Teile schonend und zuverlässig handhaben Vakuumtechnik macht automatisierte Fertigungsprozesse flexibler

Ein Gastbeitrag von Becker AG 8 min Lesedauer

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In automatisierten Produktionsanlagen geht es nicht allein um Geschwindigkeit. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, wie sicher Bauteile aufgenommen, bewegt, positioniert und während der Bearbeitung gehalten werden können. Klassische mechanische Greifer stossen dabei schnell an ihre Grenzen. Sie benötigen ausreichend Platz am Bauteil, müssen auf dessen Geometrie abgestimmt sein und können empfindliche Oberflächen beschädigen. Die Arbeit mit Unterdruck eröffnet deutlich mehr Spielraum, da sich unterschiedlich geformte Teile damit schonend und zuverlässig handhaben lassen.

(Bild:  unsplash.com ©Homa Appliances)
(Bild: unsplash.com ©Homa Appliances)

Das Einsatzspektrum reicht von der Metallbearbeitung über die Kunststoffindustrie bis hin zur Verpackungstechnik. In automatisierten Produktionsanlagen werden Bleche vereinzelt, Kartons umgesetzt, Holzplatten auf Bearbeitungstischen fixiert und Bauteile innerhalb einer Montagelinie transportiert. Die notwendige Druckerzeugung bleibt im eigentlichen Produktionsablauf meist im Hintergrund. Ihre Zuverlässigkeit entscheidet jedoch darüber, ob ein automatisierter Prozess stabil läuft oder wiederholt durch Fehlgriffe, Druckverluste und ungeplante Unterbrechungen gestört wird.

Sicheres Greifen beginnt mit der richtigen Auslegung

Bei der Auswahl eines geeigneten Systems wird häufig zuerst auf den erreichbaren Unterdruck geachtet. Dieser Wert allein sagt allerdings wenig darüber aus, wie zuverlässig eine Anlage im täglichen Betrieb arbeitet. Ebenso relevant sind der benötigte Volumenstrom, die Beschaffenheit der zu bewegenden Teile, mögliche Leckagen und die Länge der Leitungswege. Eine glatte Metallplatte stellt andere Anforderungen als ein poröser Karton, ein Holzwerkstoff oder ein Bauteil mit unregelmässiger Oberfläche.

Bei luftdurchlässigen Materialien muss die Pumpe kontinuierlich grössere Luftmengen abführen. Bei dichten Werkstücken kommt es dagegen stärker darauf an, das erforderliche Druckniveau schnell aufzubauen und stabil zu halten. Auch die Taktzeit spielt eine wichtige Rolle. Muss ein Roboter mehrere Teile pro Minute aufnehmen, darf der Druckaufbau nicht zum begrenzenden Faktor werden.

Produktionsbetriebe benötigen häufig Vakuumpumpen für unterschiedliche Fertigungsanforderungen, da innerhalb einer Fertigung selten nur ein einziges Prozessumfeld zu versorgen ist. Während eine Anlage Bauteile mithilfe von Sauggreifern bewegt, benötigt eine andere Maschine den erzeugten Unterdruck zum Spannen, Evakuieren, Absaugen oder pneumatischen Fördern. Die passende Pumpentechnologie ergibt sich deshalb aus dem konkreten Prozess und nicht allein aus einer möglichst hohen Leistungsangabe.

Eine überdimensionierte Lösung bietet nicht automatisch mehr Sicherheit. Sie kann unnötig viel Energie verbrauchen, höhere Anschaffungskosten verursachen und zusätzlichen Wartungsaufwand mit sich bringen. Ist die Pumpe dagegen zu klein ausgelegt, wird das benötigte Druckniveau zu langsam aufgebaut oder bricht bereits bei geringfügigen Leckagen ein.

Eine belastbare Auslegung berücksichtigt daher den tatsächlichen Betriebszustand. Dazu gehören ausreichende Reserven für Verschleiss, wechselnde Formate und spätere Erweiterungen der Anlage. Entscheidend ist nicht die grösstmögliche Leistung, sondern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Saugleistung, Volumenstrom, Energiebedarf und Prozesssicherheit.

Vakuumspannen verbessert die Zugänglichkeit

In der spanenden Bearbeitung ist die Werkstückspannung ein entscheidender Faktor für Genauigkeit und Produktivität. Mechanische Spannmittel können den verfügbaren Bearbeitungsraum einschränken. Je nach Bauteil müssen sie ausserdem mehrfach umgesetzt werden, damit Fräser oder andere Werkzeuge sämtliche Flächen erreichen können.

Vakuumspanntische fixieren flächige Werkstücke von der Unterseite. Dadurch bleibt die Oberseite weitgehend frei zugänglich. Das ist insbesondere bei Plattenmaterialien aus Holz, Kunststoff, Aluminium oder Verbundwerkstoffen von Vorteil. Konturen lassen sich bearbeiten, ohne dass Spannpratzen oder Klemmen den Werkzeugweg blockieren.

