Gerster: Härterei erfüllt höchste Ansprüche

Automatisierung treibt Technologie

| Redakteur: Konrad Mücke

Der Bedarf aus der Automatisierungstechnik bestimmt das zu behandelnde Bauteilespektrum
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Der Bedarf aus der Automatisierungstechnik bestimmt das zu behandelnde Bauteilespektrum (Bild: Härterei Gerster AG)

Auch Zulieferbetriebe, die im Lohnauftrag Dienstleistungen erbringen, werden erheblich von technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen geprägt. Dazu gehört auch die Härterei Gerster AG. In 70 Jahren ist ein weltweit orientierter Spezialist für Wärmebehandlung entstanden.

Über technische Entwicklungen, Einflüsse auf das Leistungsspektrum sowie über wirtschaftliche

Chancen und Risiken sprachen wir mit Martina Gerster, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Härterei Gerster AG in Egerkingen.

SMM: Welche technischen Entwicklungen waren für Ihr Unternehmen in den vergangenen Jahren besonders relevant und bestimmend?

Martina Gerster: Unser Dienstleistungsangebot besteht darin, unterschiedliche Bauteile thermisch zu behandeln. Das verbinden die meisten zunächst mal mit dem Härten. Es kann aber auch um ein wesentlich grösseres Spektrum unterschiedlicher, gezielter Wärmebehandlungen gehen. Je nach Forderungen unserer Auftraggeber betrifft dies kleine Bauteile mit nur wenigen Millimetern Durchmesser oder grössere Bauteile mit mehreren Metern Kantenlängen. Unterschiedliche Forderungen an unsere Leistungen stellen auch die Losgrössen, ob wir nun ein Einzelstück oder fortlaufende Serien von mehreren hundert oder tausenden Werkstücken behandeln.

Massgeblich wurden die Entwicklungen in der Härtereitechnik von den allgemeinen Trends hin zur Automatisierung beeinflusst. Das betrifft das Bauteilspektrum. So härten wir heute zum Beispiel eine Vielzahl an Zahnstangen, die für Linear- und Schlittenantriebe in Handlingsystemen und Maschinen eingesetzt werden. Zudem erweitert sich das Spektrum an Bauteilen, da man Verschleiss vermindern, die Lebensdauer verlängern, aber auch die Festigkeit und Oberflächenbeständigkeit von Bauteilen verbessern will. Hier kommt uns der allgemein Wunsch entgegen, Ressourcen zu schonen. Auch der Leichtbau, der es ermöglicht den Energieverbrauch zu vermindern oder Maschinen und Automatisierung dynamischer arbeiten zu lassen, kommt der Härtereitechnik entgegen. Leichte, kompakte und dabei hochfeste Bauteile lassen sich unter anderem durch Härten oder gezielte Wärmebehandlungen verwirklichen.

Für uns selbst hat die Entwicklung hochwertiger Steuerungs- und Rechnertechnik die Technologie des Härtens weitreichend verändert. Seit Jahrzehnten sind das Geschick und viel «Fingerspitzengefühl» erfahrener Fachleute gefordert. Heute unterstützen aber parametrierbare Steuerungen die Führung der Öfen und anderer Einrichtungen. Dafür sind letztere mit einer Vielzahl hochwertiger Sensoren ausgestattet, um unterschiedliche Parameter zuverlässig zu erfassen. Die Automatisierung unserer Härtereianlagen sorgt vor allem dafür, dass wir heute sehr viel strengere Vorgaben hinsichtlich gleichbleibender Qualität und dokumentierter Prozessen gewährleisten können. Allerdings liegt das besondere Know-how um die richtige Prozessführung nach wie vor bei unseren Spezialisten.

SMM: Welche Ereignisse ausserhalb Ihres Unternehmens, unabhängig von den selbstgesteuerten Entwicklungen, haben den Verlauf ihrer Geschäfte entscheidend beeinflusst?

M. Gerster: Als Dienstleister waren wir immer wieder stark von den wechselnden Wirtschaftszyklen der Nachkriegs-Epoche betroffen. Besonders prägend waren zum Beispiel die Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 und der nachfolgende Aufschwung. Über längere Zeiträume hat die zunehmende Globalisierung unser Geschäftsmodell erheblich beeinflusst. Dazu gehört vor allem die Verschiebung grosser Fertigungskapazitäten. Werden einfachere Leistungen in Produktionsländer mit ganz anderen als den hiesigen Kostenstrukturen verlagert, muss man sich mit Innovationen und zukunftsorientierten Prozessen in einem deutlich anspruchsvolleren Marktumfeld etablieren.

SMM: Welche Trends im technischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte sehen Sie als besonders prägend für Ihr Unternehmen?

M. Gerster: Massgeblich für die Entwicklung und Strukturierung unserer härtereitechnischen Leistungen ist die Miniaturisierung. In der Schweiz werden heute zunehmend anspruchsvolle kleine und kleinste Präzisionsbauteile gefertigt. So behandeln wir inzwischen kaum noch sehr grosse Bauteile, wie Gusskolben für Schiffsdieselmotoren und Betten für Werkzeugmaschinen, dafür aber umso mehr kleinere Präzisionsbauteile, beispielsweise Druckfedern für Ventiltriebe in Pkw sowie Räder, Buchsen und Führungen für die Automatisierungstechnik und den Maschinenbau. Wegen kleinerer Serien, unter anderem durch die Just-in-time-Fertigung, haben wir Lean Management verwirklicht und unsere Arbeitsabläufe umfassend optimiert. Das ermöglicht uns, weitreichende Bedingungen zu Lieferterminen und Qualität zu erfüllen. SMM

Frau Gerster, vielen Dank für Ihre Informationen.

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