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P. Dietrich: Wir führen seit über zehn Jahren ein geschätztes Modell von Innovationscoaches. Ehemalige Industrie-CEOs werden nun als Innovationscoach eingesetzt. Die besitzen meist gute Verbindungen zu Hochschulen und Universitäten und sind weltweit vernetzt. Natürlich kennen sie die Industrieunternehmen, sprechen deren Sprache und kennen deren Herausforderungen. Auf der anderen Seite gibt es Fachhochschulen mit riesigem Theorie-Know-how. Die Coaches bringen die Unternehmen sowohl mit den Hochschulen als auch mit anderen Unternehmen zusammen und realisieren daraus Projekte, die im besten Fall in ein marktfähiges Produkt führen.
O. Müller: Ich hatte vor ein paar Jahren ein Gespräch mit der ZHAW in Winterthur. Sie hätten zu wenig Nähe zu den KMU. Nach ihrem halbstündigen Vortrag habe ich zu ihnen gesagt, sie müssen alle englischen Ausdrücke durch deutsche ersetzen. Kurz: Die Hochschulen müssen die Sprache der Unternehmer reden.
Was brauchen wir also, Erfahrung oder Jugend?
O. Müller: Wir brauchen erfahrene Leute für die strategischen Entscheide sowie junge Leute, welche die neuen digitalen Werkzeuge kennen.
Reden wir doch über Trends. Elektromobilität kommt in den nächsten 10 bis 15 Jahren.
U. Berner: Sagt wer?
Einige CEOs unter den Herstellern von Werkzeugmaschinen, die sich um die Zukunft der Zerspanung Gedanken machen.
U. Berner: Es ist Fakt, dass weltweit pro Jahr 80 Mio. Automobile hergestellt wurden. Dieses Jahr geht der Automobilverband davon aus, dass es 90 Mio. sind. Er geht weiter davon aus, dass bis 2025 von diesen 90 Mio. lediglich zehn Prozent Elektrofahrzeuge sein werden. Der durchschnittliche Preis eines Autos ist auf dem Weltmarkt heute CHF 10 000. Elektromobile können nicht so billig hergestellt werden. Es wird schon kommen, aber nicht über Nacht. Auch wenn das Politiker gerne hören und sagen.
Nichtsdestotrotz liegt das Spanvolumen von Elektro- gegenüber Verbrennungsmotoren bei lediglich 25 Prozent. Da muss man sich schon Gedanken machen.
U. Berner: Absolut. Aber man darf nicht nur diesen Trend anschauen. Es gibt auch andere Trends. Der von Klaus Wellershoff erwähnte Trend des Carsharing.
P. Dietrich: Man muss alle Trends beobachten. Obwohl Elektromotoren einfacher zu produzieren sind, sind Elektromobile teurer in der Anschaffung. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die gesamte Infrastruktur, die für Elektromobilität nötig ist. Mit Ladestationen und Energie, die zur Verfügung stehen muss. Bis diese Infrastruktur vorhanden ist, ist es noch ein weiter Weg.
K. Wellershoff: Es ist aber ein Markt mit Potenzial, mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten.
U. Berner: Das grundlegendste Ziel ist doch nach wie vor, den CO2-Ausstoss zu senken. Das ist das Ziel der Politik und somit auch das Ziel der Wirtschaft. Das ist der Haupttrend. Und dann muss man die Frage beantworten, wie wir das finanzieren können. Was sind die Kosten? Ein Auto, das CHF 50 000 kostet, ist ein Luxus, den sich wenige Leute leisten können. Aber der richtig grosse Markt sind die vier Mia. Menschen, die sich nur ein Auto für CHF 10 000 kaufen können. Das ist der Markt.
Von globalen Trends zurück auf den Werkplatz Schweiz. Wie sehen die nächsten Jahre aus?
P. Dietrich: Die Lage ist nach wie vor angespannt. Die KMU stehen weiterhin unter Druck. Die Ertragslage ist zum Teil schlecht. Aber: Die Zahl der Optimisten nimmt zwar wieder zu. Beinahe jeder Zweite geht davon aus, dass die Auftragszahlen in diesem Jahr steigen werden. Langfristig bleibt der Schweizer Franken aber eine starke Währung. Und wenn die Politik in Bezug auf die Rahmenbedingungen, wir als Unterstützer der Industrie und natürlich die Unternehmen ihre Hausaufgaben machen, blicke ich mit Zuversicht auf die Zukunft des Werkplatzes Schweiz.
O. Müller: Das, was Herr Dietrich sagt, kann ich unterschreiben. Die Firmen müssen sich ein Stück weit selber öffnen, um in der globalisierten Welt agieren zu können. Bestehende Strukturen müssen durchbrochen werden. Wie Urs Berner gesagt hat, man darf sich nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen.
U. Berner: Ob es einen Werkplatz Schweiz geben wird, ist abhängig von den Kosten, welche durch die Rahmenbedingungen gegeben sind.
K. Wellershoff: Das ist die betriebswirtschaftliche Logik. Ich glaube, wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass ein Land kein Unternehmen ist. Es ist ein gesellschaftliches Modell des Zusammenlebens. Die erwähnten Rahmenbedingungen werden von der Politik vorgegeben. Für eine Volkswirtschaft sind eben nicht die Kosten entscheidend. Ein Land kann nicht pleitegehen.
Griechenland ist wirtschaftlich nicht in bester Verfassung.
K. Wellershoff: Damit haben die Kosten nichts zu tun. Der Staat hat einfach zu viel ausgegeben. Die öffentlichen Haushalte mögen pleitegehen. Deswegen wird dort immer noch produziert und konsumiert. Ein Land kann nicht verschwinden wie eine Firma. Schauen Sie sich die Schweiz an. Hier sind die Kosten hoch. Aber dennoch wird hier weiterproduziert. Das ist, weil die Kosten eben nicht entscheidend sind, sondern die Produktivität. Die Politik muss die Rahmenbedingungen verbessern, um die Produktivität zu fördern. Auf die Kosten sollen die Unternehmer schauen.
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