Als der SMM 1950 seinen 50. Geburi feierte, wurde das Unternehmen Mapal in Aalen (D) gegründet. Ein Glückstag, wie sich heute zeigt. Aus bescheidenen Anfängen ist das Familienunternehmen Mapal in seiner nunmehr 75-jährigen Geschichte zu einer global agierenden Gruppe mit Weltruf aufgestiegen. Von Beginn an war die Firmengeschichte des Werkzeugherstellers geprägt von Kontinuität und einem innovativen Geist, der vom schwäbischen Tüftlertum genauso gespeist wurde wie vom unternehmerischen Mut der Inhaberfamilie Kress. Der intensive Kontakt zum Kunden sowie das zuverlässige Gespür dafür, was für die Zukunft wichtig ist, prägen bis heute die Unternehmenskultur.
Dr. Jochen Kress führt Mapal seit 2018. Im Bild mit Kerstin Schwantes (Entwicklungsingenieurin, Research & Development im Product Development Team Vollhartmetall) während der Pressekonferenz Anfang Juli 2025.
(Bild: Matthias Böhm)
Die Unternehmensgründung im Jahr 1950 verlief durchaus ungewöhnlich. Der promovierte Volkswirt Dr. Georg Kress war als Steuerberater tätig, als er die Gelegenheit bekam, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommene Firma eines seiner Mandanten zu übernehmen. Obwohl er von Technik, Gewindeschneidwerkzeugen und Schneideisen nichts verstand, kaufte er die «OBA Präzisionswerkzeugbau» von Otto Betzler. Er veräusserte dafür seine gut laufende Steuerberaterkanzlei in Aalen und wurde als Unternehmer tätig.
Der neu entstandene Firmenname «Mapal» steht für «Maschinen- und Präzisionswerkzeugfabrik Aalen» und zeugt davon, dass in den Anfangsjahren auch Holzbearbeitungsmaschinen hergestellt wurden. Weil in den beengten, einfachen Räumlichkeiten an der Oberen Bahnstrasse in Aalen eine wirtschaftliche und effiziente Produktion der Profilfräsmaschinen auf Dauer nicht möglich war, trennte Mapal sich sehr schnell wieder von diesem Geschäftsbereich. Man konzentrierte sich auf Gewindebohrer, -schneideisen und -walzrollen, was den Beginn des heutigen Werkzeugprogramms markierte.
Mit einer Reibahle fing alles an
Zukunftsweisend für den langfristigen Erfolg des Unternehmens: Der Kauf eines Patents für eine neuartige Reibahle im Jahr 1952.
(Bild: Mapal)
Als zukunftsweisend für den langfristigen Erfolg des Unternehmens sollte sich 1952 der Kauf eines Patents für eine neuartige Reibahle erweisen. Anders als bisherige Konstruktionen arbeitet sie nicht mit vier oder sechs Schneiden, sondern nur mit einer einzigen, die in einen Schlitz eingeklemmt wird und einstellbar ist. Der italienische Erfinder versprach damit geringere Herstellungskosten und mehr Flexibilität beim Reiben. Als Dr. Georg Kress das Patent für die Einmesser-Reibahle erwarb, stellte er sich gegen die Techniker aus seinem eigenen Haus, die das Werkzeug für untauglich hielten und damit grundsätzlich auch Recht hatten.
Um die anfänglichen Probleme zu überwinden, setzte Dr. Kress auf Forschung und Entwicklung. In mühsamer Tüftelei wurde die Reibahle verbessert, unter anderem wurden dafür zwei Führungsleisten asymmetrisch am Umfang des Reibahlenkörpers eingebracht. Die erste von Mapal entwickelte Einschneiden-Reibahle mit Führungsleisten aus Hartmetall wurde 1954 patentiert, 1962 folgte das Patent für die Reibahle mit Wendeschneidplatten aus Hartmetall. Beide Innovationen bildeten die Basis dafür, die Reibahlen in den folgenden Jahren zu einem höchst attraktiven Hochleistungswerkzeug zu entwickeln. Die Bohrungsfeinbearbeitung wurde zum Aushängeschild von Mapal.
Dr. Dieter Kress konstruierte neue Klemmung der Wendeschneidplatten
Als Dr. Dieter Kress 1969 in das Familienunternehmen eintrat, war der Sohn des Firmengründers bestens auf seine künftigen Aufgaben vorbereitet. Anders als sein Vater war er in der Technik zuhause. Bereits an seinem ersten Arbeitstag bei Mapal konstruierte er eine neue Klemmung für Wendeschneidplatten. Sie wurde patentiert und bildet im Prinzip bis heute die Technologie der Klemmung der Wendeschneidplatten in den Reibahlen von Mapal.
Weitsichtige Produktentscheidung: Gewindebohrer und Gewindewalzrollen wurde aufgegeben
Nachdem er 1974 die Geschäftsführung übernommen hatte, machte sich Dr. Dieter Kress zügig an die Umgestaltung des Produktportfolios. Der Geschäftsbereich Gewindebohrer und Gewindewalzrollen wurde aufgegeben, um sich ausschliesslich auf die Produktion der Reibahlen zu konzentrieren. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als Mapal zwei Drittel seines Umsatzes mit Gewindewerkzeugen erwirtschaftete. Doch hinter dem Plan steckte unternehmerische Weitsicht. Bei den älteren Produkten gab es kaum Potenzial, sich von zumeist grösseren Herstellern zu differenzieren, die dazu preisgünstiger produzieren konnten. Die Einschneiden-Reibahle hingegen war etwas ganz Spezielles, für das es keinen direkten Wettbewerb gab. Allerdings musste der Markt dafür erst erschlossen werden.
