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Alesa: Vernünftig abwägen Ausgewogen beurteilen, Lockdown vermeiden

Redakteur: Konrad Mücke

Insbesondere kleinere Unternehmen sind von der Pandemie des Virus Covid-19 besonders betroffen. Eine deutlich verminderte Geschäftstätigkeit können sie nur schwierig auffangen. Christoph Leimgruber, Geschäftsführer beim Werkzeughersteller Alesa, erläutert die dortige Situation.

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Christoph Leimgruber
Christoph Leimgruber
(Bild: (C) Fotografika, Mario Sommerhalder)

SMM: Wie wurde Ihr Unternehmen von der Covid-19-Pandemie insgesamt getroffen und wie hat Ihr Unternehmen reagiert?

Christoph Leimgruber: Wir hatten Ende März fast innert Wochenfrist einen Einbruch beim Auftragseingang um über 30%. Dies kam in dieser Grössenordnung doch unerwartet. Seit April sind wir deshalb in Kurzarbeit.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat die aktuelle Situation auf Ihr Unternehmen. Können Sie Angaben machen bezüglich der Entwicklung des Umsatzvolumens und Auftragseingangs im Vergleich zum Vorjahr?

Ch. Leimgruber: Die angespannte Auftragssituation ist noch nicht vorbei und wird wohl auch noch einige Zeit anhalten. Allerdings hat sich unser Auftragseingang nach den Sommerferien etwas erholt und steht im Moment bei etwa 15 Prozent unter Vorjahr. Wir sind dankbar, Kunden in einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Branchen zu haben. So sind wir nicht nur von einem Wirtschaftszweig abhängig.

Welche Massnahmen haben Sie innerhalb Ihres Unternehmens umgesetzt, um die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zu schützen?

Ch. Leimgruber: Wie überall gelten auch bei uns die Regeln des BAG: Dazu gehört, Abstand zu halten, häufiger Hände zu waschen und zu desinfizieren, Gegenstände und Anlagen zu desinfizieren, keinen physischen Kontakt untereinander zu haben. Zusätzlich zum Einhalten dieser Regeln schützen wir uns und unsere Mitarbei­tenden durch Trennwände zwischen den Arbeitsplätzen. Wer immer das realisieren kann, soll im Homeoffice arbeiten.

Homeoffice ist in Teilen möglich. In der Produktion praktisch nicht. Welche Massnahmen haben Sie in Ihrer Produktion umgesetzt?

Ch. Leimgruber: In unserer Produktion sind die Arbeitsplätze ohnehin meist mehr als 1,5 Meter auseinander. Problematisch sind vielmehr die «sozialen Brennpunkte» wie Kaffeeautomat, Pausenraum, Mittagessen und Garderoben. Hier sind vor allem Abstands- und Reinigungsmassnahmen nötig.

Wie sind die Reaktionen Ihrer Mitarbeiter auf die Massnahmen gewesen?

Ch. Leimgruber: Die Mitarbeiter sehen die Notwendigkeit der eingeführten Massnahmen und halten sich daran. Jedoch sehe ich bei mir selber, dass nach einem halben Jahr Pandemie die konsequente Umsetzung der verschiedenen Massnahmen abnimmt. So gilt es, uns alle immer wieder an die Vorgaben zu erinnern, auch wenn wir dadurch etwas in unserer Freiheit eingeschränkt werden.

Was ist aus Sicht Ihres Unternehmens notwendig, um die Pandemie so gut wie möglich zu überstehen?

Ch. Leimgruber: Es sollte keinen zweiten Lockdown geben mit Firmenschliessungen, Ausgehverboten und weiteren Einschränkungen. Wenn wir unseren Kunden nicht vor Ort helfen und sie unterstützen können, machen wir auch keine Geschäfte mehr.

Die Covid-19-Situation ist eine absolute Ausnahmesituation. Welche positiven Erkenntnisse haben Sie aus der Situation gezogen?

Ch. Leimgruber: Ich weiss nicht, ob ich dieser Pandemie viele positive Erkenntnisse abringen kann. Sicher haben wir die Erkenntnis gewonnen, dass viele Sitzungen und Meetings auch online funktionieren und dadurch Finanzen und Zeit für Reisen und Autofahrten gespart werden können. Als KMU mit nur einem Standort hatten wir diese Erfahrung vor Covid-19 noch nicht in der Breite, wie wir es heute kennen.

Was sind Ihre Erwartungen an die Politik in Bezug auf die Covid-19-Pandemie?

Ch. Leimgruber: Die Politik hat einen schwierigen Job. Es gilt, die Gesundheit der Bevölkerung gegen die wirtschaftlichen Interessen einer ganzen Volkswirtschaft abzuwägen. Wie viele Konkurse wiegen gleich viel wie einhundert neue Infektionen? Kann ein coronabedingter Todesfall weniger die massiven, die Wirtschaft erheblich schädigenden Massnahmen rechtfertigen? Es sind schwere Entscheidungen, bei denen ich mir eine ausgewogene Beurteilung aller Faktoren wünsche. Zudem hoffe ich, dass wir nicht im Sog der allgemeinen Angst und Panik entscheiden.

Herr Leimgruber, vielen Dank für Ihre Informationen. SMM

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