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Verantwortung muss gelebt werden
Geschäftsführer Stefan Hernandez ergänzt: «Wie Bernhard Meier das formuliert hat, stellt die Situation ausgezeichnet dar. Eine solche Verantwortung muss gelebt werden. Und das ist es, was den Werkplatz Schweiz und in diesem Fall unsere Mitarbeitenden auszeichnet. Sie leben diese Verantwortung gemeinsam mit dem Management-Team. Aber es gibt noch weitere Aspekte. Dass wir hier in der Schweiz wirtschaftlich agieren können, liegt auch daran, dass der Werkplatz Schweiz über einige Stärken verfügt: hohe Flexibilität, unternehmensfreundliche Gesetze, Vierschicht-Modell. Wir können 24 Stunden, Samstag und Sonntag arbeiten. In der Schweiz müssen wir keine Gewerkschaft einberufen. Es findet ein persönliches Gespräch zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten für eine Lösungsfindung statt.»
Partnerschaft zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Diese Aussage hört sich aus Schweizer Sicht völlig alltäglich an, ist sie aber nicht, wie Stefan Hernandez ausführt: «Wir haben in der Schweiz eine andere Kultur als in vielen anderen Ländern zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, es ist eine Art Partnerschaft. Wir geben unseren Mitarbeitenden grosse Freiheiten und Handlungsspielräume. Sie nutzen diese und unterstützen so unser Unternehmen. Aber, und das muss man auch betonen: Damit kann nicht jeder umgehen, dafür müssen wir die richtigen Mitarbeitenden haben, die zu uns passen.»
Mitarbeiter ziehen voll mit
Bernhard Meier: «Zum Glück ziehen unsere Mitarbeitenden mit uns am gleichen Strang, denn dank solcher Optionen sind wir in der Lage, hoch produktiv zu agieren und letztlich den Standort Schweiz zu bewahren.»
Homogen abgetragene Chromschicht
Zurück in die Rundteileverchromung: Allein ein Blick in die tiefen und über 3 Meter Durchmesser (Bild 2) gebauten Chrombäder für Zylinder, Wellen und Walzen zeigt, welches Know-how hier in St. Gallen vorhanden ist. Bezüglich der technologischen Prozesse muss auf unterschiedlichste Aspekte geachtet werden, dass die Chromschicht homogen abgetragen wird.
Bernhard Meier: «Der Weg, perfekt zu verchromen, ist nicht ganz einfach. Wenn wir ein komplexes Werkstück bekommen, lesen wir die technischen Parameter in unsere Systeme ein und unsere Spezialisten simulieren vorrangig den Chromschicht-Aufbau des Werkstücks. Das Simulationsverfahren ist ein wichtiger Schritt, um einen qualitativ hervorragenden Schichtaufbau in der Praxis zu generieren.»
Gefahr von chemischen Einschlüssen
Wird das Chrombad nicht fachgerecht vorbereitet und die Verchromung richtig durchgeführt, kann es zu unerwünschten chemischen Einschlüssen in der Chromschicht kommen. Das würde bedeuten, dass das Werkstück entweder unter sehr hohen Kosten revidiert werden muss oder sogar Ausschuss ist. Undenkbar bei einer 12 Meter langen und bis zu 25 Tonnen schweren Welle.
Bei HCWB laufen die Verchromungen äusserst prozesssicher, nicht zuletzt dank des 50-jährigen Know-how, das kontinuierlich gewachsen ist. Der Teufel steckt – wie so oft – im Detail. Allein ein Blick auf die sogenannten Blenden ist eindrücklich. Die Blenden sorgen dafür, dass Teilbereiche der Werkstücke nicht zu stark beschichtet werden. Eine Kunst für sich.
Nach dem Beschichten gehen die Rundteile in die spanende Bearbeitung. Hier hat das Unternehmen zum Teil eigene Maschinen entwickelt, die speziell für die Oberflächenveredlung (Hochglanz) und die Schleifbearbeitungen sorgen. Jede gewünschte Oberflächengüte bis zum Oberflächenfinish N1 (Rz ≤ 0,05 µm) kann in der Fertigung realisiert werden. Die Toleranzen liegen je nach Bauart der Walze unterhalb von 0,01 mm. Das ist bei einem Durchmesser von 3200 mm alles andere als ein Kinderspiel.
Beschichten von Endlosbändern
Eine weitere Spezialität, über die die HCWB verfügt, ist das Beschichten von Endlosbändern aus rostfreiem Stahl (siehe Bild 1. Solche Bänder, bis 21 Meter Länge, werden in einem Chrombad (beidseitig, innen und aussen) hartverchromt und ggf. mit einer Oberflächen-Struktur versehen. Genutzt werden solche Endlosbänder u. a. zur Herstellung von Kunstparkettböden und Holzlaminaten. Ein Markt, der weltweit zunimmt.
Solche rostfreien und hartverchromten Bänder laufen im Produktionsprozess über beheizte und hartverchromte Stahlwalzen. Auch solche Heizwalzen können durch die Engineering-Abteilung der Hartchromwerk Brunner AG, die Tochterunternehmung BMG GmbH, angeboten werden.
Bernhard Meier: «Das heisst, wir gehen zusammen mit unserer 100%igen Tochtergesellschaft BMG GmbH zum Endkunden, machen die Auslegung der Walzen und lassen die Walzen bei einem ausgesuchten Produktionsbetrieb nach unseren Vorgaben herstellen. Bei uns wird danach die funktionale Oberfläche bearbeitet und veredelt. Somit bieten wir dem Kunden die fertige Systemlösung an. Das wiederum ist eines unserer Alleinstellungsmerkmale. Lösungsorientierte Angebote, welche auch das komplette Paket beinhalten. D. h. vom Engineering der Anlagenkomponente bis hin zur Funktionsbeschichtung.»
Hartverchromen im Energiebereich
Doch nicht nur Walzen und Zylinder für die Druck-, Papier- und Kunststoffindustrie – wenn auch ein wichtiges Segment – gehören zum Repertoire der HCWB AG, wie Bernhard Meier sagt: «Ein hoch interessanter Bereich ist die Wasserkraft. Hier werden beispielsweise Wasser-Düsen wie auch die Turbinenwelle mit bis zu 20 Tonnen Gewicht (D 500, L = 3000 mm) von uns hartverchromt. Das durch die Düsen und Turbinen fliessende Wasser enthält viele abrasive Mineralien. Durch unsere Chromschicht wird die Düse wie auch die Welle geschützt. Eine solche Düse hält 8–10 Jahre. Aber das ist fast noch zu kurz, wenn man bedenkt, dass der Stillstand eines Wasserkraftwerkes pro Stunde 15 000 Euro kostet. Hartchrom ist extrem hart, er verfügt über herausragende Eigenschaften, das ist gewaltig. Unsere Hartchrom-Schichten bringen 1000 HV (Vickers-Härte) respektive 67 HRC (Rockwell C), das entspricht gehärtetem HSS-Stahl, das heisst schon was.»
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