Der gelbe Faden in der Logistik

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Komplexe Anforderungen

Die Anforderungen an die gesamte Anlage waren sehr hoch; hierbei galt es, 240000 Pakete/Tag, bzw. 25000 Pakete/h (vom Kleinpaket bis 30 kg) automatisch und störungsfrei zu erkennen, zu sortieren und schonend an die korrekten Behälter zum Weitertransport zu leiten. Hinzu kommen Sperrgutpakete, welche manuell verarbeitet werden. Dass dabei bis 400'000 Pakete/Tag und mehr bei Festtagen zusammenkommen können, die ebenfalls zügig und umgehend an ihren Bestimmungsort gelangen sollen, musste ebenfalls bei Planung der Anlage berücksichtigt werden.

Das damalige Konsortium SPH (SwissPost Handling) war federführend bei der Produktion und Gesamtinstallation der Anlage, die von mehreren Schweizer Firmen geplant wurde. Die Post betreibt in eigener Regie die Instandhaltung und führt die Ersatzteilbewirtschaftung der gesamten Anlage.

Systembeschreibung

Am Wareneingang kommen die an den Poststellen aufgegebenen und von den Distributionsbasen gesammelten Pakete an der Laderampe im Paketzentrum an. Mitarbeitende schichten die Pakete von den Rollboxen auf das Förderband um, auf dem die Kamera des ACS (Automatisches Codiersystem) den Barcode und Empfänger-Adresse erkennt und die Pakete über die zentrale Steuerung an die entsprechenden Förderwege weiterleitet. An den Rolltoren sind neuerdings auch RFID-Empfänger für die automatische Erkennung und Überwachung der Rollboxen installiert.

Die vom Vorsorterbereich ankommenden Pakete werden auf Kreuzweichen vorsortiert: dann geht es auf den nachfolgenden Weg zum Sorter. Servomotoren positionieren die Kreuzweichen blitzschnell und das im Paketabstand von nur 15 cm bei einer Rollgeschwindigkeit von ca. 1,40 m/s. 3-fach-Lichtschranken erkennen auch besonders dünne Pakete ab 1 cm Dicke. Hier wären geschnürte Pakete fatal, welche sich hier sonst verfangen könnten.

Über Einschleusmodule werden die Pakete auf den Sorter oder zu den Zuführ-linien eingeschleust, die sie wiederum auf andere Sorter zur weiteren Bestimmung leiten. Rainer Flück, Leiter Betriebstechnik, beschreibt die Sortierlogik des Systems: «Damit die Anlage optimal ausgelas-tet werden kann, versuchen wir die Schalen während einer gesamten Runde drei Mal zu beschicken und wieder drei Mal leeren zu lassen. Es ist unser Bestreben, die Pakete von Anfang an gezielt über die Kreuzweichen in einem vorsortierten Paketfluss zu steuern. So werden viele Pakete aufgenommen, unnötige Wege vermieden und die Effizienz gesteigert.»

Der Barcodereader auf dem Sorter erkennt mit Laser den Barcode der Pakete: Auf dem ZDS (Zieldatenserver) sind den Barcodes: Empfängeradresse, Gewicht, Dimension und allfällige Zusatzleistungen zur Versandart hinterlegt. Der ZDS erkennt hier die Zieladresse und generiert für die Anlagesteuerung die Zuweisung zu den Rutschen. Wenn einmal der Barcode nicht auf der Oberseite des Pakets klebt, wird dieses nochmals aus- und gegebenenfalls eingeschleust und notfalls manuell verarbeitet. Grundsätzlich soll daher der Barcode immer oben auf der grössten Fläche des Pakets kleben, damit es auch auf den Förderwegen stabil liegen und nicht umkippen oder herunterfallen kann.

