Additive Fertigung Vom Gedanken zum Produkt

Redakteur: Luca Meister

Die additive Fertigung hat in den letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Das Herstellverfahren von komplexen Bauteilen hat sich im Kunststoffbereich am schnellsten etabliert. Die neu gegründete AM Kyburz AG widmet sich nun dem 3D-Metalldruck.

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Feinste Strukturen, die mit anderen Verfahren nicht herstellbar sind: Gitterstrukturen spielen im Leichtbau eine besondere Rolle. Ausgeklügelte Netze ermöglichen eine hohe Festigkeit bei minimalem Gewicht.
Feinste Strukturen, die mit anderen Verfahren nicht herstellbar sind: Gitterstrukturen spielen im Leichtbau eine besondere Rolle. Ausgeklügelte Netze ermöglichen eine hohe Festigkeit bei minimalem Gewicht.
(Bild: AM Kyburz)

Mittlerweile sind auch weitere Technologien mit unterschiedlichsten Materialien hinzugekommen: Von Beton über Esswaren bis hin zu organischen Geweben und Zellen wurden neue Verfahren präsentiert. Darunter befindet sich auch das Selective Laser Melting (SLM) für metallische Werkstoffe. Das Verschmelzen von metallischem Pulver mit einem Laserstrahl zu einem festen Körper mit einer sehr hohen Dichte (99 Prozent und höher) hat sich in Amerika wie auch in Deutschland für die Herstellung von Maschinenteilen verbreitet und ergänzt seit einigen Jahren Fertigungsverfahren wie Fräsen, Bohren, Drehen, Giessen sowie diverse Umformtechniken.

Martin Hofer, Gründer und Geschäftsführer der AM Kyburz AG, hat vor einem Jahr begonnen, sich für die Technologie zu interessieren, und dabei festgestellt, dass die additive Fertigung in der Schweiz noch in den Kinderschuhen steckt. Nur wenige Ingenieure und Fertigungsbetriebe haben sich zu diesem Zeitpunkt mit dem 3D-Metalldruck auseinandergesetzt. Erstaunlich, denn unser nördlicher Nachbar Deutschland wird diesbezüglich als weltweite Nummer zwei betrachtet. Adrian Gallmann hat sich ebenfalls zu diesem Zeitpunkt erstmals über die Technologie informiert und erkannt, dass dahinter ein grosses Potenzial steckt.

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Erste Multilasermaschine in der Schweiz

Nicht zufällig haben sich die beiden Herren getroffen und sich entschieden, gemeinsam in die additive Fertigung einzusteigen. Am 3. Februar 2016 haben sie in Affoltern am Albis die AM Kyburz AG gegründet.

Im April dieses Jahres wurde nun die erste Multilasermaschine in der Schweiz bei der AM Kyburz AG in Betrieb genommen. Die Anlage arbeitet gleichzeitig mit zwei Laserstrahlen und bietet somit eine sehr hohe Performance in der Fertigung von hochkomplexen 3D-Metallteilen. Die beiden Gründer waren sich einig, dass der Einstieg in diese neue Welt trotz enorm hoher Investitionskosten nur mit der modernsten und schnellsten Technologie erfolgreich sein könne.

«Complexity for free»

Das Laserverfahren eignet sich sowohl für Einzelteile als auch für kleine Serien bis zu 1000 Stück, je nach Grösse und Geometrie. Je komplexer die Bauteile, desto günstiger können sie gefertigt werden im Vergleich zu herkömmlichen Fertigungsverfahren. Im Englischen ausgedrückt: «Complexity for free». Mit dieser Aussage kommen auch unendlich viele Ideen ins Spiel. Komplexe Kühlkanäle, feinste Gitterstrukturen, verwinkelte Freiformflächen und gefangene Volumen sind mit der neuen Maschine einfach umzusetzen und zu fertigen. Die Fertigungsmöglichkeiten finden Anwendung im Formenbau, Leichtbau, Maschinenbau, Schiffsbau und in vielen anderen Sektoren. Sogar im privaten Bereich gibt es unzählige Möglichkeiten wie zum Beispiel die Fertigung von individuellen Schmuckstücken, der Nachbau defekter Teile an Liebhaberobjekten oder die Fertigung anderer personalisierter Teile.

Konstruktionsrichtlinien beherrschen

Ziel der jungen Firma ist es, die Technologie der additiven Fertigung in der Schweiz bekannt zu machen und insbesondere in der Industrie zu etablieren. Dies ist gemäss Martin Hofer nur möglich, wenn die Entwicklungsingenieure und die Konstrukteure das Verfahren und die damit verbundenen Konstruktionsrichtlinien beherrschen und die Vorteile und das Potenzial der Technologie kennen. Die AM Kyburz AG will dies mit Unterstützung ihrer Fachkräfte im Bereich Engineering und Konstruktion erreichen. Auf den eigenen CAD-Systemen werden Baugruppen und Bauteile entwickelt, konstruiert und fertigungsgerecht modelliert. -mei- SMM

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