Spectros: Günstiges Geschäftsumfeld Zuversichtlich nach vorn blicken

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Im Gespräch mit SMM erläutert Edgar Sporer seine Strategien, trotz gestörter Lieferketten lieferfähig zu bleiben, Aufträge zu gewinnen, trotz rasch steigender Kosten wettbewerbsfähig zu produzieren und für das alles auch in den kommenden Jahren noch gut ausgebildetes Fachpersonal zu gewinnen.

Edgar Sporer
Edgar Sporer
(Bild: Konrad Mücke/SMM )

SMM: Spectros produziert hochwertige optische Systeme und Instrumente sowie die benötigte Optik und Feinmechanik. Wie beeinflusst die aktuelle Situation Ihre unternehmerischen Tätigkeiten?

Edgar Sporer: Wir spüren die gestörten und teilweise unterbrochenen Lieferketten. Uns betreffen vor allem der Mangel und die schwierige Beschaffung von Rohglas sowie die eingeschränkte Verfügbarkeit von Ersatzteilen für unsere Betriebsmittel. Besonders beschäftigen uns lange Lieferzeiten, unsichere Liefertermine und ganz speziell die beinahe täglich steigenden Kosten. Wir sind im Zweifel, ob wir die steigenden Kosten an unsere Auftraggeber uneingeschränkt weitergeben können. Täglich müssen wir erneut entscheiden, wie wir handeln. Teilweise können wir höhere Kosten selbst abfedern, zu einem Teil müssen wir sie aber an unsere Kunden weitergeben. Unser Vorteil ist, dass der Wertanteil an Rohstoffen, Werkstoffen und externen Dienstleistungen bei unseren Produkten relativ niedrig, die interne Wertschöpfung demnach hoch ist. Somit beeinflussen die direkten Materialkosten nur teilweise unsere Verkaufspreise. Mittelfristig sehe ich aber eine anhaltende Inflation und einhergehend steigende Lohnkosten. Daran müssen wir künftig die Preise für unsere Produkte orientieren.

Um welche Grössenordnungen geht es bei den derzeit steigenden Kosten im Einkauf?

E. Sporer: Das beginnt bei 20 Prozent, geht aber auch bis zum Doppelten der bisherigen Kosten für Rohmaterial.

Wie können Sie handeln? Wie reagieren Ihre Auftraggeber auf steigende Kosten?

E. Sporer: Intern in der Unternehmensgruppe Haag-Streit, für die wir Zulieferer sind, sprechen wir intensiv über steigende Kosten und treffen entsprechende Vereinbarungen. Unsere externen Kunden sind selbstverständlich nicht erfreut über höhere Preise, verstehen aber die Situation, auch aus anderweitigen Erfahrungen heraus. Es geht um eine Gratwanderung, denn jeder möchte den optimalen, günstigsten Preis verhandeln.

Was tun Sie intern, um höheren Kosten zu begegnen?

E. Sporer: Wir versuchen natürlich, die Kosten zumindest teilweise aufzufangen. Das gelingt durch Prozessoptimierungen, durch weitergehende Automation und durch Nutzung von Synergien innerhalb der Gruppe Haag-Streit.

Was bedeutet das für Personal und Maschinen?

E. Sporer: Wir investieren vor allem in effizientere Maschinen und Automation. Auf unser gut geschultes Fachpersonal können wir nicht verzichten und werden deshalb auch kein Personal abbauen. Im Gegenteil werben wir derzeit aufgrund der guten Auftragslage noch um zusätzliches Personal. Wir haben bis anhin 52 Beschäftigte und werden allein in diesem Jahr noch etwa 20 Fachkräfte einstellen. Das ist zusätzlich beeinflusst durch strategische interne Produktionsverlagerungen innerhalb der Unternehmensgruppe Haag-Streit. Wir bekommen am Standort Ettingen ergänzende Montagetätigkeiten. Wir werden komplette medizinische Geräte bauen und auf ihre Qualität prüfen.

Sie sprechen an, dass sich die Auftragslage verbessert hat. Welche Gründe gibt es aus Ihrer Sicht dafür?

E. Sporer: Die gestörten und teilweise unterbrochenen Lieferketten veranlassen bei vielen Unternehmen ein Umdenken. Man will nicht mehr primär international beschaffen und zum günstigsten Preis einkaufen, sondern sucht eher zuverlässige Lieferanten im regionalen Bereich. Das erweist sich natürlich als besonders günstig für uns. Zusätzlich entlastet diese Entwicklung uns auch etwas vom Kostendruck. In Verhandlungen steht nicht mehr der wirtschaftlich günstigste Lieferant, sondern der kompetente Lieferant im Vordergrund, der Liefertermine zuverlässig einhalten kann. Auch wir orientieren uns an diesem Leitmotiv bei der Suche nach Lieferanten.

Was ändern Sie intern, um Liefertermine halten zu können?

