Für dieses Jahr rechnet die KOF unverändert mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) ohne internationale Sportgrossanlässe von 1.4 Prozent. Wegen der verschlechterten Wettbewerbsbedingungen durch die US-Zölle und einer anhaltend hohen wirtschaftspolitischen Unsicherheit, haben sich die Aussichten für 2026 verschlechtert. Das sportbereinigte BIP dürfte nächstes Jahr um 0.9 Prozent ansteigen. Das sind 0.6 Prozentpunkte weniger als noch im Sommer erwartet wurde.
Bruttoinlandprodukt 2022-2027 Industrie, inklusive Landwirtschaft; real in Millionen Franken. Linie, rechte Skala; Daten in grau und Prognose in petrol; Prozentzahlen unterhalb Grafik sind Jahreswachstumsraten.
(Bild: SECO, KOF)
Die handelspolitischen Turbulenzen prägen derzeit das konjunkturelle Bild. Die Erhöhung der Zölle für Schweizer Exporte in die USA bedeutet spürbar verschlechterte Wettbewerbsbedingungen, auch gegenüber Exporten aus der Europäischen Union (EU) mit geringeren Zollsätzen, und eine weiterhin hohe wirtschaftspolitische Unsicherheit. Zwar wirkt die Pharmabranche derzeit noch als Stabilisator, doch bestehen auch hier Abwärtsrisiken, die den positiven Beitrag mittelfristig schmälern könnten.
Die Prognose der KOF basiert auf der Annahme, dass Teile der Schweizer Exporte in die USA mit einem Importzoll von 39 Prozent belegt bleiben, während für Waren aus der EU ein US-Zollsatz von 15 Prozent gilt. Zudem werden die durch die Vereinigten Staaten weltweit eingeführte pauschale Importzölle von 50 Prozent auf Stahl-, Aluminium- und Kupferprodukte beibehalten. Zusätzlich unterstellt die KOF in ihrer Prognose, dass die Pharmabranche ihre Preise in den Vereinigten Staaten um 10 Prozent senken werden muss. Allerdings wird davon ausgegangen, dass ihre Exporte in die USA auch weiterhin zollfrei bleiben.
Für das Jahr 2025 rechnet die KOF in ihrem Basisszenario unverändert zur Sommerprognose mit einem BIP-Wachstum ohne internationale Sportgrossanlässe von 1.4 Prozent (unbereinigt 1 Prozent). Zwar entwickelte sich die erste Jahreshälfte besser als noch im Juni erwartet, die zweite Jahreshälfte wird jedoch deutlich schwächer ausfallen als bisher prognostiziert. Für das kommende Jahr wurde die Prognose für das sportbereinigte BIP-Wachstum um 0.6 Prozentpunkte auf 0.9 Prozent gesenkt (unbereinigt 1.3 Prozent), während für 2027 ein BIP-Wachstum von 1.6 Prozent (unbereinigt 1.2 Prozent) erwartet wird.
Ergänzend zur Basisprognose hat die KOF ein Positivszenario berechnet, in dem auch für die Schweiz ab Oktober die gleichen Zollsätze wie für die EU gelten würden. In diesem Szenario fällt die Belastung für die exportorientierte Industrie und die unterstellte Unsicherheit deutlich geringer aus, so dass die negativen Effekte auf die Gesamtwirtschaft mit BIP-Anstiegen von 1.5 Prozent in diesem Jahr, 1.2 Prozent im kommenden und 1.8 Prozent im übernächsten Jahr merklich abgeschwächt würden.
Zwar trüben sich die Aussichten für den Aussenhandel durch die amerikanische Aussenhandelspolitik ein und dürften die Dynamik auch auf mittlere Frist schwächen, bisher war die Entwicklung aber durch vorgezogene Bestellungen zur Vermeidung der Zölle gekennzeichnet. Der Exportrückgang dürfte nun im zweiten Halbjahr stark ausfallen. Aufgrund der ersten Jahreshälfte steigen die Exporte in diesem Jahr dennoch um 1.3 Prozent und die Importe um 3.3 Prozent. Neben den Auswirkungen der Zollpolitik zeigen die Warenexporte ohne Pharma einen rückläufigen Trend wegen einer schwächeren weltwirtschaftlichen Nachfrage, der sich weiter fortsetzen und sich durch die Zölle noch verstärken dürfte. In den kommenden zwei Jahren fallen die Zuwachsraten der Exporte mit Anstiegen von 2.1 Prozent im Jahr 2026 und 2.5 Prozent im Jahr 2027 dann tiefer aus.
Schweizer Arbeitsmarkt kühlt merklich ab
Nach Jahren des Beschäftigungsaufbaus befindet sich der Schweizer Arbeitsmarkt in einer Schwächephase. Die KOF geht im Basisszenario für das Jahr 2025 von einem Beschäftigungswachstum von nur 0.3 Prozent aus (Sommerprognose: 0.6 Prozent). Das ist das tiefste Wachstum seit dem Jahr 2020. Im Verlauf von 2026 dürfte der Stellenzuwachs in Vollzeitäquivalenten zwar anziehen, mit 0.5 Prozent bleibt er im Vorjahresvergleich aber unterdurchschnittlich. Die Arbeitslosenquote dürfte bis 2026 auf 3.2 Prozent gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bzw. 5 Prozent gemäss der International Labour Organization (ILO) steigen. Auch 2027 wird sie voraussichtlich auf erhöhtem Niveau verharren. Das Lohnwachstum bleibt aufgrund des abgekühlten Arbeitsmarktes verhalten, doch wegen der tiefen Inflation legen die Reallöhne insgesamt leicht zu. Im positiven Szenario würde sich auch der Arbeitsmarkt besser entwickeln und die Arbeitslosenquote dürfte auf 3.1 Prozent ansteigen.