Damit das Material sicher aufliegt, müssen Auflagefläche, Dichtung und Unterdruck präzise aufeinander abgestimmt sein. Kleine Bauteile oder Teile mit geringer Kontaktfläche erfordern besondere Aufmerksamkeit, da die tatsächlich wirkende Haltekraft von der nutzbaren Fläche abhängt. Je kleiner die Auflagefläche ausfällt, desto geringer ist bei gleichem Druckunterschied die erreichbare Haltekraft.

Auch Querkräfte während der Bearbeitung dürfen nicht unterschätzt werden. Ein ausreichend hoher Unterdruck allein verhindert nicht zwangsläufig, dass sich ein Teil seitlich verschiebt. Anschläge, geeignete Reibbeläge und eine saubere Auflagefläche tragen daher wesentlich zur Prozesssicherheit bei.

Bei wechselnden Formaten kann eine zonenweise geregelte Versorgung sinnvoll sein. Nicht benötigte Bereiche werden abgeschaltet, sodass sich die verfügbare Saugleistung auf die belegten Zonen konzentriert. Auf diese Weise lassen sich unterschiedliche Werkstückgrössen auf derselben Maschine bearbeiten, ohne für jedes Format eine vollständig neue Spannvorrichtung einzurichten.

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Die Zonensteuerung kann zudem den Energieverbrauch reduzieren. Werden nur die tatsächlich belegten Bereiche versorgt, muss die Pumpe weniger Nebenluft aus ungenutzten Abschnitten abführen. Voraussetzung dafür sind zuverlässige Ventile, passende Dichtungen und eine Steuerung, die auf unterschiedliche Bearbeitungssituationen abgestimmt ist.

Mehr Prozesssicherheit beim automatisierten Handling

(Bild:  unsplash.com ©Sam Moghadam)
(Bild: unsplash.com ©Sam Moghadam)

Sauggreifer haben sich in vielen Robotikanwendungen etabliert, weil sie ein geringes Gewicht besitzen und sich relativ einfach an unterschiedliche Aufgaben anpassen lassen. Ein Greifer kann mehrere Saugelemente aufnehmen, deren Anordnung auf das jeweilige Bauteil abgestimmt wird. Bei Formatwechseln genügt häufig eine Anpassung der Greiferpositionen oder des Roboterprogramms.

Die Auswahl der Sauger ist dabei ebenso wichtig wie die Druckerzeugung selbst. Flachsauger eignen sich für ebene und glatte Oberflächen. Balgsauger können Höhenunterschiede ausgleichen und kommen bei gewölbten oder leicht unregelmässigen Bauteilen zum Einsatz. Für empfindliche Materialien sind Ausführungen erforderlich, die keine sichtbaren Abdrücke hinterlassen und die Oberfläche nicht verformen.

Auch das Material der Saugelemente beeinflusst die Zuverlässigkeit. Weiche Elastomere passen sich Unebenheiten besser an, können bei hohen Querkräften jedoch weniger stabil sein. Härtere Ausführungen bieten eine höhere Formstabilität, benötigen dafür aber eine möglichst gleichmässige Kontaktfläche. Zusätzlich müssen Temperatur, Verschleiss, chemische Belastungen und die gewünschte Lebensdauer berücksichtigt werden.

In schnell getakteten Anlagen reicht es nicht aus, lediglich einen bestimmten Unterdruck zu erzeugen. Der Zustand des Systems muss fortlaufend überwacht werden. Drucksensoren erkennen, ob ein Bauteil korrekt aufgenommen wurde. Erst wenn der festgelegte Schaltwert erreicht ist, erhält der Roboter die Freigabe für die nächste Bewegung.

Sinkt das Druckniveau während des Transports, kann die Steuerung den Ablauf stoppen oder das Teil kontrolliert ablegen. Dadurch lässt sich verhindern, dass Werkstücke aus grösserer Höhe herunterfallen, Maschinen beschädigen oder nachfolgende Produktionsschritte stören.

Diese Überwachung gewinnt an Bedeutung, wenn die zu handhabenden Materialien schwankende Eigenschaften aufweisen. Kartonagen können sich beispielsweise in ihrer Porosität unterscheiden, Blechteile leicht verformt sein und Kunststoffoberflächen produktionsbedingte Unebenheiten besitzen. Ein System, das solche Abweichungen zuverlässig erkennt, reduziert Ausschuss und verhindert, dass fehlerhaft aufgenommene Teile nachfolgende Stationen blockieren.

Zusätzliche Sicherheit bieten Rückschlagventile und Speicher. Sie können den Druck für einen begrenzten Zeitraum aufrechterhalten, wenn die Stromversorgung ausfällt oder eine Pumpe kurzfristig nicht verfügbar ist. Wie lange ein Bauteil unter solchen Bedingungen gehalten werden kann, hängt jedoch von der Dichtheit, dem vorhandenen Speichervolumen und dem Gewicht des transportierten Materials ab.

