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Scheitern erlaubt
Eine hohe Durchfallquote, die für den zweiten Redner Balz Roth aber durchaus gerechtfertigt ist, wie er gleich zu Beginn seines Referats sagte. «Scheitern ist ganz Wesentlich im Start-up-Umfeld. Und wenn schon Scheitern, dann schnell und günstig.» Balz Roth ist Venture Partner bei Go Beyond und damit ein Business Angel, ein Early Stage Investor. Während das KTI auch Start-ups unterstützt, bevor überhaupt eine Unternehmensgründung stattgefunden hat, treten Business Angels in der Regel erst auf den Plan, wenn eine Firma besteht. «Wir investieren zwischen 50 000 und 1 Million Franken und wollen dafür eine Gegenleistung: Anteile an der Firma. Damit stellen wir sicher, dass wir vom zukünftigen Erfolg profitieren», sagte Roth. Dass es dabei hauptsächlich ums Geldverdienen geht und nicht um Gutmenschentum, verhehlte er keinen Moment. Balz Roth machte auch klar, dass es nicht in seinem Sinne ist, wenn ein Unternehmen längerfristig von seinen Gründern gelenkt wird. Sein Ziel ist ein anderes: Das Unternehmen aufbauen und möglichst lukrativ verkaufen. Häufig geschieht dieser Verkauf nicht mehr in der Schweiz, sondern im Ausland – beispielsweise im Silicon Valley.
Das Team muss stimmen
Wenn sich Balz Roth nach Investitionsmöglichkeiten umsieht, sucht er in erster Linie ein gutes Team. Die Idee und das Produkt sind vorerst zweitrangig. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich das Produkt noch dreimal ändert, bevor es überhaupt zu einem Prototypen kommt. Das Team aber, das muss funktionieren und diesen Prozess gemeinsam bestehen können», erklärt er. Wie das Casting eines Start-ups bei ihm aussieht, konnten die Teilnehmer der Jahrestagung danach gleich selbst miterleben: Olga Motovilova vom Start-up noonee stellte den Chairless Chair vor, den sie gemeinsam mit zwei weiteren ehemaligen ETH- und Universitätsstudenten entwickelt hat. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei nicht um einen Stuhl im herkömmlichen Sinn, sondern um ein Exoskelett, das direkt an den Beinen befestigt ist. noonee ortet vor allem im Industrieumfeld Bedarf nach dem Chairless Chair – und zwar in Arbeitsumfeldern, in denen es nicht möglich ist, einen Stuhl zu platzieren und die Mitarbeitenden in unbequemen und gesundheitsgefährdenden Positionen ausharren müssen.
Als CFO von noonee hatte sich Olga Motovilova gleichentags bereits am Morgen freuen können: Venture Kick, eine Förderinitiative eines privaten Konsortiums, gab bekannt, dass es noonee mit insgesamt 130 000 Franken unterstützt. Auch der Auftritt an der swissT.net-Jahrestagung dürfte für Olga Motovilova lukrativ gewesen sein. Balz Roth zeigte ernsthaftes Interesse an noonee und im weiteren Verlauf des Nachmittags und Abends ergaben sich zusätzliche interessante Kontakte zu Mitgliedern des Verbands.
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