Binnenkonjunktur verliert an Schwung
Die Unsicherheit durch den Zollschock und die schwächeren Arbeitsmarktaussichten belasten die Investitionsausgaben der Firmen sowie die Konsumausgaben der privaten Haushalte. Zwar stützen das Bevölkerungswachstum und die niedrige Inflation die Kaufkraft, doch reicht dies nicht aus, um für den sich abkühlenden Arbeitsmarkt zu kompensieren. Infolgedessen hat die KOF ihre Prognose für den privaten Konsum für die Jahre 2025 und 2026 leicht nach unten revidiert: die Wachstumsraten betragen nunmehr 1.4 Prozent. Dies entspricht -0.1 Prozentpunkte respektive -0.2 Prozentpunkte gegenüber der letzten Prognose. 2027 dürfte der Anstieg der privaten Konsumausgaben mit 1.6 Prozent leicht höher sein.
Stand vom 30.10.2020
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Die Ausrüstungsinvestitionen verzeichneten im zweiten Quartal einen Rückgang aufgrund von Sondereffekten. Abgesehen davon deuten eine schwache Ertragslage, geringe Kapazitätsauslastung und hohe Unsicherheit auf eine anhaltende Investitionsschwäche hin. In diesem Jahr sinken die Investitionsausgaben um 1.0 Prozent. Die Verschärfung des Handelskonflikts sowie die Industrierezession belasten die Investitionstätigkeit. Im kommenden Jahr stagnieren sie mit einem Anstieg von 0.1 Prozent nahezu. Erst 2027 dürften sie wieder etwas mehr Schwung erhalten und um 2.1 Prozent zunehmen.
Inflationsaussichten unverändert tief – Leitzins der SNB verharrt bei 0 Prozent
Für 2025 erwartet die KOF weiterhin eine Teuerung von 0.2 Prozent, für 2026 von 0.5 Prozent und 2027 von 0.6 Prozent. Treibend wirken hauptsächlich die Mieten und die inländischen Dienstleistungen, während die inländischen Waren, Importe und Energiepreise dämpfend wirken. In den letzten Monaten lag die Inflation am unteren Rand des Bereichs, den die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit Preisstabilität gleichsetzt. Ein starker Franken, ein schwächeres Lohnwachstum sowie eine abschwächende Teuerungsdynamik bei den Mieten könnten die Inflation noch tiefer ausfallen lassen. Entsprechend erwartet die KOF im Prognosezeitraum keine weiteren Zinsschritte der SNB, womit der Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum bei 0 Prozent verharrt.
Prognoseunsicherheit bleibt hoch
Die Unsicherheit bezüglich der US-Handelspolitik bleibt sehr hoch. Dies könnte dazu führen, dass die Unternehmen vermehrt die Produktion in Ausland verlagern. Sollten künftig auch Pharmaprodukte Zöllen unterliegen, könnten die Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft erheblich sein. Aufwärtsrisiken ergeben sich aus einer möglichen Entspannung des Handelskonflikts – etwa in Folge erfolgreicher Verhandlungen zur Reduktion der US-Zölle.
Aus der KOF Konjunkturforschungsstelle wird das KOF Institut
Aus der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich wird das KOF Institut der ETH Zürich. Damit wird nach aussen sichtbar, was sich bereits seit Langem entwickelt hat: Die Breite an volkswirtschaftlichen Themen, die das KOF Institut neben der Konjunkturforschung abdeckt.
Das KOF Institut blickt auf eine mehr als 87-jährige Geschichte zurück. 1938 wurde es zum Zwecke der Beobachtung und Analyse der Schweizer Wirtschaft gegründet. Da sich das KOF Institut immer an den Entwicklungen und Bedürfnissen der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft ausgerichtet hat, wurden die Forschungsthemen im Laufe der Zeit vielfältiger. So erhebt das KOF beispielsweise seit den 1990-er Jahren eine Umfrage zur Innovationstätigkeit der Schweizer Wirtschaft, betreibt Arbeitsmarkt-, Ungleichheits- oder Sozialforschung. All diese Themen sind wichtig für die Beobachtung und Analyse der Schweizer Wirtschaft, gehen aber über die reine Konjunkturforschung hinaus. Der Kern der Arbeit des KOF Instituts waren und sind die Konjunkturumfragen und -prognosen.
Um diesen und auch zukünftigen Entwicklungen Rechnung zu tragen, wurde mit Beschluss der Schulleitung der ETH Zürich zum 1. April 2025 das KOF Institut errichtet. Mit Abschluss der internen Umstellungen ist das KOF Institut seit Ende September 2025 auch nach aussen sichtbar.
Das KOF Institut wird auch zukünftig das akademisch exzellente Institut für angewandte volkswirtschaftliche Forschung in der Schweiz sein, das unabhängige und objektive Daten und Fakten als auch eine zeitnahe Einordnung zur Unterstützung für Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft liefert, damit sachorientierte Entscheidungen zum Wohle der Schweizer Gesellschaft getroffen werden können. Hieraus hat sich auch der Claim «Insights Empowering Decisions» des KOF Instituts entwickelt. Durch ihre Aufgaben von nationaler Bedeutung und der unabhängigen Forschung bildet das KOF Brücken zwischen der Volkswirtschaftslehre und der Öffentlichkeit. Das Institut ist aber auch Plattform für Ökonomen und Ökonominnen, insbesondere in der Schweiz.