Giesserei-Verband Schweiz Weitere Einbussen in 2016 – schwache Verbesserung im laufenden Jahr erwartet

Redakteur: Luca Meister

Belief sich der Umsatz 2015 noch auf 605 Millionen Schweizerfranken, so verzeichneten die 47 im Giesserei-Verband der Schweiz (GVS) zusammengeschlossenen Unternehmen für das zurückliegende Jahr einen Rückgang von 4,2 Prozent auf 580 Millionen Schweizerfranken. Der anhaltend starke Franken und die zunehmende Abwanderung von Kunden mit lukrativen Grossaufträgen ins kostengünstigere Ausland sorgten in erster Linie für die erneuten Einbussen.

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(Bild: © zjk - Fotolia.com)

Über alle Werkstoffgruppen hinweg gesehen gingen die abgelieferten Tonnagen 2016 gesamthaft um 8,2 Prozent auf 51 625 Tonnen zurück. Auch im laufenden Jahr wird die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Schweizer Gussindustrie auf eine harte Probe gestellt sein.

Steigerung lediglich bei Kupferlegierungen

«Die schleichende Deindustrialisierung der Schweiz kennzeichnet die angespannte Situation unserer Branche», stellte Markus Schmidhauser, Verbandspräsident und Geschäftsführer der Wolfensberger AG, fest.

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Bei den Eisen- und Stahlgiessereien sanken die abgelieferten Tonnagen 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 7,8 Prozent auf 35 426 Tonnen. Bei den Schweizer Leichtmetallgiessern verringerte sich die verarbeitete Tonnage in 2016 um 13,5 Prozent auf 12 902 Tonnen. Lediglich mit Kupferlegierungen konnte hier eine Steigerung um 4,3 Prozent auf 3297 Tonnen gegenüber dem Vorjahr erzielt werden. Über alle Werkstoffgruppen hinweg gesehen schloss die Schweizer Gussindustrie 2016 gesamthaft mit einer Reduktion von 8,2 Prozent auf 51 625 Tonnen ab. «Der Gesamtumsatz im 2015 in Höhe von 605 Millionen Schweizerfranken der 47 im GVS zusammengeschlossenen Unternehmen verringerte sich im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent auf 580 Millionen Schweizerfranken», gab Verbandsgeschäftsführer Marcel Menet bekannt.

Europäische Giessereien: Allgemein schwache Auslastung

Nach den Anwendermärkten betrachtet sorgten 2016 vor allem wieder PKWs und das Transportwesen mit Schienen- und Nutzfahrzeugen für Neuaufträge und moderate Zuwachsraten. Auch Aufträge für Spezialpumpen, Turbinen und Verdichter sowie generell für Ersatzteile und die Herstellung von Prototypen im 3D-Druckverfahren führten zum Teil zu guten Produktionsauslastungen bei den Schweizer Giessereien. Positiv stabil verhielt sich die Nachfrage aus der Verpackungsindustrie und Medizintechnik. Stagnierend bis anhaltend rückläufig zeigte sich dagegen die Auftragslage aus dem Elektro-, Werkzeug- und Maschinenbausektor sowie dem Anlagen- und Apparatebau. Die Chance, im Inland Neugeschäfte mit nennenswerten Volumen zu generieren, schwand 2016 für die Schweizer Gussindustrie zunehmend. Die allgemein schwache Auslastung der europäischen Giessereien erhöhte zudem den Wettbewerbsdruck.

In allen Anwenderbereichen waren von der Schweizer Gussindustrie vor allem innovative Entwicklungslösungen und die Fertigung immer komplexerer, einbaufertiger Gussteile in kleinen Losgrössen mit umfassenden Logistikleistungen gefragt. Ein Trend, der sich auch 2017 weiter abzeichnet und die Fortsetzung einer grundsätzlichen Anpassung der Unternehmens- und Produktionsorganisationen verlangt.

Innovative Gussteile, mehr Service und Dienstleistungen

Lean-Management-Massnahmen und die Optimierung technologischer Fertigungsprozesse durch Automation werden wie im zurückliegenden Jahr weiter vorangetrieben. Verstärkt werden auch Kooperationen im In- und Ausland eingegangen, so beispielsweise für die Gussnachbehandlung.

Laut einer Umfrage unter den GVS-Vorstandsmitgliedern erweist sich die Verlagerung von Serienproduktionen in kostengünstigere Länder Osteuropas, zusammen mit den spezialisierten Fertigungen an den Schweizer Standorten, überwiegend als guter Mix zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft.

Die unsichere politische Entwicklung in der EU, nicht zuletzt ausgelöst durch den Brexit, betrachten die Unternehmensführer auch als Chance, um die Schweizer Gussindustrie als verlässlichen Partner mit starker Währung und stabilem politischen Umfeld für viele Auftraggeber europaweit und international wieder attraktiv ins Spiel zu bringen. Ganz nach dem Motto «Back to be on the save side». «Diese äusseren Rahmenbedingungen können wir zwar nicht unmittelbar beeinflussen, wir sehen aber bereits mit den getroffenen und laufenden betrieblichen Optimierungsmassnahmen durchaus Potenzial, im laufenden Jahr unsere Ertragslage wieder verbessern und auch weiterhin Investitionen für die Zukunft in unsere Kernkompetenzen tätigen zu können: der Entwicklung innovativer Gussteile und in den gewohnt hohen Schweizer Service- und Dienstleistungsgrad», fasste Markus Schmidhauser die Prognosen der Branche für 2017 zusammen.

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