E. Sporer: Um stets über ausreichend Material und Rohstoffe zu verfügen, vertrauen wir nicht mehr komplett auf die Lieferungen just in time. Wir bevorraten wieder ausgesuchte Rohstoffe und Vorprodukte – wie vor vielen Jahren – in unserem Lager, um einen ausreichenden Puffer für einige Tage oder eventuell sogar wenige Wochen zu haben. Das ist natürlich ein betriebswirtschaftliches Umdenken und muss vernünftig gestaltet werden. Wir sehen aber auch in der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, dass diese inzwischen ähnlich handeln. Zurzeit ist erstes Kriterium, lieferfähig zu sein und zuverlässig zur vereinbarten Zeit zu liefern. Dann kann man zusätzliche Aufträge gewinnen. Diese Entwicklungen werden sich aus unserer Sicht günstig auf viele weitere Aspekte und Forderungen auswirken – zum Beispiel auf den Umweltschutz durch kürzere Transportwege.

Zurzeit profitieren Sie also vom geschäftlichen Umfeld. Nun ist allgemein bekannt, dass Fachkräfte derzeit rar sind. Wie werben Sie um gut ausgebildetes Personal?

E. Sporer: Bisher haben wir Glück. Geeignetes Personal für uns zu begeistern, erweist sich als sehr erfolgreich. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass wir mit qualifizierten Partnern, Personalagenturen, zusammenarbeiten und ein attraktives Umfeld bieten.

Wie steht es um die Ausbildung von Nachwuchskräften?

E. Sporer: Wir investieren in Ausbildung. Allerdings befinden wir uns in einer eher schwierigen Situation. Das Berufsfeld Feinwerkoptiker ist eine Nische, also weitgehend unbekannt. Wir können deshalb unsere Lehrstellen mitunter nicht besetzen, da es keinerlei Nachfrage und keine Kandidaten gibt. Wir intensivieren aber unsere Anstrengungen, Nachwuchs für den Beruf Feinwerkoptiker zu begeistern und so für unsere Ausbildungsplätze geeignete junge Leute zu finden. In den nächsten zehn Jahren wird bei uns eine grosse Anzahl an Mitarbeitern in den Ruhestand wechseln. Dieser Pensionierungswelle müssen wir mit erheblichen Bemühungen um Nachwuchs etwas entgegensetzen. Eine zweite Schwierigkeit ist in unserem Berufsfeld oft, dass Nachwuchskräfte nach dem Abschluss ihrer exzellenten Ausbildung in ein Studium wechseln und nach Höherem streben. Sie fallen also für uns als dringend benötigte Fachkräfte wieder weg.

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Welche konkreten Anstrengungen gibt es, den Nachwuchs für die klassischen MINT-Berufe zu begeistern?

E. Sporer: In enger Zusammenarbeit mit den berufsberatenden Stellen und mit Schulen versuchen wir, junge Leute für praktische Tätigkeiten in technischen Berufen zu gewinnen. Beispielsweise werden wir vermehrt Besuchs- und Informationstage für Schulklassen veranstalten.

Wie werden Sie mittel- und langfristig Ihr Unternehmen strategisch ausrichten? Wo sehen Sie Wachstumsmärkte?

E. Sporer: Am Standort Ettingen werden wir Montagetätigkeiten weiter ausbauen, unser Unternehmen also zunehmend auf die Komplettfertigung von Baugruppen und sogar vollständigen Geräten ausrichten. Begonnen haben wir und gewachsen sind wir ja zunächst als Komponenten­hersteller. Montagetätigkeiten haben wir schrittweise aufgebaut. Im gesamten Umfeld unserer Auftraggeber – Laser, Messtechnik, Sensorik, Medizintechnik, Bildbearbeitung und Defense – sehen wir vor allem in der Medizintechnik starkes Wachstum. Das ist auch verbunden mit unserer Zugehörigkeit zur Unternehmensgruppe Haag-Streit. Sie ist darauf ausgerichtet, immer komplexere Geräte und optische Instrumente für die Medizintechnik zu entwickeln und herzustellen.

Ihre Schwesterunternehmen und viele Ihrer Auftraggeber befinden sich überwiegend in der EU. Nun bestehen einige Unsicherheiten hinsichtlich des Handelsrechts und anderer rechtlicher Vereinbarungen im Verhältnis der Schweiz zur EU. Wie gehen Sie damit um?

E. Sporer: Bisher gelten nach wie vor die bewährten Vereinbarungen, zum Beispiel in Bezug auf die Personen-Freizügigkeit und den Austausch von Waren und Dienstleistungen. Das zuletzt gescheiterte Rahmenabkommen wirkt sich bisher noch nicht auf unsere Geschäftstätigkeit aus. Wir sorgen uns aber über die zukünftige Entwicklung. Wir hoffen auf vernünftige Vereinbarungen beispielsweise in einem Rahmenabkommen. Ich meine, dass beide Seiten politisch sicher den richtigen und für die Zukunft Erfolg versprechenden Weg finden wollen. Für die nächsten Jahre bin ich zuversichtlich, dass wir von den jetzt geschaffenen und noch zu verwirklichenden politischen und betriebswirtschaftlichen Weichenstellungen umfassend profitieren werden.

Herr Sporer, vielen Dank für diese Informationen. SMM

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