Ergonomie am Arbeitsplatz

Für die Zuordnung der Pakete an die Zielstellen wurden besondere, kippbare Schalen entwickelt, die je nach Ziel die Pakete rechts oder links vom Förderweg auf die Rutschen wegkippen. So kann effizient im Fluss jedes einzelne Paket beidseitig weitergegeben werden, was auch Platz spart. Am Hauptsorter werden die Pakete nach PLZ-Gebieten botengerecht sortiert. Per Hand werden die Lastwagen mit Fernziel, d.h. in andere Zentren oder auch direkt für rund 300 angegliederte Paketbotenbezirke bzw. Poststellen, bestückt. Höhenverstellbare Teleskopbänder, welche die Pakete bis in den Lastwagen führen, unterstützen hier u. a. die Mitarbeitenden, sodass ergonomische Arbeit ermöglicht wird.

Am MCS-(Manuelle-Codier-Station-) Sortiersystem werden unlesbare Pakete manuell nacherfasst und zugeordnet. An der Sperrgutstation werden sperrige Pakete ebenfalls manuell erfasst und verarbeitet. Für schwere Pakete stehen den Mitarbeitenden Vakuumheber zur Verfügung, so ist auch ein angenehmes Handling schwerer oder sperriger Pakete möglich.

Flinke Instandhaltungsstrategie

Ein so grosses Logistik-System mit verschiedenen Technologien im materialstrapazierenden Dauerbetrieb verlangt natürlich eine umfangreiche und sehr schnelle, jederzeit einsatzbereite Instandhaltungsstrategie. Werner Morach erläutert dazu: «Dadurch, dass wir unseren Kunden einen störungsfreien Betrieb gewährleisten möchten, wird dies zum Grossteil durch eine vorbeugende Instandhaltung gewährleistet. Unser grosses, eigenes Ersatzteillager gewährleistet eine schnelle Reaktion auf allfällige Störungen, welche - zwar sehr selten - aber auftreten können.» Das Zentrallager ist ebenfalls in Härkingen angesiedelt, welches auch die Ersatzteilbeschaffung aller anderen Lager in der Schweiz gewährleistet. Dies bringt natürlich auch einen gewissen «Heimvorteil» mit sich und in der eigenen Werkstatt sind die Mechaniker auf alle wichtigen Systemkomponenten mit entsprechendem Know-how ein eingespieltes Team.

Umweltschutz grossgeschrieben

Aktiver Umweltschutz ist bei der Post in diesem Projekt von Anfang an wichtiger Bestandteil gewesen. Das Grundstück wurde bereits bei der Erstellung nicht geteert, dadurch ist die Versickerung des Regenwassers gewährleistet. Ein Regenwasserbecken kann durch die Dachentwässerung alle Sanitäranlagen versorgen. Die gesamte Anlage wird mit einer energiesparenden Erdgasheizung beheizt. 624 m2 Solarzellen auf der rund 24000 m2 grossen Flachdachfläche, die zu über 50% extensiv begrünt ist, sorgen für eine autarke Warmwasseraufbereitung. Diese vorbildlichen Massnahmen sorgen für eine nachhaltige und optimale Effizienz bei den täglichen Anforderungen, denen das Paketzentrum der Post gerecht werden muss.

Resümee

Dass dieses Zentrum inzwischen seine zehn Jahre erfolgreich gemeistert hat, sieht man ihm auf den ersten Blick nicht an. Eine durchdachte Sortieranlage, zuverlässige Systempartner, motivierte Mitarbeitende und eine flache Führungsstruktur sind wichtige Voraussetzungen für Erfolg. Der immer härter werdenden Konkurrenz - denn seit 2004 ist der Paketmarkt vollständig liberalisiert - kann nur mit umfassenden und hochqualitativen Leistungen sowie optimalen Technologien entgegengesteuert werden. Eine laufende Optimierung aller Systeme mit dem Fortschritt ist unabdingbar. Rainer Flück, Leiter Betriebstechnik erklärt hierzu: «Die neuen Lesesysteme oder auch die Steuerungen werden stets dem technischen Stand angepasst. Mit der Entwicklung Schritt zu halten ist hierbei unabdingbar. Unsere Logistik-Dienstleister ermöglichen durch ihren Support ebenfalls einen reibungslosen Betrieb. So können wir unser Versprechen für unsere Kunden einhalten.»

Autor & FotografMarkus Frutig, www.textconceptions.ch

InformationDie Schweizerische PostPostLogisticsViktoriastrasse 213030 BernTel. 0848 888 888www.post.ch/logistik

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