50 Jahre: Hartverchromen in gewaltigen Dimensionen

Redakteur: Matthias Böhm

Wenn es um Hartverchromung sehr grosser Walzen und Werkstücke geht, dann führt kein Weg an St. Gallen vorbei. Das geht seit 50 Jahren so, denn hier hat das Unternehmen Hartchromwerk Brunner AG seinen Sitz und im Bereich der Walzen-Hartverchromung technologische Alleinstellungsmerkmale. Doch das Unternehmen hat noch einige andere Spezialitäten im Portfolio, wie der Bericht zeigen wird.

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Bild 1: Ein Endlosband wird in ein Chrombad zur technischen Hartverchromung per Kran zugeführt. Diese Bänder zeigen sich verantwortlich zur Herstellung von Möbelfurnieren und Laminatböden. HCWB AG ist das einzige Unternehmen weltweit, welches in der Lage ist, solche Bänder mit Hartchrom zu beschichten.
Bild 1: Ein Endlosband wird in ein Chrombad zur technischen Hartverchromung per Kran zugeführt. Diese Bänder zeigen sich verantwortlich zur Herstellung von Möbelfurnieren und Laminatböden. HCWB AG ist das einzige Unternehmen weltweit, welches in der Lage ist, solche Bänder mit Hartchrom zu beschichten.
(Bild: Matthias Böhm)

Kaffeetrinker haben mit höchster Wahrscheinlichkeit bereits Kaffee getrunken, der mittels der von der Hartchromwerk Brunner AG beschichteten Brühzylinder zubereitet wurde. Doch das geht in den Bereich der Kleinteileverchromung, und was das mit dem Kaffee auf sich hat, dazu später im Bericht.

Hauptgeschäft: Verchromen grosser Werkstücke

Die beiden Geschäftsführer Bernhard Meier und Stefan Hernandez (Bild 10) führen das Hartchromwerk Brunner AG seit 12 Jahren. Ein Unternehmen, das sich auf die technologische Hartverchromung (funktionelle Hartschichten) spezialisiert hat. Das Hauptgeschäft wird mit dem Verchromen und Bearbeiten grosser Werkstücke realisiert. Ein weiterer Bereich ist die Hartverchromung von Endlosbändern und der dritte Bereich ist die Hartverchromung kleinerer und mittlerer komplexer Bauteile.

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Im Bereich der Wellen, Walzen, Zylinder und Endlosbänder verfügt das Unternehmen weltweit über eine Spitzenposition. Die Mitbewerber in diesen beiden Bereichen sind an einer halben Hand abzuzählen. Ein St. Galler Hidden Champion – Weltmarkt- und Technologieführer in einem Nischensektor –, wie er im Buche steht.

Bis 12 Meter Länge und 3,2 Meter Durchmesser

Kein Wunder, denn das Unternehmen verfügt über Möglichkeiten, Werkstücke bis 12 Meter Länge und über 3 Meter Durchmesser bei einem Gesamtgewicht bis 25 Tonnen mit qualitativ hochwertigsten Hartchrom-Multilayerschichten zu versehen.

Hierbei kommen die folgenden drei Hartchrom-Verfahren zur Anwendung, je nach Anforderungsprofil des Kunden:

1. Hartverchromung (DURIT-Spezialverfahren): Als Verschleiss- und Korrosionsschutz, zwecks Verbesserung der Reibwerte und Adhäsionseigenschaften, als Schutz vor chemischen Einwirkungen;

2. Mehrschicht-Hartverchromung (M-DURIT-Spezialverfahren): Für Werkstücke, welche erhöht korrosiven Umgebungsbedingungen ausgesetzt sind, wie z. B. Hydraulikteile, Pneumatik, chemische Industrie;

3. Matt-Hartverchromung (SATIN-Spezialverfahren): Für die Produktion von technischen Laminaten, Folien, Transportwalzen, Textilwalzen (Orangenhaut) sowie in der Optik und Möbelindustrie;

Weitere Spezialbeschichtungen mit Antihafteffekt, wie Teflonchrom, DURIT-Nanochrom oder Strukturchrom-PTFE, stehen zur Auswahl im Beschichtungsportfolio der Hartchromwerke Brunner AG.

Doch damit nicht genug, wie Geschäftsführer Bernhard Meier gegenüber dem SMM sagt. «Wir bieten Komplettlösungen an. Die Hartverchromung ist ein wesentlicher Behandlungsschritt von mehreren Fertigungsprozessen, die eine Druckwalze durchlaufen muss. Wir bieten aber den gesamten Fertigungsprozess an, inklusive Schleifen und Finish der Walzen bis hin zu N1-Oberflächen bzw. < Rz 0,1 my, was Spiegelhochglanz bedeutet (Bild 8). Für unsere Kunden heisst das, sie liefern uns die Zeichnung, wir liefern die Lösung.»

Walzen werden weltweit nachgefragt

Die Märkte für die Walzen (und Bänder … dazu später) sind die Papier-, Karton- und Druckindustrie, bahnförmige Herstellungsprozesse im Bereich der Folienherstellung (Kunststoff), Textil und «Non-woven-Textilien» (nicht gewebte) sowie Filamente. GF Bernhard Meier: «Solange Kleider produziert werden, Stoffe verarbeitet und veredelt, Lebensmittel verpackt und deren Materialien beschichtet werden, Segel oder Dächer aus technischen Textilien produziert oder Papier und Karton in laufenden, also bahnförmigen Prozessen hergestellt und beschichtet werden, sind unsere Technologien gefragt. Verschleiss-, Korrosions- und Funktionsbeschichtungen werden mehr und mehr nicht nur aus technischen, sondern auch aus wirtschaftlichen wie ökologischen Aspekten gefragt sein.»

Hohe Verantwortung gegenüber Kunden

Nun sollte man meinen, dass ein nahezu konkurrenzfreies Umfeld einem «Platz an der Sonne» ähnelt. Doch der «Platz an der Sonne» ist alles andere als entspannend, eher herausfordernd, wie Bernhard Meier es formuliert: «Wir verfügen in der Grossteile-Beschichtung und -Bearbeitung über ein Fertigungsspektrum, das weltweit nahezu einmalig ist. Das heisst, fast alle unserer Kunden haben praktisch keine Auswahlmöglichkeiten. Sie sind auf uns angewiesen. Wenn eines unserer Chrombäder ausfallen würde, gäbe es entsprechende Lieferengpässe. Wir haben aufgrund unserer weltweiten Einzigartigkeit eine extrem hohe Verantwortung unseren Kunden gegenüber. Deshalb ist es matchentscheidend, dass wir über eine 100%ig sichere Produktion verfügen. Manchmal denkt man, es ist ein Luxus eine solch starke Marktposition zu haben. Aber wenn man wie wir eine Schweizer Mentalität hat, dann heisst das vor allem Verantwortung gegenüber unseren Kunden. Wir stehen in der Pflicht, unseren Kunden qualitativ hervorragende Lösungen zu bieten, das rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Das ist kein Luxus, das ist harte Arbeit.»

Vier Schichten auch am Wochenende

Damit das alles reibungslos abläuft, steht Bernhard Meier voll hinter dem Team: «Hierfür agieren alle unsere Mitarbeiter mit hoher Motivation bis hin zu vier Schichten. Wenn nötig auch am Samstag und Sonntag. Ich muss in diesem Zusammenhang unsere Mitarbeitenden loben, gerade auch im aktuellen schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Unsere Mitarbeiter machen einen hervorragenden Job und sie sind verantwortlich dafür, dass wir weltweit diese führende Position ausbauen konnten, über die wir heute verfügen.»

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