N-Arpex von Siemens trotzt auch –50 °C

Zuverlässig auch unter extremen Bedingungen

| Redakteur: Silvano Böni

In Sibirien müssen Bauteile auch widrigsten Bedingungen trotzen. Kein Problem für die Flender-­N-Arpex-­Kupplung. Diese hält auch in der Standardausführung Temperaturen von –50 bis 280 °C stand.
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In Sibirien müssen Bauteile auch widrigsten Bedingungen trotzen. Kein Problem für die Flender-­N-Arpex-­Kupplung. Diese hält auch in der Standardausführung Temperaturen von –50 bis 280 °C stand. (Bild: Siemens)

Ein Ventilator für eine Raffinerie in Sibirien muss besonderen Anforderungen genügen. Wegen den extremen klimatischen Voraussetzungen müssen alle Bauteile auch bei –50 °C zuverlässig funktionieren. Die Meidinger AG, die einen Ventilator für die Gazprom Neft baute, fand mit der Flender N-Arpex die Lösung für die Kupplung im Sortiment von Siemens.

In der Produktionshalle der Meidinger AG im aargauischen Kaiseraugst stehen Industrie­ventilatoren aller Art, in verschiedenen Grössen, Formen und Farben. Von aussen sind sie ziemlich unscheinbar: Man sieht einen Antriebs­motor und einen Riemen oder eine Kupplung, welche die Kraft des Motors auf das Laufrad übertragen. Dieses ist meist in einem Gehäuse versteckt und nicht zu sehen. Ganz am Ende der Halle sieht der Besucher viele kleine, gelbe Ventilatoren, die in der Produktion von Biogas benötigt werden und ein wichtiges Geschäft der Meidinger AG sind. Gleich gegenüber steht ein grosser Radialventilator, dessen Laufrad einen Durchmesser von 132 cm aufweist. Walter Eitner, Verkaufsingenieur bei Meidinger, erklärt: «Bald wird dieser im Förderprozess einer Raffinerie in Omsk eingesetzt werden, wo er Chloride regenerieren und reinigen wird.»

Klimatische Extreme meistern

Eigentlich wäre es kein aussergewöhnlicher Ventilator, den die Meidinger für das russische Mineralölunternehmen Gazprom Neft gebaut hat. Wären da nicht die klimatischen Bedingungen im sibirischen Omsk, sagt Eitner: «Weil die Temperaturen dort zum Teil sehr tief fallen, müssen alle Bauteile des Ventilators auch bei –50 °C funktionieren. Diese extremen Bedingungen haben uns herausgefordert.» Normalerweise sind Ventilatoren für den russischen Markt auf einen Temperaturbereich von –45 bis 45 °C ausgelegt. Doch der neue Ventilator wird im Freien stehen, wo die Temperaturen an wenigen Tagen im Jahr noch tiefer sinken können.

Alles am Ventilator musste an das extreme Klima angepasst werden. Er wurde mit einer speziellen Farbe beschichtet, die auch bei –50 °C nicht reisst. Der nach ATEX-Richtlinien zertifizierte Schaltschrank wird beheizt, damit Messgeräte und Elektronik nicht einfrieren. Und auch für die Kupplung, welche die Kraft des Motors auf das Laufrad überträgt, musste Meidinger eine spezielle Lösung finden. Der Temperaturbereich der meisten Kupplungen auf dem Markt geht bis etwa –40 °C. Im Sortiment von Siemens wurden Eitner und sein Team fündig: Die neue Flender-N-Arpex-Kupplung hält auch in der Standardausführung Temperaturen von –50 °C bis 280 °C stand.

Modifikation des Materials

An der Industriemesse in Hannover stellte Siemens die neu entwickelte Flender-N-Arpex-Kupplung der Öffentlichkeit vor. Zur gleichen Zeit trat Meidinger mit der Anfrage über eine drehstarre Kupplung für den Tieftemperaturbereich bis –50 °C an Siemens heran. Eitner ist froh um diese Lösung: «Ich habe Respekt vor diesen tiefen Temperaturen. Mit der N-Arpex haben wir aber eine Kupplung gefunden, die dafür konstruiert wurde. Zudem können wir uns auf die gewohnte Qualität von Siemens verlassen.»

Den grösseren Temperaturbereich der N-Arpex hat Siemens mit einer Modifikation des Designs erreicht, welches zahlreichen Tests auch unter Tieftemperatur standhalten musste. Durch das optimierte Design des Lamellenpaketes konnte zudem der zulässige Winkelversatz der beiden Wellen von Motor und Laufrad um 40 Prozent von 0,7 auf 1,0 Grad vergrössert werden. Dank dem neuen Design konnte sie sogar eine Baugrösse kleiner gewählt werden. Die geschätzte Wartungsfreiheit der Ganzstahllamellenkupplung Arpex ist natürlich auch bei den neuen N-Arpex weiterhin gegeben.

Ergänzendes zum Thema
 
N-Arpex-Kupplung

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Riesiger Markt

Für die Verantwortlichen bei Meidinger sprach noch mehr für die N-Arpex: Die Kupplung ist gemäss der europäischen ATEX-Richtlinien für Explosionsschutz zertifiziert und entspricht den Vorgaben 610 und 671 des American Petroleum Institute (API). «Das erleichtert uns die Arbeit, gerade im russischen Markt», erklärt Eitner. «Der Handel mit Russland ist nicht einfach. Wegen der Sanktionen müssen wir für jedes Bauteil eine Bewilligung einholen. Zertifizierte Komponenten machen dies einfacher.» Eitner ist seit fünf Jahren bei Meidinger und arbeitet seither daran, den riesigen russischen Markt für das Unternehmen zu erschliessen. Unterdessen hat Russland das Pariser Klimaübereinkommen unterzeichnet und muss nun die darin definierten Ziele erreichen. Um die dafür nötigen Massnahmen umzusetzen, hat die russische Regierung 20 Milliarden US-Dollar gesprochen, die unter anderem für die Erneuerung der Erdöl- und Erdgasraffinerien eingesetzt werden. Mit dem Bau von hoch spezialisierten Ventilatoren möchte sich auch Meidinger an diesem Prozess beteiligen.

«Wir haben bei null angefangen und mittlerweile wichtige lokale Partner gefunden, die an den Messen für Gas, Umwelttechnik und Chemie vertreten sind und uns Aufträge vermitteln», erzählt Eitner. Ohne diese lokalen Partner geht es nicht: Um auf dem Markt zu bestehen, muss Meidinger mit möglichst wenigen Zwischenhändlern arbeiten. Denn die russische Währung, der Rubel, hat an Wert verloren. «Dank der Vermittlung unseres Partners konnten wir den neuen Ventilator gemeinsam mit dem Endkunden spezifizieren.»

Auch wenn diese Spezifikationen mit den extrem tiefen Temperaturen eine Herausforderung waren, ist Eitner klar, dass Meidinger den Auftrag dank dieser hohen Anforderungen erhalten hat: «Standardprodukte werden in Russland selber gebaut. Wir bauen nur, was sehr speziell ist.» Nach ausführlichen Abschlusstests ist der Radialventilator nun bereit für den Einsatz in den rauen klimatischen Verhältnissen Sibiriens. SMM

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