Wieland+Oertli AG: Gleitschleifprozess reduziert Durchlaufzeit

Redakteur: Matthias Böhm

>> Mit der Integration eines Trowalisierprozesses (Gleitschleifprozess) in der Schlüsselfertigung bei Kaba konnte die Prozesskette komplett geschlossen werden. Dadurch verbesserte sich der Materialfluss und die Durchlaufzeit des gesamten Schlüsselfertigungsprozesses konnte um über 48 h verkürzt werden. Die Schlüsselrohlinge werden aus Blech gestanzt.

Anbieter zum Thema

Sichtprüfung der Schlüssel, die in der Gleitschleifanlage entgratet werden. (Bild: Wieland+Oertli)
Sichtprüfung der Schlüssel, die in der Gleitschleifanlage entgratet werden. (Bild: Wieland+Oertli)

In der Schweiz steht Kaba stellvertretend für Schliesssysteme und Schlüssel. Bei dem Unternehmen wurde kürzlich in eine neue Gleitschleifanlage der Firma Walther Trowal investiert. Für die Installation vor Ort und die Schulung war der Schweizer Generalimporteur Wieland+Oertli zuständig.

Grate werden entfernt – Oberflächen geschliffen

Die Neusilber-Schlüsselrohlinge werden zu Beginn aus einem Rollband (Coil) gestanzt. Anschliessend werden die Rohlinge mechanisch weiter bearbeitet. Darauf folgen die Entgratung sowie der endgültige Oberflächenfinish in der Trowalanlage.

Die Schlüsselrohlinge werden zusammen mit Schleifkörpern (sogenannten Chips) und in der Regel einem Zusatzmittel in wässriger Lösung (Compound) als Schüttgut in einen Behälter gegeben. Durch eine vibrierende Bewegung des Arbeitsbehälters entsteht eine Bewegung zwischen Werkstück und Schleifkörper, die einen Materialabtrag am Werkstück hervorruft. Grate und scharfe Kanten werden mit dem Verfahren hochwirtschaftliche und prozesssicher entfernt. Die Oberflächengüte der Rohlinge wird darüber hinaus optimiert.

Der Prozessablauf

Der Prozess läuft wie folgt ab: Nach dem Einfüllen der Schlüssel in die Trowalisieranlage werden diese während ca. 90 Minuten gleitgeschliffen. Anschliessend werden die Teile über ein Sieb in den Trockner befördert. Dort werden die Teile im Umlaufverfahren getrocknet und automatisch auf eine Förderrinne geführt. Ab diesem Punkt beginnt die eigentliche Rückverfüllung in die sogenannten Rakobehälter. Daher können interne und externe Kunden mit fertig abgezählten Stückzahlen (via Zählwaage) beliefert werden, ohne dass diese, wie es bisher notwendig war, erneut gezählt werden müssen.

Der Aufwand, den die Mitarbeiter zum Betreiben der Anlage haben, ist das Bestücken der Anlage in den startbereiten Bearbeitungsbehälter, das Entnehmen der abgefüllten Rakobehälter von dem Rollenband und das Bestücken mit den gedruckten Klebeetiketten.

Prozess ist sehr stabil

In den ersten Wochen nach Inbetriebnahme mussten verschiedene Aspekte optimiert werden, dementsprechend war es auch wichtig, dass die Qualität der Schlüssel in einem hohen Masse kontrolliert wurde. Das ist nicht ungewöhnlich, da es sich beim Gleitschleifen um einen Fertigungsprozess handelt, der typischerweise auf Material und Werkstückgeometrie genau angepasst werden muss. Nachdem alle Parameter entsprechend kalibriert worden sind, ist eine nachträgliche Prüfung der Schlüsselrohlinge nicht mehr notwendig.

«Was für einen Nutzen kann man aus dem neuen durchgängigen Prozess ziehen?»

Durch die innerbetrieblich geschlossene Prozesskette der Schlüsselfertigung konnte der Materialfluss erheblich verbessert werden. Die Durchlaufzeit des gesamten Schlüsselfertigungsprozesses konnte aufgrund dessen um mindestens 48 h verkürzt werden.

Die angesprochenen 48 h waren der Zeitaufwand, den unser Lieferant benötigte, um die Schlüsselrohlinge zu bearbeiten und wieder zu liefern. Hier ist anzumerken, dass eine Bearbeitung innert 27 h auch möglich gewesen wäre, dies jedoch bereits als Expressauftrag zu verstehen wäre.

Durchlaufzeit reduziert

Ein Kernziel bei der Integration der Gleitschleifanlage war, die Durchlaufzeiten möglichst tief zu halten. Denn die Durchlaufzeit beeinflusst die Höhe der Bestände direkt und indirekt. Sie stellt somit eine der wichtigsten Einflussgrössen auf die Bestände dar und bietet einen wesentlichen Ansatzpunkt für Massnahmen zur Bestandsreduzierung.

Durch das Anpassen der Losgrössen und der verkürzten Durchlaufzeit konnten die Bestände der Schlüsselrohlinge bereits um 10% gesenkt werden. Kaba geht davon aus, dass die Bestände um weitere 10% sinken werden, da noch nicht alle Artikel optimal auf den neuen Prozess eingestellt sind.

Schulung notwendig

Vor und während der Inbetriebnahme der Gleitschleifanlage mussten die Mitarbeiter geschult werden, da das Verfahren ein sehr spezifisches Abtragsverhalten aufweist. Mit diesen ersten erweiterten theoretischen Kenntnissen wurde die Anlage angefahren und es konnten bereits erste Schlüsselrohlinge geschliffen werden. Ein weiterführender Kurs bei den Spezialisten im Werk von Wieland+Oertli in Illnau zum Thema Trowalisieren respektive Gleitschleifen vertiefte die Kenntnisse des Verfahrens. Wie der Gleitschleifprozess bei Kaba integriert wurde, kann direkt vor Ort live im Betrieb besichtigt werden, wie das Unternehmen gegenüber dem SMM angegeben hat. <<

(ID:26924110)