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Im Laufe der Jahre hat sich das Unternehmen vom reinen Sensorhersteller zum Anbieter von Systemtechnik entwickelt. Warum dieser Schritt?
R. Sonderegger: Als ich das Unternehmen übernommen habe, waren wir ein klassischer Sensorhersteller. Als solcher besitzt man eine geringere Kundenbindung und ist austauschbarer als ein Systemanbieter. Um dem entgegenzuwirken, organisierten wir uns in drei Divisionen und wandelten uns zum Systemanbieter. Ein nächster Schritt war dann die Entwicklung zum Anbieter von kundenspezifischen Lösungen. Damit konnten wir eine sehr hohe Kundenbindung gewährleisten. Aus dieser Entwicklung sind auch unsere Technologiecenter entstanden. Dort bieten wir nicht nur Vertrieb und Service an, sondern kundenspezifisches Engineering. Mittlerweile sind wir an allen Automotive-Hauptstandorten der Welt mit eigenen Technologiecentern vertreten.
Sie sehen die USA auch zukünftig als grossen Markt an. Jetzt ist mit Donald Trump jemand Präsident geworden, der teilweise unberechenbar wirkt. Wie sehen Sie das als Schweizer Unternehmen?
R. Sonderegger: Das ist die Millionen-Dollar-Frage. Grundsätzlich rechnen wir nicht damit, dass sich etwas an unserem Geschäftsmodell ändern wird. Der Megatrend im Automotivebereich wie Fahrzeugsicherheit oder aber auch die Emissionsfrage werden weiterhin eine grosse Rolle spielen – ob mit oder ohne einen Präsidenten Trump.
Von den USA zurück in die Schweiz. Wie sehen Sie die Zukunft des hiesigen Werkplatzes?
R. Sonderegger: Der Werkplatz Schweiz wird und muss sich wandeln. Die Produktion muss hochautomatisiert werden und kann dann dank der Digitalisierung hochflexibel ablaufen. Das ist eine grosse Chance für die Schweiz. So werden primär die Kapitalkosten die Hauptrolle spielen und nicht mehr allein die Lohnkosten. Die Wettbewerbsfähigkeit wird so wieder gewährleistet, in der Schweiz und auch in Westeuropa.
Momentan spielen vor allem die Währungsunsicherheiten eine grosse Rolle im alltäglichen Geschäft. Wie sieht das bei Ihnen aus?
R. Sonderegger: Als stark exportorientiertes Unternehmen mussten wir uns damit schon immer befassen. Wenn man sich anschaut, wie Dollar und Euro über die Jahre an Wert verloren, mussten wir immer Massnahmen ergreifen, um dagegenzusteuern. Einerseits konnten wir gewisse einfache und reproduzierbare Tätigkeiten outsourcen. Anderseits gibt uns unsere Technologie sowie unser Anspruch an die Marktführerschaft auch einen gewissen Schutz gegenüber einem starken Franken.
Sie haben Digitalisierung angesprochen. Diese komplette Vernetzung im Industrie-4.0-Gedanken benötigt zwangsläufig viel Sensorik. Ist das ein Markt für Sie?
R. Sonderegger: Für uns ist das Thema Industrie 4.0 nicht neu. Wir spezialisierten uns auf die In-Prozess-Messtechnik. Wir messen also genau dort, wo etwas passiert, und nicht danach. Damit haben wir Möglichkeiten, einen Prozess zu steuern und zu regeln. Solche Werkzeuge mit integrierten Drucksensoren, beispielsweise für die Kunststoffindustrie, haben wir bereits in den 70ern gebaut. Wir sind aber froh, dass das Thema jetzt so viel Aufmerksamkeit bekommt. Dadurch ergeben sich zahlreiche Chancen. Die traditionelle Qualitätssicherung fand bislang an einzelnen Arbeitsstationen statt. Mit der Digitalisierung ist man weder orts- noch zeitgebunden und kann so die Qualitätssicherung in time durchführen. Und das entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Dafür braucht es zwangsläufig Sensorik und diese kann dann gerne von uns kommen. SMM
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