Zulieferer CH-Produktionsmaschine in CH-Produktionsbetrieb

Redakteur: Matthias Böhm

>> Wenn die Meag AG – ein mittelgrosser Zulieferer von kleinen bis grossen Werkstücken für die Maschinenbau- und Geräteindustrie – erstmalig in ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum von Fehlmann investiert, dann muss das hellhörig machen. Bisher waren die Werkzeugmaschinen der Fehlmann AG nicht zugeschnitten auf das Fertigungsspektrum von Meag. Das hat sich geändert, weil Fehlmann mit der Picomax 825 Versa ein Bearbeitungszentrum entwickelt hat, das die Ansprüche an Produktivität, Präzision und Flexibilität von Meag erfüllt.

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Technologische Spitzenleistung: Dank des 5-Achs-Simultan-Bearbeitungszentrums Picomax 825 Versa kann die Meag AG ein höchst anspruchsvolles Teilespektrum anbieten.
Technologische Spitzenleistung: Dank des 5-Achs-Simultan-Bearbeitungszentrums Picomax 825 Versa kann die Meag AG ein höchst anspruchsvolles Teilespektrum anbieten.
(Bild: Matthias Böhm)

Die Meag AG ist ein bedeutender Schweizer Zulieferer, der sich auf die Bearbeitung und das Schweissen von kleinen bis grossen Werkstücken – Einzelteile bis grössere Serien – spezialisiert hat.

Dem Teilespektrum entsprechend beeindruckt der Maschinenpark, hier sind insbesondere die mittleren bis grossen Bearbeitungszentren hervorzuheben. Von der Grössenordnung Zündholzschachtel bis zu neun Meter am Stück bearbeiten ist Alltag bei der Meag AG. Im Sektor Bearbeitungszentren ist alles vorhanden, noch dazu ist fast jede Maschine palettisiert. Selbst ältere Modelle verfügen bereits über Palettiersysteme. Hier zeigt sich die Innovationskraft des Unternehmens. Es wurde bereits sehr früh auf hochproduktive Fertigung gesetzt. Werner Bossart (Leiter Maschinenbau, Meag AG): «Wir sind ein Dienstleister, spezialisiert auf die Herstellung von Maschinenbauteilen. Die typischen Losgrössen liegen zwischen 1 und 500, beim Stangendrehen auch bis 5000. Wir liefern fast in alle Branchen: Energie, Schienenfahrzeuge, Medizintechnik, Pharma, Verpackung, Textil, Werkzeugmaschinen, Druckindustrie und Automotiv.»

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Wie es sich für Schweizer Lohnfertiger gehört, ist die flexible Herstellung anspruchsvoller Geometrien zuoberst im Angebot. Mit einem professionellen CAM-System programmiert die Meag auch die schwierigsten Teile. W. Bossart betont in diesem Zusammenhang: «Gerade bei der Fertigung komplexer Bauteile wird das 3D-Programmieren immer wichtiger. Ohne CAM läuft praktisch gar nichts mehr.»

Die besondere Stärke

Dass die Picomax 825 Versa das erste Fehlmann-Bearbeitungszentrum bei der Meag ist, hat seine Gründe. Sie passt genau auf das Spektrum der kleineren bis mittleren Teile! Und sie ist technologisch hervorragend ausgerüstet: 5-achsig simultan, mit Palettisiersystem und Roboter, der für das Beschicken der Maschine sorgt. Ein High-End-System, das die Meag AG klar verstärkt in Richtung komplexe Konturen und höchste Ansprüche an die Präzision sowie Oberflächengüte.

Das Automationskonzept

Bei der Investition in die Picomax 825 Versa stand Fertigungsflexibilität ganz oben auf der Wunschliste. Kein Wunder, wenn man sich der Losgrössen und des Werkstoffspektrums bewusst wird. W. Bossart: «Die Losgrössen, die wir auf der Versa fertigen, liegen zwischen 1 und 200. Das Werkstoffspektrum ist extrem breit: Al-Legierungen, Baustahl, hochlegierter Chromnickelstahl und Kunststoffe. Wir fertigen praktisch alles aus dem Vollen, Guss oder Profil.»

Einmalig

Das ist typisch für Zulieferer, die auf eine breite Kundschaft abgestützt sind und auf die individuellen Ansprüche flexibel reagieren müssen. Die Maschinenlösung muss somit das Kunststück vollbringen, eine hohe Flexibilität zu bieten und automatisiert zu fertigen.

Doch die Schweizer Werkzeugmaschinenbauer sind «sich das gewohnt». Nach Aussage von W. Bossart wird die Flexibilität mit der Automationslösung von Erowa perfekt realisiert: «Bei dieser innovativen Automationslösung ist sehr vorteilhaft, dass wir sowohl 400er- (aktuell 10 Stk.) als auch 210er-Paletten (aktuell 40 Stk.) fahren können. Das ist alles andere als selbstverständlich und kommt unserem Teilespektrum sehr entgegen.» Zudem ist das Erowa-System modular ausbaubar, was W. Bossart sehr gelegen kommt: «Wir planen ggf. die Maschine mit einer Picomax 95 zu erweitern und mit dem gleichen Handling zu bedienen. Das Gesamtpaket von Fehlmann inklusive dieser Automation von Erowa hat uns beeindruckt. Wir haben verschiedene Maschinenlösungen geprüft, aber keine bot uns diese Möglichkeit mit zwei Palettengrössen.»

Für einen hohen wirtschaftlichen Nutzen soll die Maschine 6 Tage pro Woche teilbedient zweischichtig produzieren und eine dritte Schicht mit mannloser Fertigung abarbeiten.

