5-Achs-Simultan-Bearbeitung – erstaunlich günstig

Redakteur: Thomas Koch

>> Der Zusammenschluss von Mori Seiki und DMG hat auch auf den Schweizer Markt Auswirkungen. Die Josef Binkert AG wird auch in Zukunft die japanischen Maschinen neben DMG Mori Seiki Schweiz AG vertreten. Im Interview sagen Paulette Binkert und Daniel Stier, wie sie die weiteren Entwicklungen – auch technologischer Art – sehen.

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«Die Prodex ist ein guter Indikator und wird uns aufzeigen, wie die Stimmungslage ist.» Paulette Binkert, Geschäftsleiterin, Josef Binkert AG
«Die Prodex ist ein guter Indikator und wird uns aufzeigen, wie die Stimmungslage ist.» Paulette Binkert, Geschäftsleiterin, Josef Binkert AG
(Bild: Josef Binkert AG)

SMM: Die Zusammenlegung von DMG und Mori Seiki wurde jetzt auch in der Schweiz realisiert. Welche Rolle spielen die Mori-Seiki-Maschinen heute und in Zukunft bei der Josef Binkert AG?

Paulette Binkert, Daniel Stier: Mori Seiki ist nach wie vor ein wichtiger Partner für uns. Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit DMG Mori Seiki Schweiz AG und stehen wie gewohnt jederzeit für unsere Kunden zur Verfügung. An der Prodex stellen beide Firmen Mori-Seiki-Maschinen aus. Wir, die Josef Binkert AG, präsentieren die folgenden vier Anlagen:

– Mori Seiki NMV3000 DCG – komplett ausgerüstetes 5-Achs-Produktionszentrum mit Palettenbahnhof.

– Mori Seiki NTX1000 SZM – Multiachsen-Dreh-/Fräszentrum mit integrierter Automatisierung.

– Mori Seiki NLX2500SY/700 – Universaldrehmaschine mit Subspindel, Y-Achse und Direktantrieb im Revolver.

– Mori Seiki NVX5080 II – Vertikal-Bearbeitungszentrum mit Rundtisch Typ Mori Seiki DDRT200 mit Direktantrieb.

Können Sie einige Highlights nennen, die Sie ausstellen, und wo liegen konkret deren Besonderheiten?

P. Binkert, D. Stier: Wir haben diverse Highlights auf unserem Stand. Im Bereich des Langdrehens: Die Tsugami HS207 ist eine Präzisions-Langdrehmaschine mit B-Achse und einer grossen Anzahl von stehenden und rotierenden Werkzeugen, es stehen 37 Plätze zur Verfügung. Dadurch wird im Langdrehbereich 5-Achsen-Simultan-Bearbeitung möglich, und dies zu einem erstaunlich günstigen Preis. Die HS207 erweitert die bereits sehr breite Palette und bietet der Uhrenindustrie, Medizintechnik, Präzisionsmechanik, etc. neue Möglichkeiten, komplexe Bauteile auf einer Maschine fertig zu stellen. Tsugami ist u. a. in der Uhrenindustrie bereits bestens eingeführt und wir erwarten eine Erweiterung des Anwendungsbereiches, da Wirbeln und/oder Abwälzfräsen rel. einfach integriert werden kann und in der Schweiz vor allem komplexe Bauteile gefertigt werden.

Flachschleifen: Okamoto hat eine komplett neue Steuerung entwickelt, die sogenannte iQ-Touchscreen-Steuerung. Die Maschine wird zu 100 % über Piktogramme gesteuert, die Werkstück- und Schleifscheibenformen sind bildlich auf dem Touchscreen hinterlegt. Bis anhin war das Schleifergebnis in erster Linie von der Erfahrung des Bedieners abhängig. Die iQ-Steuerung erlaubt nun auch wenig geübten Bedienungsleuten, rasch und unkompliziert sehr gute Ergebnisse zu erzielen. An der Prodex zeigen wir die ACC64CA-iQ mit einem Schleifbereich von 600 x 400 mm. Dank der Doppel-V-Führungen und der sehr massiven Konstruktion und Kühlung ist die Maschine extrem präzis und thermisch stabil.

