SMM-Interview mit Christoph Leimgruber, Geschäftsführer der Alesa AG «Wir sind überzeugt vom Schweizer Ausbildungssystem»

Von Matthias Böhm 4 min Lesedauer

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Die Alesa AG feiert dieses Jahr ihr 90. Gründungsjahr und hat sich auf Hochleistungswerkzeuge spezialisiert, die sich in vielen Anwendungsfällen als echte Problemlöser positionieren. Knowhow steht in diesem Bereich der Werkzeugentwicklung an oberster Stelle. Christoph Leimgruber, Geschäftsführer der Alesa AG, sagt im Interview, welchen Herausforderungen sich das Unternehmen im Bereich der Personalentwicklung stellen muss.

Christoph Leimgruber, Geschäftsführer, Alesa AG: «Fehlendes Fachwissen kann man sich in allen Tätigkeitsfeldern und allen Stufen noch aneignen, einen passenden Charakter eher weniger.»(Bild:  Karin Furter)
Christoph Leimgruber, Geschäftsführer, Alesa AG: «Fehlendes Fachwissen kann man sich in allen Tätigkeitsfeldern und allen Stufen noch aneignen, einen passenden Charakter eher weniger.»
(Bild: Karin Furter)

SMM: Alesa ist im Bereich der Werkzeugentwicklung wie auch -herstellung eines der führenden Unternehmen in der Schweiz. Wo liegt der personelle Fokus in Ihrem Unternehmen?

Christoph Leimgruber: Die Frage nimmt es schon vorweg. Entwicklung und Produktion sind bei uns schon immer sehr zentral gewesen, auch bei der personellen Planung. Natürlich hat sich das Verhältnis von «direkt produktiven» zu «indirekt produktiven» Arbeitsstellen verschoben und der Anteil Personen im Verkauf und Marketing ist gewachsen und nicht weniger wichtig. Ich freue mich, dieses Jahr unser 90-jähriges Firmenjubiläum eine ganze Woche lang ausschliesslich mit unseren Mitarbeitenden zu feiern und so ihren Stellenwert für die Firma zu unterstreichen.

Werkzeugentwicklung wie auch -herstellung ist ein sehr spezifisches Technologiesegment. Wie kommen Sie hier zu entsprechend ausgebildeten Fachkräften?

Ch. Leimgruber: Wir haben es bisher kaum erlebt, dass sich fertig ausgebildete Fachkräfte im Bereich Werkzeugentwicklung oder -herstellung finden liessen. Neue Mitarbeitende bringen ein gutes Grund- und Fachwissen in ihren Berufen mit und lernen das werkzeugspezifische Zusatzwissen dann bei uns.

Gibt es Hochschulen in der Schweiz oder in Deutschland, die genau auf den Bereich der Werkzeugherstellung ausbilden, wenn ja, gibt es hier eine enge Zusammenarbeit?

Ch. Leimgruber: Es gibt sehr gute und führende Hochschulen und Universitäten in Deutschland (z.B. RWTH Aachen) und der Schweiz (diverse Fachhochschulen, Inspire AG der ETH), die auf dem Gebiet der Produktion und Zerspanung viel Forschung und Arbeit leisten. Spezifisch in der Werkzeugherstellung sind es wenige. Wir arbeiten dennoch gerne und öfters mit diesen Instituten in zum Teil geförderten Projekten zusammen, und da ist die Werkzeugauslegung auch immer ein Thema. Für uns wichtig ist auch das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA.

Welche Rolle spielt die Ausbildung bei Alesa?

Ch. Leimgruber: In der Alesa bilden wir seit vielen Jahrzehnten Lernende in verschiedenen Berufen aus und möchten dies auch noch lange tun. Die Ausbildung unseres Nachwuchses ist eine unverzichtbare und wichtige Investition in die Zukunft unserer Branche und damit auch unserer Firma. Wir sind überzeugt vom Konzept der Lehre und vom Ausbildungssystem in der Schweiz und schätzen dieses sehr.

Wie wird die Qualifizierung von bestehenden Mitarbeitenden bei Alesa weiterentwickelt?

Ch. Leimgruber: Zum einen haben wir firmenintern regelmässig Anlässe mit Erfahrungsaustausch. So können Mitarbeitende von neuen Erkenntnissen anderer profitieren. Zum anderen unterstützen wir Weiterbildungen eigener Mitarbeiter durch externe Angebote wie Schulen, Kurse oder Seminare. Die Firma übernimmt oder beteiligt sich auch an grösseren Weiterbildungen wie einer Höheren Fachausbildung, wenn diese in Zusammenhang mit der Funktion oder der zukünftigen Funktion steht.

Die Technologien in Ihrem Segment wandeln sich kontinuierlich, wie können sich Ihre Mitarbeitenden diesbezüglich weiterbilden?

Ch. Leimgruber: Die Technologiefortschritte in allen Bereichen selber zu suchen, zu erkennen und zu erlernen, ist für uns nicht machbar. Wir sind hier auch auf Informationen von Lieferanten und Dritten angewiesen. Oft werden neue Inputs durch Hersteller an uns herangetragen und wir entscheiden, wie relevant diese neue Technologie für uns ist und ob wir uns damit vertieft auseinandersetzen sollen. Es geschieht immer noch viel Entwicklung in unserer Branche, und das ist wunderbar. Es ist die Kunst (und manchmal auch das Glück), die für uns relevanten Veränderungen und Neuheiten zu entdecken.

Welche Stellen sind in Ihrem Segment am schwierigsten zu besetzen und in welchen Bereichen suchen Sie aktuell konkret Mitarbeitende?

Ch. Leimgruber: Die Herausforderung, die zu uns passenden Mitarbeiter zu finden, haben wir in allen Bereichen und Berufsgruppen. Sei dies in der Produktion, im Verkaufsaussendienst, in der Entwicklung, bei den Finanzen oder in der Administration. Wichtig ist uns, dass jemand das Team gut ergänzt und unterstützt und vielleicht zusätzliche Kompetenzen einbringen kann. Fehlendes Fachwissen kann man sich in allen Tätigkeitsfeldern und allen Stufen noch aneignen, einen passenden Charakter eher weniger. Aktuell sind wir wieder vollzählig, doch aufgrund von Pensionierungen werden in nächster Zeit in der Produktion und der Finanzabteilung Stellen neu zu besetzen sein.

Wie muss sich ein Unternehmen wie Alesa positionieren, um für Fachkräfte ein attraktiver Arbeitgeber zu sein?

Ch. Leimgruber: Wir bieten natürlich auch zeitgemässe Arbeitsbedingungen und verschiedene kleine Goodies wie einen Gratisparkplatz, ein sehr grosszügiges BVG oder Blockzeit-Ende schon um 15 Uhr. Als regionaler, eher kleinerer Arbeitgeber werden wir aber gegenüber grossen Firmen damit nicht auftrumpfen können. Es ist uns deshalb ein Anliegen, Interessenten für einen Schnuppertag zu begeistern und sie damit unser Arbeitsklima erleben zu lassen und durch den Kontakt mit den Mitarbeitenden zu gewinnen.

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