China-Sourcing

Wann lohnt sich der Gang nach China?

| Redakteur: Susanne Reinshagen

Kosten- und Margendruck führen dazu, dass immer mehr Unternehmen einen Teil ihrer Beschaffung in China tätigen.
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Kosten- und Margendruck führen dazu, dass immer mehr Unternehmen einen Teil ihrer Beschaffung in China tätigen. (Bild: Sycor-Group.cm)

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Um Kosten zu sparen verlagern immer mehr KMU einen Teil ihrer Beschaffung nach Asien, allen voran nach China. Damit diese Strategie erfolgreich ist, gilt es einige Grundregeln zu beachten.

Bei den Importen in die Schweiz rangiert China mit einem Handelsvolumen von über 11,4 Milliarden Franken (2013, Eidgenössische Zollverwaltung) bereits auf dem vierten Platz 4 hinter Deutschland, Italien und Frankreich. China hat damit Vereinigten Staaten überholt.

Für KMU ist der Einkauf in Asien nach wie vor eine komplexe Aufgabe. Wirklich günstig ist China unter dem Strich nur dann, wenn es den Unternehmen gelingt, einige Grundregeln zu beachten. Das zeigt eine Marktbeobachtung der Fiducia Management Consulting, die eine Liste der sieben häufigsten Fehler von Mittelständlern beim Einkauf in China veröffentlicht hat.

1. Produkt-Spezifikationen sind zu unpräzise

2. Kein Wissen über die Gesamtkosten des «chinesischen Preises»

3. Versäumnis einer Fabrikbesichtigung vor Ort

4. Keine Verifizierung wichtiger Lieferanten-Informationen

5. China-Verträge und Zahlungsbedingungen sind «undicht»

6. Fehlende Registrierung von Marken und geistigem Eigentum

7. Fehlende Klarheit über Auslagerungsstrategie nach China

Gesamtkosten nicht im Blick

Ein Fehler vieler Vertragsverhandlungen ist zudem, die Gesamtkosten der Bestellung aus China nicht sauber zu kalkulieren und stattdessen nur die Produktkosten im Blick zu haben. Allein der Transport, beispielsweise per Schiff, macht beim Einkauf schnell einmal fünf bis zehn Prozent der Gesamtkosten aus. Die Recherche von passenden chinesischen Lieferanten, die Auswahl, die Kontrolle des Betriebs, die Qualitätskontrolle und die Kommunikation sind extrem aufwändig. Diese Gemeinkosten werden häufig nicht dem Teilepreis zugerechnet. Bei der Entscheidung, ob Teile in Asien oder in Europa beschafft werden sollen, spielen sie eine wesentliche Rolle.

Heterogene Lieferantenlandschaft in China

Die Lieferantenlandschaft in China ist noch immer sehr heterogen. Es gibt erhebliche Leistungs- und Kostenunterschiede. Die Identifikation geeigneter Lieferanten stellt daher einen Schlüsselfaktor dar. China-Sourcing ist aufgrund der steigenden Lohnkosten nicht mehr die billigste Form der Beschaffung. In vielen anderen asiatischen Ländern ist das Lohnniveau deutlich niedriger. Dennoch erzielen 72 Prozent der befragten Unternehmen, die in China fertigen lassen, durchschnittliche Einsparungen von mehr als 15 Prozent.

Für die Identifikation von Lieferanten werden Dienstleister bisher nur selten genutzt. Hier verbirgt sich noch viel Potential zur Kosteneinsparung. Der Einsatz externer Dienstleister hilft, fehlende Erfahrung auszugleichen und den Lernprozess im China-Sourcing voranzutreiben. Externe Dienstleister verfügen über ein detaillierteres Wissen hinsichtlich Lieferanten, Produkte und der eingesetzten Technologien. Wie gross der Bedarf an externem Know-how ist, zeigt folgendes Umfrageergebnis: Lediglich 41 Prozent der befragten Unternehmen waren zufrieden bzw. sehr zufrieden, aber 59 Prozent waren unzufrieden bzw. nur einigermassen zufrieden mit dem Einkauf in China (Studie „China-Sourcing 2.0 – Wie kann das Potential optimal ausgeschöpft werden?“ von Inverto in Zusammenarbeit mit der WHU – Otto Beisheim School of Management, Köln, August 2014)

Kostenvorteile bei automatisierter Serienfertigung

Blickt man nur auf die deutlich niedrigeren Lohnkosten in China, dann scheinen europäische Zulieferbetriebe nicht wettbewerbsfähig zu sein. Im Bereich der Serienfertigung von Metall- und Kunststoffteilen sind gut organisierte Hersteller aus Europa jedoch durchaus in der Lage, Anbietern aus Asien gleichwertige oder bessere Angebote entgegenzusetzen. In diesen Fertigungsbereichen ist es in Europa üblich, dass ein Maschinenbediener mehrere vollautomatisch laufende Maschinen bedient. Roboterbeschickung, Paletten-Bahnhöfe, Pick-up Drehmaschinen und Stangenlademagazine machen es möglich. In den Nachtschichten, die auch «Geisterschichten» genannt werden, werden die Möglichkeiten der mannarmen Fertigung noch weiter ausgeschöpft. Dabei ist der Lohnkostenanteil mit ca. 20 Prozent in der westeuropäischen Kalkulation relativ niedrig gewichtet.

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