SKF

Wie das Pendelkugellager die Industrie ins Rollen brachte

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Gleichbleibende Neugier als steter Wettbewerbsvorteil

Turbulent ging es bis Mitte der 20er-Jahre zu, es folgten weitere Investitionen, bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung während des Ersten Weltkrieges, aber auch leere Auftragsbücher und eine hohe Arbeitslosigkeit als Konsequenz des konjunkturellen Abschwungs in der Nachkriegszeit. Im Jahre 1924 setzte sich das Wirtschaftswachstum fort und SKF erreichte einen Fertigungsrekord von knapp 6,5 Mio. Wälzlagern. Dieser Boom war ebenfalls der Automobilindustrie geschuldet. 1925 hielten zwischen 80 und 90 % aller auf der Welt gefertigten Lager Autos nahezu reibungslos in Bewegung. Deshalb verwundert es nicht, dass SKF neugierig wurde und selbst experimentierte. Um Kenntnis über die speziellen Anforderungen von Autos an Lager zu erlangen, wurden im Jahr 1926 durch die AB Volvo, ein Tochterunternehmen von SKF, zehn Test-Pkw hergestellt.

Das Ergebnis der Testreihe konnte sich sehen lassen, ein Grund dafür, dass neun Jahre später Volvo eigenständig wurde. Es folgten weitere turbulente Jahre, dadurch gekennzeichnet, dass SKF nach jedem wirtschaftlichen Rückschlag sich den Staub abputzend wieder aufstand, den Weg zu alter Stärke fand und sogar noch einen „drauflegte“. Die turbulente Zeit hat der Affärsvärlden sehr treffend zusammengefasst: „Alles, was man über dieses Unternehmen sagen kann, ist, das ist mehr als offensichtlich, dass nach alldem eine überaus große Stärke zurückblieb.“ So setzte SKF Anfang der 70er-Jahre ein weiteres Zeichen, dass trotz schwieriger Jahre die technische Entwicklung vorangetrieben werden sollte, und antwortete auf die Anforderungen des Marktes mit einem neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum, das 1972 im niederländischen Nieuwege in Betrieb genommen wurde. Dort entwickelten SKF-Mitarbeiter unter anderem Verfahren für die Untersuchung der Lagerlebensdauer und auch zwei einzigartige Prüfstände für den Test von Lagern in Anwendungen.

Angrenzende Produktbereiche gelangen in den SKF-Fokus

Man musste Antworten auf die besonders herausfordernden Anwendungen finden, wie die immer häufiger eingesetzten Hochgeschwindigkeitszüge, aber auch die zunehmende Automatisierung in der Fertigung. Die Antworten gab die unermüdliche Forschung des Unternehmens. Schon bald wurden nicht mehr nur Wälz- oder Gleitlager erforscht, sondern zunehmend auch Lösungen aus angrenzenden Produktbereichen, wie unter anderem Dichtungen, Schmiersysteme, Lineartechnik und später auch mechatronische Komponenten. Ein damaliger technischer Leiter subsumierte das SKF-Mantra wie folgt: „Es wird immer wichtig bleiben, auf die Anforderungen des Marktes zu reagieren. Der Kunde kauft nicht mehr nur ein Lager, sondern eine Gesamtlösung für ein Problem. Deshalb müssen wir eine Gesamtkompetenz bieten.“

Gezielte Unternehmenszukäufe erweitern das Produktportfolio

Nur ein Vierteljahrhundert und gezielte Unternehmenszukäufe später realisierte SKF den Anspruch auf Gesamtkompetenz und präsentierte offiziell fünf Kompetenzfelder unter einem Dach: Das zweite Standbein neben Lagern und Lagereinheiten entwickelte sich ab Ende der 70er-Jahre aus der Herstellung eigener Lineartechnik. In den 80ern kamen Kugel- und Rollengewindetriebe sowie elektromechanische Hubzylinder hinzu. Damit legte das Unternehmen den Grundstein für seine Mechatronik-Plattform. Zu dieser Zeit führte SKF in allen Fertigungswerken auch das „Channel-Konzept“ ein. Die ehemals nach dem Werkstattprinzip aufgebaute Produktion wurde dabei in eine moderne Fließfertigung überführt, die eine nachhaltig wettbewerbsfähige Großserienfertigung ermöglichte. Das Fertigungsprinzip optimierte den Materialfluss, harmonisierte die Kapazitäten der einzelnen Fertigungsschritte und reduzierte die Zwischenpuffer, um nur einige der Vorteile zu nennen. Mit der weltweiten Einführung des „Channel-Konzepts“ schaffte SKF die Balance zwischen einer effizienteren Produktion und einem bestmöglichen Kundenservice.

Um diesen Servicesektor weiter auszubauen, beteiligte sich SKF 1989 mehrheitlich am Zustandsüberwachungs-Spezialisten Palomar und trieb mit diesem Schritt seine Dienstleistungskompetenzen gezielt voran. Nur ein Jahr später übernahm das Unternehmen den Dichtungsspezialisten Chicago Rawhide und baute dadurch sein Dichtungsportfolio erheblich aus. 2004 erwarb SKF mit der Willy Vogel AG einen Weltmarktführer für Schmiersysteme.

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