Modulares Gewindewirbel-System von Horn beschleunigt Gewindefertigung Wirbeln im Höllentempo

Redakteur: Matthias Böhm

Horn hat ein neues modulares Wirbelwerkzeug entwickelt. Christoph Schlaginhaufen, Leiter Technik, MGL Dihawag AG, erläutert, welche Vorteile das neue Wirbelsystem bringt und wo seine Stärken liegen.

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Mehr Flexibilität durch modulare Bauweise beim Gewindewirbeln.
Mehr Flexibilität durch modulare Bauweise beim Gewindewirbeln.
(Bild: www.nicosauermann.com)

Mit der Gewindewirbeltechnologie von Horn werden mit sechs- oder neunschneidigen Werkzeugen des Typs M271 ein- und mehrgängige Aussengewinde und Profile effizient und wirtschaftlich gefertigt. Durch sehr kurze Bearbeitungszeiten bietet das Gewindewirbeln auf Langdrehmaschinen signifikante Vorteile gegenüber dem Gewindedrehen.

Das neu entwickelte modulare Werkzeugsystem bietet dem Kunden über Grundträger und Ringkassetten eine Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten, passend für die verschiedenen im Markt vorhandenen Langdrehmaschinen und Antriebseinheiten. Es kann mit dem sehr präzisen System S271 konventionell mit sechs oder neun Wendeschneidplatten pro Ringkassette oder mit dem ebenfalls neu entwickelten Horn-Turbowirbel-Verfahren mit neun Wendeschneidplatten pro Ringkassette (davon drei Vorschneider und sechs Fertigschneider) gearbeitet werden.

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Über den Werkzeugkonfigurator auf der Website von Horn können die passenden Maschinen-Antriebseinheiten sowie Werkzeugkombinationen einfach gefunden werden.

Die richtigen Schnittdaten stellt das System über den neuen HCT-Schnittdatenkalkulator zur Verfügung, der ebenfalls über die Horn-Website abrufbar ist.

Interview mit Christoph Schlaginhaufen

Der SMM hat Christoph Schlaginhaufen (Leiter Technik, Geschäftsleitungsmitglied, Dihawag AG) zu Details des neuen Wirbel-Werkzeugs von Horn befragt.

SMM: Turbowirbeln und modulares Wirbeln sind die neuen Produktbezeichnungen. Was steckt dahinter und welche Vorteile bietet es dem Anwender?

Christoph Schlaginhaufen: Turbowirbeln ist der Name für eine neue Technologie im Gewindewirbeln. Nachdem vor über 10 Jahren die ersten Wirbelwerkzeuge auf Basis der Wendeschneidplatten eingeführt wurden, kam es bisher zu keiner signifikanten Weiterentwicklung. Das Kundenbedürfnis nach wirtschaftlicheren Werkzeugen haben wir, die Dihawag und Horn, aufgenommen und dazu eine komplett neue Wirbeltechnologie entwickelt.

Was bringen die neuen Wirbel-Werkzeuge konkret?

Ch. Schlaginhaufen: Turbowirbeln bedeutet für den Kunden im Detail: höhere Schnittdaten dank Schnittaufteilung. Dies führt zu einer spürbaren Zeiteinsparung. Durch optimale Schnittbedingungen erhält man höhere Standzeiten sowie bessere Oberflächen und Gratfreiheit. Unterstützt wird der Anwender durch den Online-Schnittdatenrechner, welcher die Programmierung vereinfacht. Die Stillstandzeit reduziert sich durch ein hochpräzises, modulares und einfach zu bedienendes System.

Wann ist Wirbeln die richtige Lösung?

Ch. Schlaginhaufen: Wirbeln ist grundsätzlich dann einzusetzen, wenn ein Werkstück in einer Bearbeitung ab Stange komplett bearbeitet werden muss. Das sind in der Regel Schrauben für die Medizintechnik, es können aber auch Antriebswellen oder Achsen mit speziellen Profilen, z. B. Schmiernuten, sein. Immer wichtiger wird das Wirbeln bzw. auch Glockenfräsen als prozesssichere Alternative zum Drehen bei langspanenden Werkstoffen.

Werkzeug, Wirbelgerät oder Maschine – wo hat das Wirbeln seine technischen Grenzen?

Ch. Schlaginhaufen: Das ist durchaus ein wichtiger Aspekt, denn bis dato waren es die Werkzeuge, welche die Limits gesetzt hatten. Mit dem Horn-Turbowirbeln können wir weit höhere Schnittdaten und Vorschübe fahren. Und hier sehen wir nun, dass immer öfter Maschinensteuerungen oder Wirbelapparate an ihre Grenzen geraten. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit den neuen Hartmetall- und Beschichtungstechnologien noch weiteres Potenzial für Verbesserungen haben. Es muss aber immer im Einzelfall geprüft werden, ob es auch wirtschaftlich bleibt, da immer öfter die Gegenoperationen länger dauern und die reine Wirbelzeit keinen Einfluss auf die Gesamtbearbeitungszeit hat. Um wirklich die technisch machbare Grenze zu erreichen, muss es eine engere Kooperation aller Beteiligten von der Maschine über den Wirbelapparat bis zum Werkzeug geben. Ideen, Konzepte und fundierte Erfahrungswerte dazu liegen aber bereits vor.

Welche Werkstoffe werden beim Wirbeln zerspant?

Ch. Schlaginhaufen: Grundsätzlich gibt es hier keine Grenzen. Für das Turbowirbeln wurde ein komplett neues Plattensystem entwickelt und wir passen die Werkzeuge einzeln auf die Bearbeitung und den zu zerspanenden Werkstoff an. Ich bin gespannt, welche Herausforderungen uns hierzu noch erwarten.

Was erwarten Sie von den beiden Produkterweiterungen?

Ch. Schlaginhaufen: Wir wollen mit dem Turbowirbeln die Technologieführerschaft übernehmen und neue Massstäbe setzen. Die Faktoren Vertrauen und Wirtschaftlichkeit sind gerade in der Medizintechnik sehr zentrale Aspekte, und daher bieten wir unseren Kunden an, die Werkzeuge unter gemeinsam definierten Zielen zu testen und den Kunden so zu überzeugen. -böh- SMM

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