SKF

Wie das Pendelkugellager die Industrie ins Rollen brachte

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In zehn Jahren war SKF nahezu weltweit vertreten

Ausländische Märkte sollten schon bald zum wichtigsten SKF-Spielfeld werden. In kaum zehn Jahren war das Unternehmen nahezu weltweit vertreten. Bereits 1910 gingen zwischen 80 und 85 % der SKF-Produktion ins Ausland. 1911 wurde das erste Produktionswerk außerhalb von Schweden in Luton, England, eröffnet. Zwei Jahre später war SKF mit 1600 Mitarbeitern nicht nur größtes Unternehmen in Göteborg, sondern auch viertgrößtes in Schweden. Der Affärsvärlden, zur damaligen Zeit ein führendes schwedisches Wirtschaftsmagazin, charakterisierte SKF im Jahre 1911 als ein Unternehmen mit „amerikanischer Geschwindigkeit“ und bezeichnete es 1913 als „beispiellos erfolgreich, sowohl auf nationaler und vermutlich auch auf internationaler Ebene“. 1914 war SKF bereits in 27 Ländern vertreten.

Alle guten Dinge sind drei

Bleibt die Frage: Wie konnte sich die Erfindung eines schwedischen Unternehmers mit derartiger Geschwindigkeit an der Spitze der technischen Revolution positionieren? Als erstes sei der überaus günstige Zeitpunkt der Industrialisierung genannt. Beispielsweise wuchs die Automobilindustrie – später größter Abnehmer von SKF-Kugellagern – damals rasant und hatte einen sehr großen Bedarf an Lagern. Weil die Nachfrage der Automobilindustrie zwar auf dem Vormarsch, jedoch zu Beginn noch verhalten war – denn Automobilhersteller produzierten ihre Lager überwiegend selbst –, betrachtete SKF die Kugellager als unabhängigen Maschinenteil, als eine Komponente, die eine separate Produktentwicklung erforderte. Aus dieser Idee erwuchs das SKF-Mantra Wingquists: „Für jede Stelle das richtige Lager“.

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So musste sich SKF nicht auf eine Branche beschränken, sondern konnte das gesamte Spektrum der Industrie bedienen, vorrangig die zur damaligen Zeit dominierenden Industriezweige Textilindustrie und Maschinenbau. Denn während andere Unternehmen mit ihrer Produktvielfalt warben, legte SKF den Fokus auf seine Lager und deren Weiterentwicklung. Aufgrund dieser Spezifizierung konnten sich schon damals die neuen Pendelkugellager durch einen geringeren Energieverbrauch von den Konkurrenten abheben. Zweitens erkannte Wingquist, dass der Verkauf von Kugellagern nur in Kombination mit einem grundlegenden Verständnis für die Bedürfnisse des Kunden funktionieren konnte. Deshalb suchte man früh den Kontakt zum Kunden, um Marktlücken gezielt schließen zu können.

Und noch ein dritter Aspekt trug maßgeblich zum Wettbewerbsvorteil und anschließenden Erfolg bei: Wingquist war davon überzeugt, dass die Qualität in Hinblick auf die anspruchsvolle Verwendung des Kugellagers einen besonderen Stellenwert einnehmen sollte. Die präzise Passform, Laufruhe und eine lange Lebensdauer waren für ihn fundamental, weshalb er äußerst gründlich bei der Auswahl des Stahls vorging. Aus diesem Grund war es nur eine Frage der Zeit, bis SKF auch Herr über die Qualität der Rohstoffe werden wollte. 1916 erwarb SKF deshalb zwei der damals modernsten schwedischen Stahlfabriken. So konnte das Unternehmen eine gleichbleibende Qualität der Stahlkugeln sicherstellen, die dem hohen Anspruch von SKF-Lagern gerecht wurden.

Ein knappes Jahr zuvor gelang SKF der Brückenschlag zur Automobilbranche, als für Pkw das einreihige Wälzlager mit Einfüllnut hergestellt wurde. Die Versuchsabteilung der SKF für die sogenannten „Volvo-Kugellager“ (volvo: lateinisch für „ich rolle“) legte den Grundstein für den späteren Automobilbauer und bewies, dass ihre Lager auch den Erfolg anderer Industriezweige ins Rollen brachten.

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