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Arbeitssicherheit Beim Zurrgurtetest fällt fast die Hälfte durch

Redakteur: Bernd Maienschein

Der Fachverband Seile und Anschlagmittel e. V. (FSA), dessen bundesweit 35 Mitglieder sich größtenteils auch mit dem qualifizierten Vertrieb von Produkten zur Ladungssicherung befassen, hat diverse Zurrmittel unterschiedlicher Anbieter außerhalb der Mitgliedschaft auf Herz und Nieren untersuchen lassen.

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Belastungsprobe eines Handhebels: Der Fachverband Seile und Anschlagmittel (FSA) testete zahlreiche Zurrmittel und deckte dabei teils erhebliche Mängel auf.
Belastungsprobe eines Handhebels: Der Fachverband Seile und Anschlagmittel (FSA) testete zahlreiche Zurrmittel und deckte dabei teils erhebliche Mängel auf.
(Bild: FSA)

Das Ergebnis war katastrophal, wie der Verein mitteilt: Knapp die Hälfte aller getesteten Zurrgurtsysteme hat die physikalische Prüfung nach DIN EN 12195-2 mit erheblichen Mängeln nicht bestanden, ein weiteres Drittel der Produkte war zumindest mit einem Mangel behaftet. Die Geschäftsführung des FSA kommentiert das Resultat, frei nach Shakespeare, mit den Worten: „Da ist doch etwas faul im Staate Deutschland, wenn derart viele Zurrgurtanbieter das Klassenziel eindeutig verfehlen, ausschließlich sichere Produkte zu verkaufen.“

Ablegereif schon vor dem Verkauf?

Im gemeinsamen Merkblatt zur Ladungssicherung mit dem Titel „Ablegereife von Zurrgurten“, das vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und von der Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft (BG Verkehr) herausgegeben wird, steht deutlich: „Werden Mängel festgestellt, die die Sicherheit beeinträchtigen, dürfen die Zurrmittel nicht mehr verwendet werden.“

Liegen diese Mängel aber bereits zum Zeitpunkt der „Bereitstellung im Markt“ oder sogar schon beim „Inverkehrbringen in die Europäische Union“ vor, dürften laut FSA-Geschäftsführer Thomas Vierhaus „die Zurrmittel gar nicht erst verkauft werden“. Die Verantwortung für unsichere Produkte trügen laut dem deutschen Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) sowohl die Hersteller als auch die Einführer beziehungsweise Importeure, aber am Ende auch die Händler, wenn sie ihren Pflichten nicht nachkämen.

GS-Zeichen alleine sagt wenig

Als der Fachverband Seile und Anschlagmittel im Frühjahr 2018 diverse Zurrmittel von unterschiedlichen Anbietern außerhalb der eigenen Mitgliedschaft beschaffte, schwante Vierhaus bereits nichts Gutes, wie er sagt. „Schon beim Blick auf die vorgeschriebenen Inhalte der Etiketten waren viele Kennzeichnungsmängel erkennbar“, so der FSA-Geschäftsführer.

Das Hauptaugenmerk beim Kauf und der anschließenden Begutachtung lag auf zweiteiligen Zurrgurtsystemen mit einer Zurrkraft (LC) von 2500 daN, was in etwa 2550 kg entspricht. Insgesamt wurden in der FSA-Stichprobe 36 Zurrgurtsysteme der physikalischen Prüfung nach DIN EN 12195-2 unterzogen, von denen 17 ohne jeden Zweifel niemals hätten in den Verkauf gelangen dürfen, so der FSA. Die häufigsten Beanstandungen waren von außen nicht erkennbare Materialfehler.

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