Polykristaliner Diamant (PKD) als Schneidstoff, Verkauf technologieorientiert ausgebaut
Maximale Kundennähe wird, insbesondere in der Automobilindustrie zum erfolgreichen Vertriebskonzept.
(Bild: Mapal)
Nach und nach wurden die Reibahlen so weiterentwickelt, dass sie sich für die industrielle Grossserienfertigung eigneten. Die Beschichtung von Wendeschneidplatten spielte dabei ebenso eine Rolle wie die Verwendung des Werkstoffs PKD für die Führungsleisten. Mit den Werkzeugen fasste Mapal vor allem in der Automobilindustrie Fuss, wo die Fertigungstechnik von starren Transferstrassen auf flexible Bearbeitungszentren umgestellt wurde.
Parallel zu den technischen Verbesserungen baute Mapal sein Vertriebskonzept um und setzte auf maximale Kundennähe. Freie Handelsvertreter wurden durch eigene technische Berater ersetzt, deren Aufgabe es war, Kunden bei der Auslegung der Werkzeuge zu beraten und im Einsatz zu unterstützen. In der Automobilindustrie wurde die Zusammenarbeit so eng, dass die Berater sogar an der Entwicklung von neuen Motoren mitwirkten, indem sie denkbare feinmechanische Bearbeitungsmöglichkeiten früh in den Konstruktionsprozess einbrachten. Sie verkauften nicht einfach Werkzeuge, sondern Lösungen.
Stand vom 30.10.2020
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Vom Mittelständler zum Global Player, den Kunden gefolgt
In den USA hat Mapal bereits 1977 seine erste Tochtergesellschaft eröffnet. Richtig Fahrt nahm die Globalisierung dann aber in den 1990er-Jahren auf. In rascher Folge etablierte Mapal zahlreiche Auslandsniederlassungen. Die Internationalisierungsstrategie von Mapal folgte den Wegen der Grosskunden. Weil diese Produktionsstandorte fast rund um den Globus aufbauten, ergab sich für den vergleichsweise kleinen Mittelständler aus Aalen die Gelegenheit, mitzugehen und neue Marktpotenziale zu nutzen. Mapal ist heute in 25 Ländern vertreten.
Um sein Produkt- und Leistungsangebot vergrössern zu können, was ebenfalls Anforderungen der Kunden nachkam, integrierte Mapal eine Reihe von spezialisierten Firmen in Deutschland. Mit der Übernahme der WWS in Pforzheim erweiterte Mapal sein Angebot um PKD-Werkzeuge mit gelöteten Schneiden für die Hochgeschwindigkeitsbearbeitung vor allem von Aluminium und deckte damit ein Segment ab, das auf Kundenseite immer mehr an Bedeutung gewann. Von Miller in Altenstadt kamen VHM-Bohrer und VHM-Fräswerkzeuge ins Programm. Da Vollbohroperationen im Produktionsprozess dem Reiben vorausgehen, wurde damit das Leistungsportfolio von Mapal ideal ergänzt. Die Firma Weisskopf aus Meiningen verstärkte den Vollhartmetallbereich weiter.
Der Kauf des Winterlinger Traditionsunternehmens August Beck sicherte die Position von Mapal als führender Hersteller von Reibahlen.
Robert Strom und Isotool ergänzten das Portfolio um ISO- und Aussteuerwerkzeuge. 2015 wurden die beiden Unternehmen in die Mapal ITS umfirmiert, die sich in Eppingen auf komplexe Sonderwerkzeuge mit Aussteuermechanismen fokussiert. Vervollständigt wurde das Produktangebot mit Spannzeugen der WTE aus Ehrenfriedersdorf. Strategische Investitionen hat Mapal später auch noch im Ausland getätigt.
Transformation in vollem Gang
Dr. Jochen Kress hat die Transformation von Mapal hin zu einer prozessgesteuerten, global agierenden Organisation angestossen.
(Bild: Mapal)
Mit Dr. Jochen Kress, der bereits ab 2000 als Entwicklungsingenieur bei Mapal arbeitete, trat 2008 die dritte Generation in die Geschäftsleitung des Familienunternehmens ein. Als er zehn Jahre später die Verantwortung für die Mapal Gruppe als Geschäftsführender Gesellschafter übernahm, ist die Transformation des Marktes bereits in vollem Gang. Den Übergang der Automobilbranche hin zur Elektromobilität geht Mapal proaktiv mit und entwickelte auch in diesem Bereich früh effiziente Fertigungslösungen.
Daneben erfolgte die strategische Ausweitung von Kundensegmenten abseits der Automobilindustrie, die über Jahrzehnte ein Wachstumsgarant gewesen war. Mapal fokussiert sich nun zusätzlich auf die Bereiche Aerospace, Fluid Power sowie den Werkzeug- und Formenbau. Digitallösungen bietet die 2017 gegründete c-Com, die inzwischen in die Mapal Gruppe integriert ist und vor allem die Toolmanagementleistungen unterstützt. Mit einem Umweltmanagementsystem berücksichtigt das Unternehmen alle Aspekte eines nachhaltigen Wirtschaftens. Dazu tragen viele Einzelmassnahmen in Bereich der Produktion und Verwaltung an allen Standorten bei.
Strukturen und Prozesse werden der erreichten Grösse des Unternehmens angepasst, Entscheidungsprozesse verschlankt und beschleunigt. Die Neuorganisation der Führungsebene in der Aalener Unternehmenszentrale richtet sich an Kernprozessen und Fokusthemen aus. Die strukturellen, organisatorischen und kulturellen Veränderungen, die Dr. Jochen Kress initiiert hat, werden das Unternehmen nachhaltig prägen und weit über das Jubiläumsjahr 2025 hinaus Bestand haben.
Der SMM gratuliert an dieser Stelle dem Werkzeughersteller Mapal ganz herzlich zum 75. Jubiläum.