5-Achsen-Fräsen: Die Mori Seiki NMV3000 DCG mit 114 Stationen Palettenbahnhof und 320 Werkzeugen setzt einen neuen Standard in der Komplettbearbeitung von Frästeilen und unbemannten Fertigung. Das DCG-System (Driven at the Center of Gravity) kombiniert mit innengekühlten Kugelumlaufspindeln und einer sehr steifen Bauweise ermöglicht hohe Dynamik, Präzision und thermische Stabilität. Diese Anlage setzt einen neuen Massstab in der unbemannten Fertigung und ist für Lohnbetriebe das optimale Werkzeug, um auch international konkurrenzfähig zu bleiben.

Dreh-/Fräszentrum: Mit der Mori Seiki NTX1000 SZM haben wir nun die ideale Maschine zur Herstellung von kleinen, komplexen Bauteilen in einer Aufspannung. Uhrengehäuse, Implantate, komplexe Maschinenbauteile, Stanzwerkzeuge für die Uhrenindustrie etc. können auf dieser Maschine ideal gefertigt werden. An der Prodex zeigen wir Ihnen eine Maschine mit 76 Werkzeugen, Haupt- und Gegenspindel, Dreh-/Frässpindel und unterem Revolver mit 10 Stationen, alle angetrieben. Dank der schwenkbaren Gegenspindel können z. B. ab Stange gefertigte Bauteile einfach aus der Maschine entnommen werden. Die Automatisierung ist in die Maschine integriert und nimmt keinen zusätzlichen Platz ein. Die Maschine ist sehr genau und entspricht den hohen Anforderungen der Uhrenindustrie in idealer Weise.

Gibt es aus Ihrer Sicht im Fertigungssektor Optimierungspotenzial, wenn ja, in welchen Bereichen und wo sehen Sie das grösste Potenzial?

P. Binkert, D. Stier: Wir sehen Potenzial, die Fertigung weiter zu optimieren, indem Operationen auf einer Maschine zusammengefasst werden und die Anlage wenn möglich und sinnvoll auf intelligente Art automatisiert wird. Die sinkenden Stückzahlen zwingen zur Flexibilität. Die Rüstzeiten müssen so kurz als nur irgendwie möglich sein, die Anlage sollte möglichst unbemannt laufen und sehr einfach umrüstbar sein. Es gilt, die Fertigungsprozesse laufend zu optimieren und optimal zugeschnittene Produktionsmittel einzusetzen. Der Lohnfertiger braucht möglichst flexible Anlagen und rechnet generell mit einer längeren Nutzungsdauer. Der Hersteller passt die Maschine so exakt als möglich an seine Produkte an. Die Nutzungsdauer der Maschine wird auf das herzustellende Produkt abgestimmt und so kurzfristig als möglich abgeschrieben. Produktlebenszyklen von 20 Jahren, wie das früher noch der Fall war, wird es kaum mehr geben.

Welche besonderen technologischen Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren im Fertigungsbereich, die für die Schweizer Fertigungsunternehmen von höherem Interesse sind?

P. Binkert, D. Stier: Entwicklungen sehen wir in der Herstellung von kleinen und Kleinstbauteilen der sogen. Nanotechnik. Hier ist auch in der Schweiz grosses Potenzial vorhanden, da z. B. die Medizintechnik bei uns im Forschungs- und Fertigungsbereich gut etabliert ist. Die Zerspanung kann hier andere Fertigungsprozesse ersetzen. Dies gilt auch für Elektronikbauteile und für die Zerspanung von exotischen Materialien.

Wie schätzen Sie die Stimmungslage ihrer Kunden ein, wenn es um Investitionen in Werkzeugmaschinen geht?

P. Binkert, D. Stier: Die Prodex ist ein guter Indikator und wird uns aufzeigen, wie die Stimmungslage ist. Aktuell ist v. a. die Uhrenindustrie aktiv, der Maschinenbau leidet deutlich stärker unter dem schwachen Euro. Während einige unserer Kunden Kurzarbeit eingeführt haben, laufen andere unter Volllast. Der Ausblick ist sehr kurzfristig, die Maschinen sollen möglichst ab Lager lieferbar sein. Generell beurteilen wir die Stimmung als abwartend bis – je nach Branche – verhalten optimistisch. <<

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