Energiebedarf im tatsächlichen Betrieb betrachten

Vakuumpumpen laufen in vielen Fertigungsanlagen deutlich länger, als sie für den eigentlichen Prozess benötigt werden. Ursache ist häufig eine einfache Steuerung, bei der die Pumpe mit konstanter Leistung arbeitet, sobald die Maschine eingeschaltet wird. Dadurch steht zwar jederzeit ausreichend Saugleistung zur Verfügung, allerdings wird auch während Pausen und Teillastphasen Energie verbraucht.

Eine bedarfsgerechte Regelung passt die Pumpenleistung an den aktuellen Verbrauch an. Ist das erforderliche Druckniveau erreicht, kann die Drehzahl reduziert oder das Aggregat vorübergehend abgeschaltet werden. Ein Speicher hilft dabei, kurze Bedarfsspitzen zu überbrücken. Voraussetzung dafür ist jedoch ein ausreichend dichtes Leitungsnetz, da häufiges Nachpumpen den erwarteten Einspareffekt schnell verringert.

Bei kurzen, wiederkehrenden Greifvorgängen können dezentrale Erzeuger direkt am Greifer sinnvoll sein. Die Leitungswege bleiben kurz, wodurch sich das notwendige Druckniveau schneller aufbauen lässt. Gleichzeitig muss jedoch berücksichtigt werden, dass viele einzelne Geräte einen höheren Wartungs- und Steuerungsaufwand verursachen können.

Leckagen entstehen nicht nur durch beschädigte Schläuche. Auch verschlissene Dichtungen, verschmutzte Filter, lose Verbindungen und ungeeignete Sauger führen dazu, dass fortlaufend Nebenluft eintritt. Regelmässige Prüfungen lohnen sich deshalb sowohl aus energetischer Sicht als auch im Hinblick auf die Anlagenverfügbarkeit.

Auffällig lange Laufzeiten oder ein verlangsamter Druckaufbau sind häufig frühe Hinweise auf Veränderungen im System. Moderne Steuerungen können solche Abweichungen automatisch erfassen. Werden Laufzeiten, Druckverläufe und Schaltzyklen kontinuierlich ausgewertet, lassen sich Wartungsmassnahmen teilweise durchführen, bevor es zu einem ungeplanten Stillstand kommt.

Auch verschmutzte Filter erhöhen den Energiebedarf. Kann die Luft nicht mehr ungehindert strömen, verlängert sich der Druckaufbau und die Pumpe arbeitet länger. Ein fester Wartungsplan sollte deshalb nicht nur die beweglichen Komponenten, sondern auch Filter, Leitungen, Dichtungen und Saugelemente berücksichtigen.

Zentrale oder dezentrale Versorgung richtig auswählen

Benötigen mehrere Maschinen dauerhaft Unterdruck, kann eine zentrale Versorgung Vorteile bieten. Pumpen lassen sich gebündelt aufstellen, gemeinsam warten und abhängig vom Gesamtbedarf zu- oder abschalten. Auch Geräusche und Abwärme können aus dem direkten Produktionsbereich verlagert werden.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an das Leitungsnetz, die Regelung und die Ausfallsicherheit. Lange Rohrleitungen oder ungünstig gewählte Querschnitte verursachen Druckverluste, die durch zusätzliche Pumpenleistung ausgeglichen werden müssten. Ausserdem kann eine Störung in der zentralen Station mehrere Produktionsbereiche gleichzeitig betreffen.

Eine dezentrale Lösung arbeitet dagegen mit einzelnen Erzeugern direkt an den jeweiligen Maschinen oder Greifern. Dadurch sind kurze Leitungswege und schnelle Reaktionszeiten möglich. Fällt ein Aggregat aus, bleiben andere Anlagen in der Regel unbeeinträchtigt. Allerdings steigt die Zahl der zu wartenden Komponenten.

Ob eine zentrale oder dezentrale Variante wirtschaftlicher ist, hängt von der räumlichen Anordnung der Maschinen, dem Verbrauchsprofil, der Taktung und der geforderten Verfügbarkeit ab. In grösseren Produktionsumgebungen kann auch eine Mischform sinnvoll sein. Dabei übernimmt eine zentrale Station die Grundversorgung, während einzelne Verbraucher zusätzlich über lokale Einheiten abgesichert werden.

Die gesamte Anwendung entscheidet

Gut geplante Vakuumtechnik unterstützt nicht nur einzelne Greif- oder Spannvorgänge. Sie beeinflusst ebenso die Taktzeit, den Energieverbrauch, die Bearbeitungsqualität und die Sicherheit automatisierter Abläufe.

Eine zuverlässige Lösung entsteht deshalb nicht allein durch die Auswahl einer leistungsstarken Pumpe. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Erzeuger, Leitungsnetz, Saugelementen, Dichtungen, Sensorik und Steuerung. Alle Komponenten müssen auf die Eigenschaften der Werkstücke und den tatsächlichen Produktionsablauf abgestimmt sein.

Wer die Versorgung konsequent am realen Bedarf ausrichtet, vermeidet unnötige Leistungsreserven und reduziert das Risiko von Störungen. So entsteht eine belastbare Grundlage für flexible Fertigungsprozesse, stabile Taktzeiten und eine hohe Anlagenverfügbarkeit.

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