Temperaturstabilität besitzen. Diese Materialien haben wir in Zusammenarbeit mit Hochschulen entwickelt und produzieren sie nun hier. Eingesetzt werden sie im erwähnten Hochtemperaturbereich oder auch dort, wo kleinste Bauformen notwendig sind.
Sie setzen auf Wachstum und erregten unter anderem Aufsehen mit dem grössten Stelleninserat der Schweiz am Bahnhof Winterthur. Wie läuft die Stellenbesetzung? Spüren Sie den viel zitierten Fachkräftemangel?
R. Sonderegger: Das ist ein grosses Problem für uns. Genau aus diesem Grund haben wir diese Initiative gestartet – um Aufsehen zu erregen. Wir schaffen jedes Jahr circa 120 neue Stellen durch organisches Wachstum und müssen auf aussergewöhnliche Art auf uns aufmerksam machen. Der Fachkräftemangel war auch ein Grund, warum wir vor drei Jahren die Softwareentwicklung nach Bratislava ausgelagert haben. Für diesen Bereich haben wir die Spezialisten, zumindest in diesen Mengen wie wir sie benötigen, hier nicht mehr gefunden.
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