Neue Anlagengeneration Wirtschaftliche Serienfertigung von Dreh- / Frästeilen

Redakteur: Anne Richter

Auch bei Massenteilen sind die Anforderungen an Qualität und Komplexität der realisierbaren Geometrien in den letzten Jahren ständig gestiegen, während gleichzeitig die Kostenvorgaben ebenso beständig abgesenkt wurden. Die Hersteller der entsprechenden Anlagen müssen daher Systeme entwi- ckeln, welche diesen gegenläufigen Anforderungen des Marktes möglichst optimal genügen können. Im Vordergrund stehen dabei Flexibilität, Produkt- qualität sowie ein Höchstmass an Wirtschaftlichkeit.

Firmen zum Thema

Besonderheit der Escomatic-Anlagen ist die Bearbeitung des stillstehenden Drahts durch einen schnell rotierenden Werkzeugkopf mit vier unabhängig verstellbaren Werkzeugen. Hier im Bild sind zwei Plätze unbestückt.
Besonderheit der Escomatic-Anlagen ist die Bearbeitung des stillstehenden Drahts durch einen schnell rotierenden Werkzeugkopf mit vier unabhängig verstellbaren Werkzeugen. Hier im Bild sind zwei Plätze unbestückt.
(Bild: Klaus Vollrath)

«Bei der Entwicklung unserer neuen Escomatic NM6 Flexi haben wir uns vor allem auf die Aspekte Vielseitigkeit, Produktivität und einfache Bedienbarkeit konzentriert», erläutert Jean-Marc Schouller, General Manager der Firma Esco in Les Geneveys-sur-Coffrane (Schweiz). Das neue System ist Nachfolger des bisherigen Modells Escomatic NM 64X. Das Design wurde jedoch grundlegend überarbeitet, um noch mehr Flexibilität für die unterschiedlichsten Bearbeitungsaufgaben zur Verfügung stellen zu können. Gleichzeitig konnte damit auch die Durchsatzgeschwindigkeit merklich gesteigert werden. Einen grundlegenden Vorteil hat die neue Anlage dabei schon allein dadurch, dass sie ebenso wie ihr Vorgängermodell eine konstruktive Besonderheit aufweist, welche sie von allen Wettbewerbssystemen grundlegend unterscheidet: einen um das Werkstück rotierenden Arbeitskopf.

Der Dreh mit den rotierenden Werkzeugen

«Schon unsere ersten Anlagen aus den 50er Jahren hatten diese Besonderheit: Das Werkstück steht still, während die Drehwerkzeuge auf einem rotierenden Arbeitskopf sitzen», erinnert sich J.-M. Schouller. Auch die neue Flexi ist nach diesem Prinzip aufgebaut: Das zu bearbeitende Material wird über einen Tunnel mit enger Passung durch die Mitte des Arbeitskopfs zugeführt, während dieser mit insgesamt vier Werkzeughaltern mit bis zu 12 000 UPM rotiert. Der entscheidende Vorteil ist hierbei, dass jeder Werkzeughalter durch eine ausgeklügelte Mechanik im Inneren des Arbeitskopfs einzeln angesteuert werden kann. Da die Schneiden auch in Ruheposition nur wenige Zehntelmillimeter vom Werkstück entfernt sind, sind die Span-zu-Span-Nebenzeiten beim Werkzeugwechsel nahezu null. Diese von keinem anderen Anlagentyp erreichbaren schnellen Werkzeugwechsel sind eine wesentliche Voraussetzung für die überlegene Produktivität der Escomatic-Anlagen. Als Drehwerkzeuge können sowohl handelsübliche Schneidplatten als auch speziell optimierte Esco-Ausführungen eingesetzt werden.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 10 Bildern

Vorteil von Draht statt Stäben

«Unser Funktionsprinzip ermöglicht uns zudem den Einsatz sowohl von Draht- als auch von Stabmaterial», verrät J.-M. Schouller. Das sei Voraussetzung für einen weiteren entscheidenden wirtschaftlichen Pluspunkt, der auf der Kombination von gleich mehreren Vorteilen beruhe. Während es beim Einsatz von Stäben unvermeidlicherweise zu Materialverlusten durch Verschnitt am Stabende komme – und sei es nur, weil das letzte Stück noch im Drehfutter gehalten werden muss –, spiele dies bei den viel längeren Drahtwickeln eine entsprechend geringere Rolle. Auch gebe es für Stabmaterial geringen Durchmessers kaum Magazineinheiten, welche einen wirklich grossen Materialvorrat aufnehmen könnten, der z. B. für eine kontinuierlich durchlaufende mannlose Produktion am Wochenende ausreichen würde. Die daraus resultierenden Stillstände wirken sich wiederum nachteilig auf die Gesamtverfügbarkeit der Anlage aus. Ebensowenig dürfe man den Personalaufwand für das Beladen solcher Magazineinheiten unterschätzen. Letztlich tragen alle diese Faktoren unter dem Strich zu einem merklichen Plus an Wirtschaftlichkeit bei.

Hauptzeitparallele 2-Stationen-Bearbeitung

«Eine der entscheidenden Neuerungen unserer Flexi ist der unabhängige zweite Schlitten für die Rückseitenbearbeitung», weiss J.-M. Schouller. Damit verfügt die Anlage über zwei unabhängig voneinander einsetzbare Bearbeitungseinheiten, einmal für die Vorderseite (Dispositif Usinage Frontal, DUF) und einmal für die Rückseite (Dispositif Usinage Arriere et Lateral, DUAL) der Werkstücke. Beide Einheiten laufen unabhängig voneinander CNC-gesteuert auf der gleichen Querachse vor der Dreheinheit. Die DUF-Einheit verfügt über zwei CNC-Achsen und insgesamt drei Werkzeugspindeln, die in Richtung der Drehachse orientiert sind, sowie optional über eine weitere Spindel, die quer dazu angeordnet ist und somit z. B. seitliche Fräs- oder Bohrbearbeitungen übernehmen kann.

(ID:43862378)