Heidelberger Druckmaschinen AG setzt auf Günther + Schramm

Vom Stahlhändler zum Full-Service-Dienstleister

| Redakteur: Silvano Böni

Ein Zylinder unmittelbar nach dem Rotationsreibschweissprozess.
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Ein Zylinder unmittelbar nach dem Rotationsreibschweissprozess. (Bild: Günther + Schramm)

Seit Jahren bezieht die Heidelberger Druckmaschinen AG ihre Rohstoffe für einen Zylinder über Günther + Schramm und bearbeitet diese dann im Unternehmen. Um Zeit und Kosten zu sparen, sollte der Prozess optimiert werden. Die Lösung: Als Full-Service-Anbieter übernimmt der Stahl- und Metallhändler neu sowohl die Beschaffung wie auch die Bearbeitung, Logistik und Bereitstellung des Materials.

Die Heidelberger Druckmaschinen AG, Hersteller von Bogenoffset- und Digitaldruckmaschinen, setzt für die Komponenten ihrer Maschinen auf höchste Prozesssicherheit und höchste Qualitätsstandards. Seit mehr als 25 Jahren vertrauen die Heidelberger daher auf Rohmaterialien von Günther + Schramm.

Aufwändige Zerspanung

Bis vor kurzem belieferte der süddeutsche Stahl- und Metalldistributor das in Wiesloch-Walldorf ansässige Unternehmen regelmässig mit Sägeteilen, aus denen ein Zylinder für die Bogenoffsetdruckmaschinen gefertigt wurde. Das gelieferte Rohteil ist über 1,4 Meter lang und wiegt knapp eine Tonne. Die Komponente musste in der Vergangenheit von Heidelberg aufwändig zerspant werden. Rund 20 Prozent des Materials gingen dabei verloren. Zudem konnten die grossvolumigen Komponenten nur auf einer bestimmten, entsprechend grossen Maschine bearbeitet werden. Um sich in der Produktion deutlich effizienter aufzustellen und Kosten zu sparen, wurde eine neue Lösung entwickelt.

Optimierte Prozesse

Gemeinsam mit dem Systemlieferanten Günther + Schramm wurde ein Prozess entwickelt, mit dem das Rohteil produktionsgerechter und kostengünstiger hergestellt werden kann. Dazu waren eine deutliche Gewichtsreduktion sowie eine Umstellung der bisherigen Vorbearbeitung notwendig. «Wir haben gemeinsam mit Heidelberg, insbesondere mit den Zylinder-Experten im Werk Amstetten und der Technologieberatung, diverse Alternativtechnolo­gien unter die Lupe genommen und bewertet. Mit dem Reibschweissen haben wir ein optimales Verfahren gefunden, das allen Anforderungen gerecht wird», blickt Georg Reisinger, Projektverantwortlicher bei Günther + Schramm, zurück. Bei diesem Bearbeitungsprozess werden drei einzelne Komponenten, ein grosses Mittelstück sowie zwei einzelne Zapfen, zu einem Zylinder zusammengeschweisst. Dadurch konnte der aufwändige Bearbeitungsprozess weiter optimiert werden, der zuvor notwendig war, um die entsprechende Endkontur der Einzelkomponente zu erzielen. «Beim Bedrucken von Papier rotiert der Zylinder im hohen Drehzahl­bereich und unterliegt sehr hohen mechanischen Belastungen. Die Schweissverbindung darf dabei auf keinen Fall fehlerhaft sein, das würde einen erheblichen Schaden in der Maschine verursachen. Zusammen mit Günther + Schramm haben wir einen optimalen Fertigungsprozess und ein pass­genaues Logistikkonzept entwickelt, die unseren hohen Qualitätsansprüchen gerecht werden», berichtet Andreas Gund, Leiter Technologieberatung und Standardisierung bei Heidelberg. Nach der Auswahl der neuen Technologie fungierte Günther + Schramm zunächst als klassischer Materiallieferant. Die Schweiss- und Bearbeitungsaufgaben übernahmen externe Dienst­leister. Ein hoher Verwaltungs- und Dispositionsaufwand, viele Schnittstellen sowie lange Durchlaufzeiten waren das Resultat. «Für uns stand fest: Wir brauchen einen gesamtverantwortlichen Partner für unseren fertig geschweissten Zylinder, der von der Materiallieferung über die Vorbearbeitung der Einzelkomponenten bis hin zum fertig geschweissten Rohmaterial alles abdeckt. Da Günther + Schramm seit Beginn in den neuen Prozess involviert war, wollten wir das Unternehmen als Partner für dieses Projekt gewinnen», blickt Andreas Gund zurück.

Jeder Schritt wird erfasst

Günther + Schramm bevorratet die Sägeteile in seinem Lager in Mannheim. Im Sägezentrum werden die Komponenten gesägt. Dabei wird jeder Prozessschritt datentechnisch erfasst und dem Kunden übergeben. So sorgt der Stahlhändler für eine hohe Nachverfolgbarkeit und eine grösstmögliche Transparenz. Als verlängerte Werkbank kooperiert der Systemlieferant mit drei Unterlieferanten, um die Zylinder und Zapfen bedarfsgerecht zu bearbeiten und zu einem Bauteil zu verschweissen. «Die Herausforderung besteht darin, komplexe Liefer-, Bearbeitungs- und Logistikprozesse zu koordinieren», erklärt Georg Reisinger. «Wir tragen die Verantwortung für jedes einzelne Teil und sorgen dafür, dass alle Materialien just in time geliefert werden. Das ist bei 1000 Tonnen Material pro Jahr und der Verknüp­fung von verschiedenen Projektpartnern eine echte Herausforderung, die wir erfolgreich
meistern.»

Ergebnis

Am Ende des Prozesses liefert Günther + Schramm ein reibgeschweisstes Rohteil, das der Endkontur des einbaufertigen Zylinders sehr nahekommt. Somit muss der Druckmaschinenexperte nur noch wenig Nacharbeit leisten, bis das Produkt in die Maschinen integriert wird. Dadurch spart der Druckmaschinenhersteller Zeit in der Produktion und kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Ausserdem wird weniger Material verschwendet, da der Zylinder nun aus drei Einzelkomponenten gefertigt wird und keine aufwändigen Zerspanungsarbeiten mehr zu tätigen sind. Im Vergleich zum eigentlichen Ursprungsmaterial sind die neuen Komponenten um 18 Prozent leichter. Zudem kann das Unternehmen heute auch kleinere Maschinen für den weiteren Bearbeitungsprozess nutzen. Dadurch profitieren die Heidelberger nicht nur von geringeren Maschinenstundensätzen, sondern sparen gleichzeitig auch jährlich 790 Tonnen an CO2. Eine Kostenersparnis von insgesamt mehr als 15 Prozent ist das Ergebnis des Projekts. SMM

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