Interview mit Renzo Davatz

«Wir denken in der Verpackung»

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Finden Sie hierfür qualifiziertes Personal?

R. Davatz: Es war für uns schon immer eine Herausforderung, gute Fachkräfte schnell zu finden. Was uns aber immer schon geholfen hat, sind unsere Produkte, mit denen man sich identifizieren kann. Unsere Maschinen erlauben eine sehr hohe emotionale Bindung. Für einen Ingenieur ist ein Spritzgiesssystem hinsichtlich Komplexitätsgrad und technischer Herausforderung ein äusserst spannendes Produkt.

Apropos Fluktuation: Könnten Sie sich vorstellen, ein Unternehmen zu übernehmen, das in einem komplett anderen Bereich angesiedelt ist, wie es heute bei CEOs gang und gäbe geworden ist?

R. Davatz: Mir hilft mein Hintergrund beziehungsweise meine Erfahrung über die Spritzgiessmaschinen, den Markt, die Kunden und unsere Organisation. Gewisse Mechanismen der Geschäftsführung könnte man schon in einer anderen Firma anwenden, doch so gute Produkte und Mitarbeiter wie bei Netstal würde ich nicht so schnell wieder finden …

Wieso setzen viele Firmen auf ausgebildete Manager als Geschäftsführer, die von der Produktgeschichte oder des technologischen Know-hows eines Unternehmens nichts wissen?

R. Davatz: Es gibt drei Faktoren, die alle auf verschiedene Arten und Wegen ausgebildet werden können. Der theoretische Rucksack, die praktische Erfahrung und die Persönlichkeit der Person. In Kombination mit der praktischen Erfahrung ist der durchaus wertvolle Baustein der Theorie sicher hilfreich. Doch wenn ein Manager alle halbe Jahre das Unternehmen wechselt, ist meiner Ansicht nach ein nachhaltiges Arbeiten nicht möglich.

Was sind für Netstal die Vor- und Nachteile des Werkplatzes Schweiz?

R. Davatz: Der hohe Bildungsstand und die Nähe zu Hochschulen sind klare Vorteile. Weitere Pluspunkte sind die politische Stabilität des Landes und der flexible Arbeitsmarkt. Negativ ist momentan der Frankenkurs.

Wird der Werkplatz Schweiz zum Denkplatz Schweiz?

R. Davatz: Dieser Trend ist zu beobachten. Die Schweiz ist jedoch gut bedient, wenn weiterhin ein Werkplatz und eine Wertschöpfung existieren. Ich glaube, dass die Schweiz einen Werkplatz braucht und dass er auch in fünf oder zehn Jahren noch hier bleiben wird. Dank dem Denkplatz wird
es künftig auch den Werkplatz noch geben, gerade hochautomatisierte Produktionen oder Endmontagen machen auch in
einem Hochlohnland Sinn. Man sollte die
beiden nicht gegeneinander ausspielen. -mei- SMM

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