Tradition und Modernes verknüpfen

99 Jahre Schaublin – SMM gratuliert

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Schaben – die präziseste Bearbeitung

Genau hier – im Beherrschen des Bruchteils eines Mikrometers – kommt die Symbiose von Tradition und Moderne voll zum Tragen. Tradition heisst im WZM-Bau vor allem eins: Beherrschen des klassischen Präzisionsmaschinenbaus. Und da spielen die Maschinenbetten, die Linear- und Drehachsen eine herausragende Rolle.

Die Maschinenbetten der Schaublin-Maschinen werden auf einer im Mikrometer-Bereich konkavförmigen Linie gefertigt. Eine Ideal-Linie, die sich aus den langjährigen Erfahrungen ergeben hat.

R. Muster: «Unsere konkaven Betten werden auf einer konventionellen Sonder-Schleifmaschine geschliffen. Wir haben einige neue CNC-Maschinen geprüft, um unsere mittlerweile in die Jahre gekommene Schleifmaschine zu ersetzen. Aber keine der neuen Maschinen war in der Lage die konkaven Bettstrukturen im Mikrometer-Bereich nach unseren Anforderungen zu schleifen. Deshalb haben wir uns entschlossen, unsere Schleifmaschine komplett zu überholen. Das hat sich gelohnt. Nur mit diesen Maschinen sind wir in der Lage, unsere Maschinenbetten entsprechend zu schleifen. Wir sind sozusagen gezwungen, auf ein traditionelles Fertigungsverfahren zu setzen, der Präzision zuliebe.»

Per Hand eingeschabt

Doch mit der konkaven Ideallinie der Maschinenbetten ist es nicht getan. Für die Perfektionierung der Bauteil-Geometrien wird bei Schlüsselkomponenten nach wie vor geschabt. Bei Schaublin ist es der Fertigungsschritt für die letzten Mikrometer. Jede Maschine, die die Werkshallen verlässt, wurde von den Schabspezialisten per Hand auf Präzision gebracht. Selbst im Zeitalter der Nanotechnologie gilt: Kein technologisches Verfahren ist bis heute in der Lage, das Schaben zu ersetzen.

Hier wird deutlich, was es heisst, Präzision im Blut zu haben. R. Muster sagt dazu: «Wenn Sie eine günstige WZM kaufen, dann bringt die am Anfang eine ähnliche Präzision wie eine Schaublin. Aber bereits nach drei Monaten erweitern sich die Toleranzfelder massiv. Unsere Schaublin-Toleranzfelder bleiben dagegen konstant, garantiert über einen Zeitraum von fünf Jahren und mehr. Da steckt eine Menge Know-how und Erfahrung dahinter.»

Spindelfertigung im Herzen des Berner Juras

Entscheidend für die Präzision ist die Hauptspindel, das Herz jeder WZM. Schaublin hält diesen technologiegetriebenen Hauptspindelbau strategisch im Haus. Für die Schlüssel-Komponenten und Passungen der Hauptspindel steht eine Schweizer Voumard-Rundschleifmaschine zur Verfügung.

Auch hier zeigen sich die Vorteile traditionellen WZM-Baus, wie D. Spiesser (Verkaufsleiter, Schaublin Machines SA) gegenüber dem SMM erläutert: «Unsere Voumard-Rundschleifmaschine setzen wir für unsere Präzisionskomponenten der Hauptspindeln ein. Obwohl sie bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, ist sie unersetzbar. Wir haben einige neue Schleifmaschinen getestet, aber die Schleif-Ergebnisse reichten nicht an die der Voumard heran. Sie waren zwar schneller, aber bei Schaublin geht es im Spindelbau um Zehntel-Mikrometer. Und zwar in Serie, mit höchster Wiederholgenauigkeit. Da können wir uns keine Fehler leisten. Die Präzision dieser Maschine steht stellvertretend dafür, wie die Präzision bei Schaublin gelebt wird. Nach der Montage werden unsere Spindeln 48 Stunden intensiv getestet. Nach diesem Testlauf werden sie kontrolliert. Erst dann, wenn alles innerhalb der Sollwerte ist, dürfen sie montiert werden. Wie gesagt, keine Maschine geht raus, wenn die Spindel mehr als 0,4 µm Abweichung im Rundlauf aufweist.»

Kooperation Entwicklung – Kunden – Produktion

Diese Kompetenzen, u. a. das Beherrschen von Toleranzen unterhalb des «µ», sind mit entscheidend, dass Schaublin in der Schweiz produzieren kann. Doch es gibt noch weitere Herausforderungen: Um den Standort zu halten, müssen die WZM den Ansprüchen der Anwender gerecht werden.

R. Muster sagt in diesem Zusammenhang: «Meine Meinung ist, dass wir zwingend die Entwicklungsingenieure und Konstrukteure im Haus haben müssen. Die Kooperation zwischen unserer Entwicklung, Produktion und Montage sowie den Kunden muss über kürzeste Wege erfolgen. Letztlich müssen unsere Kunden mit den Maschinen wirtschaftlich produzieren können. Das geht nur, wenn wir unsere Maschinen entsprechend den Bedürfnissen unserer Anwender konzipieren. Wir sind für jegliche fundierte Kritik dankbar und besprechen diese intern. Wir müssen uns immer die Frage stellen, wie wir diese Kunden-Anregungen in unsere Maschinenkonzepte einfliessen lassen können. Eine enge Verzahnung unserer Entwicklung, Konstruktion und Produktion ist deshalb massgeblich entscheidend, um das zu gewährleisten. Zudem arbeiten wir seit längerer Zeit sehr eng mit Inspire (ETH Zürich) zusammen. Inspire hat sich zu einer der führenden WZM-Forschungseinrichtungen entwickelt. Somit gewährleisten wir einen Know-how-Transfer vom Anwender über den WZM-Bauer bis hin zur Hochschule und zurück.»

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