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O. Müller: Wenn ich sage, man muss die KMU an die Hand nehmen, dann, um ihnen zu zeigen, wie man internationale Märkte erschliesst. Natürlich können wir sagen, als Unternehmer müsstet ihr das selber wissen. Aber das ist alles andere als einfach. Deshalb benötigen gerade die kleinen Betriebe Unterstützung. Wenn sie es dann immer noch nicht schaffen, werden diese Betriebe schliessen. Vielleicht ist das auch richtig so, weil sie, wie Sie sagen, keinen Spirit haben, um sich Unternehmer zu nennen. Auf der anderen Seite glaube ich einfach, dass es Unterstützung braucht, wenn es klemmt.
U. Berner: Aber das wird doch geboten. Swissmem hat Gemeinschaftsstände in Asien. Jeder, der will, kann mit wenig Geld mitmachen.
O. Müller: Sie sprechen das Angebot von Switzerland Global Enterprise (S-GE) an, bei dem Swissmem mit seinen Fachgruppen Hauptpartner ist. In Zukunft möchte Swissmechanic diesbezüglich enger mit Swissmem kooperieren. Aber es ist jetzt schon klar, dass die Mitglieder beider Verbände viel mehr Platz benötigen, als auf den Messeständen zur Verfügung stehen. Es liegt also viel Potenzial brach.
P. Dietrich: Wir stellen fest, dass unser Angebot in den über 20 weltweiten Messen, die wir organisieren, sehr geschätzt wird. Wir können die Unternehmen damit gut unterstützen. Es zeigt auch, dass der Bedarf tatsächlich vorhanden ist, neue Märkte zu erschliessen. Den Markteintritt dann auch zu schaffen, ist aber nicht einfach und bindet einfach auch die Unternehmensleitung enorm. Das ist eine der grossen Herausforderungen, bei welcher wir unterstützen müssen.
Herr Wellershoff, analysieren Sie einzelne Industriebetriebe aus der Schweiz?
K. Wellershoff: Ich analysiere Volkswirtschaften, keine einzelne Unternehmen. Die Industrie als Ganzes ist für die Schweizer Volkswirtschaft sehr wichtig. Was wir aber festgestellt haben, ist, dass viele Industriebetriebe ihre Geschäftsmodelle durch Dienstleistungen erweitern. Für viele Firmen ist z. B. das Wartungsgeschäft ein wichtiger Umsatzanteil. Das ist bei vielen Schweizer Unternehmen sehr ähnlich. Wir müssen daher aufpassen, dass wir nicht zu industrienostalgisch sind. Wirtschaft heisst nicht nur Industrie. Es gibt noch andere Branchen. Was man in der Schweiz nicht gerne hört: Die Länder, die schneller deindustrialisiert haben, hatten in der Vergangenheit das höhere Pro-Kopf-Wachstum.
Wer zum Beispiel?
K. Wellershoff: Die Amerikaner und Franzosen hatten ein grösseres BIP-Wachstum pro Kopf als die Schweiz im gleichen Zeitraum.
U. Berner: Mit all den Flurschäden, die sie jetzt haben.
K. Wellershoff: Das sagen die Zahlen und die sind eindeutig. Nur zu sagen, wir brauchen einen hohen Industrieanteil, um wachsen zu können, ist mir zu wenig. Wir Menschen konsumieren immer mehr Dienstleistungen. Jeder, der Industriepolitik macht, wendet sich eigentlich gegen die Interessen der Menschen.
Herr Wellershoff, was würden Sie dann Herrn Berner empfehlen? Worin soll er investieren: in Finanzdienstleistungen?
K. Wellershoff: Nein, er soll das machen, was er am besten kann und was ihm Spass macht. Wenn die Rahmenbedingungen dies ermöglichen, braucht die Schweiz keine Industriepolitik.
U. Berner: Wir brauchen keine Industriepolitik, aber wir benötigen vielleicht eine Anschiebehilfe. Was es sicher braucht, sind optimale Rahmenbedingungen. Jetzt können wir uns darüber unterhalten, was gute und schlechte Rahmenbedingungen sind.
O. Müller: Was ist Industriepolitik? Wenn wir Rahmenbedingungen schaffen, damit die Industrie überleben kann, ist das Industriepolitik. Ich bin auch der Meinung, dass wir mit finanziellen Mitteln nicht das konservieren sollen, was keine Zukunft mehr hat.
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