Die Stärke der Versa: Einfahren

Das Einfahren von Werkstücken ist mit hohem Zeitaufwand verbunden und kommt wegen dem vielseitigen Teilespektrum entsprechend häufig vor. Der Maschinenoperateur schätzt etwa bis zu drei Mal pro Woche. Hier zeigt sich die besondere Stärke der Versa: Die Maschine ist perfekt für das Einfahren neuer Werkstücke konzipiert. Der Grund hierfür liegt in der langjährigen Erfahrung aus dem Werkzeug- und Formenbau des Werkzeugmaschinenherstellers. Die Maschine wurde von Praktikern entwickelt, die wissen, welche Ansprüche der Werkzeug- und Formenbau sowie Einzelteilfertiger haben. Der Maschinenoperateur Christian Prescher bringt es auf den Punkt: «Die Maschine ist sehr übersichtlich, sieht man das Werkstück doch von vorne und von der Seite, das ist super.»

Die Versa geht aber noch einen Schritt weiter, sie koppelt die Vorteile einer Werkzeug- und Formenbau-Maschine mit einer echten Produktionsmaschine. Das hat Fehlmann nach Aussage von W. Bossart erstaunlich gut hinbekommen. Allerdings gibt es einen Wunsch seitens Meag, wie W. Bossart betont: «Fehlmann muss die Grösse des Werkzeugspeichers optimieren, denn der ist für unser Teilespektrum an der unteren Grenze.»

Probleme? … unbekannt

Mittlerweile ist die Versa über ein Jahr in Betrieb. Auf Schwierigkeiten angesprochen antwortete W. Bossart ohne zu zögern: «Mit der Maschine als solches oder mit der Automation von Erowa hatten wir keine nennenswerten Probleme.» Auf die Frage der SMM-Redaktion: Wenn Sie die Maschine nochmals bestellen und konfigurieren könnten?, sagt er: «Wir würden alles genauso machen, nur den Preis härter verhandeln.»

Wenn das Wetter mitspielt

«Einzig mit dem Werkzeugwechsler hatten wir ganz am Anfang Schwierigkeiten, das war sehr ungewöhnlich. Die Übergabe zwischen Werkzeugwechsler und Maschine klappte nicht immer.» J. Solenthaler: «Wir konnten uns das überhaupt nicht erklären, das war die erste Maschine, bei der wir ein solches Problem hatten, das gab es noch nie. Aber unsere Entwickler fanden auch für dieses Problem eine Lösung: Maschine und Werkzeugwechsler stehen auf zwei unterschiedlichen Betonfundamenten, die sich gegeneinander verschoben, je nach Wetter. Bei Regen drückte das Grundwasser das eine Fundament einige Zehntel hoch, dadurch driftete das Magazin gegenüber der Maschine um ein paar Zehntel. Das reichte aus, dass die Werkzeugübergabe nicht mehr reibungslos lief.» Fehlmann hat Werkzeugmagazin und Maschine in der Folge verstrebt, jetzt läufts problemlos.

Das Werkstück

Ein Werkstück, das während des SMM-Besuchs u. a. auf der Versa lief, sieht einem Drehteil um einiges ähnlicher als einem Frästeil. Doch Drehen – beispielsweise ab Rohr – kam nicht in Frage, wie W. Bossart erläutert: «Wenn wir das Werkstück aus dem Vollen Fräsen, ist die Bearbeitung am wirtschaftlichsten. Würden wir es aus einem Rohr machen, hätten wir zwei Prozesse: Drehen und Fräsen. Zudem müssten wir es umspannen. Aktuell machen wir das Werkstück in einer Aufspannung komplett fertig. Wir bestücken am Abend, fünf Werkstücke laufen in die Nacht. Pro Bauteil etwa 40 Minuten. Es muss nur noch eine Facette manuell angebracht werden, dann ist es fertig. Die anspruchsvollsten Toleranzen liegen bei H6, Toleranzen, die für die Versa wie zugeschnitten sind. Wichtig bei solchen Anforderungen ist ein geringer Wärmegang bei der Bearbeitung und die Auswahl des Rohmaterials.»

Dynamik und Prozesssicherheit

Auf den Gesamteindruck angesprochen gab es ausser am etwas zu klein dimensionierten Werkzeugspeicher keinerlei Einwände. W. Bossart: «Sie ist sehr zuverlässig, genau und absolut flexibel. Sie verfügt sicher nicht über die höchsten Eilgänge, aber das ist für uns nicht matchentscheidend. Für uns ist die Prozesssicherheit wichtiger, hier ist sie ausgezeichnet.»

Wie bei Meag mit hochdynamischen Maschinen umgegangen wird, erklärt W. Bossart wie folgt: «Überschnelle Eilgänge spielen keine entscheidende Rolle für uns. Wir fahren einige unserer hochdynamischen Maschinen oft mit reduzierten Werten, damit sich deren Prozesssicherheit und Genauigkeit erhöht und der Verschleiss sich in Grenzen hält.»

Apropos Verschleiss: Auf die Langlebigkeit angesprochen, hofft W. Bossart, dass sich die Erfahrungen mit der ersten Fehlmann-Bohr-Fräsmaschine Picomax 100 CNC wiederholen: «Die kleine Fehlmann Picomax 100 ist bereits 30-jährig und nach wie vor 100 % präzise. Wir haben ihr sogar vor kurzem eine neue Steuerung spendiert. Wenn die Versa ein ähnlich hohes Alter erreicht, dann können wir sicher zufrieden sein», scherzt W. Bossart. Jürg Solenthaler ist zuversichtlich: «An solche Erfolge anzuknüpfen, wird für die Versa nicht leicht, aber ich hoffe, ich werde zum 30-Jahre-Versa-Geburi bei Meag eingeladen.» <<

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