Industrie-Digitalisierung Der grösste Effizienzhebel ist nicht die Maschine – sondern der Mensch

Ein Kommentar von Michael Kunze, Geschäftsführer MKey Solution GmbH 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Michael Kunze, Geschäftsführer der MKey Solution GmbH und Experte für Industrie-Digitalisierung, stellt heraus, warum der Mensch in der Produktion nach wie vor als entscheidender Faktor anzusehen ist.

Michael Kunze ist Geschäftsführer der MKey Solution GmbH mit Zentrale in Ammerndorf (D). Nach seinem Studium der Elektrotechnik an der FAU Erlangen arbeitete er viele Jahre für einen der führenden Anbieter im Bereich Sensorik, Messtechnik und Kameras. Seit 2014 konzentriert er sich mit seiner eigenen Firma auf die Integration industrieller Bildverarbeitung und Messtechnik. Dank seines grossen Erfahrungsschatzes und umfangreichen Wissens, insbesondere im Bereich 3D-Kameras, ist er ein gefragter Experte der Branche und Keynote-Speaker.(Bild:  MKey Solution GmbH)
Michael Kunze ist Geschäftsführer der MKey Solution GmbH mit Zentrale in Ammerndorf (D). Nach seinem Studium der Elektrotechnik an der FAU Erlangen arbeitete er viele Jahre für einen der führenden Anbieter im Bereich Sensorik, Messtechnik und Kameras. Seit 2014 konzentriert er sich mit seiner eigenen Firma auf die Integration industrieller Bildverarbeitung und Messtechnik. Dank seines grossen Erfahrungsschatzes und umfangreichen Wissens, insbesondere im Bereich 3D-Kameras, ist er ein gefragter Experte der Branche und Keynote-Speaker.
(Bild: MKey Solution GmbH)

Heute ist die industrielle Produktion so automatisiert wie nie zuvor. Unternehmen investieren in leistungsfähigere Maschinen, vernetzte Anlagen und intelligente Software, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dabei entsteht jedoch häufig ein blinder Fleck: Während Maschinen kontinuierlich optimiert werden, bleibt das Potenzial der Mitarbeitenden auf dem Shopfloor vielfach ungenutzt. Dabei entscheidet gerade ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Fähigkeit, auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren, massgeblich über Qualität, Produktivität und Liefertreue. Wer die Effizienz seiner Produktion nachhaltig steigern möchte, sollte deshalb nicht ausschliesslich in Technik investieren – sondern vor allem in die intelligente Unterstützung der Menschen, die täglich mit ihr arbeiten.

Technologie entfaltet ihren Nutzen erst durch den Menschen

Moderne Fertigung ist geprägt von einer hohen Variantenvielfalt, kürzeren Produktlebenszyklen und steigenden Qualitätsanforderungen. Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel und demografischer Wandel den Druck auf produzierende Unternehmen. Erfahrene Mitarbeitende verlassen die Betriebe, während neue Fachkräfte immer schneller produktiv werden müssen. Genau an dieser Stelle zeigt sich die Grenze klassischer Automatisierung: Selbst die modernste Anlage kann ihr Potenzial nicht ausschöpfen, wenn Arbeitsabläufe unnötig komplex sind oder wichtiges Prozesswissen ausschliesslich in den Köpfen einzelner Mitarbeitender steckt. Digitale Werkerassistenz verfolgt deshalb einen anderen Ansatz. Sie ersetzt den Menschen nicht, sondern unterstützt ihn genau dort, wo Informationen zum richtigen Zeitpunkt benötigt werden. Arbeitsanweisungen werden kontextbezogen bereitgestellt, Montageschritte visuell dargestellt und Prozesse in Echtzeit begleitet. Das reduziert Fehler, verkürzt Einarbeitungszeiten und sorgt dafür, dass auch komplexe Aufgaben sicher und reproduzierbar ausgeführt werden können. Die eigentliche Stärke dieser Systeme liegt jedoch darin, Erfahrungswissen zu digitalisieren und dauerhaft verfügbar zu machen. Aus individuellem Know-how wird unternehmensweites Prozesswissen.

Shopfloor wird zur wichtigsten Datenquelle

Mit der Einführung digitaler Werkerassistenz verändert sich nicht nur die Unterstützung der Mitarbeitenden, sondern auch die Sicht auf Produktionsprozesse. Jeder Arbeitsschritt wird dokumentiert und liefert wertvolle Informationen über Abläufe, Bearbeitungszeiten oder wiederkehrende Fehlerquellen. Erstmals entsteht ein transparentes Bild darüber, wie Prozesse tatsächlich ablaufen – unabhängig davon, ob sie an unterschiedlichen Arbeitsstationen, in verschiedenen Schichten oder von unterschiedlichen Mitarbeitenden ausgeführt werden. Diese Transparenz eröffnet neue Möglichkeiten der Optimierung. Unternehmen können erkennen, welche Arbeitsweisen besonders effizient sind, wo Engpässe entstehen oder welche Prozessschritte regelmässig zu Qualitätsproblemen führen. Best Practices lassen sich datenbasiert identifizieren und auf andere Bereiche übertragen. Damit wird Digitalisierung zu weit mehr als der Vernetzung von Maschinen. Sie schafft die Grundlage für kontinuierliche Verbesserungen, die unmittelbar am Arbeitsplatz entstehen und sich messbar auf Qualität, Ausschuss und Produktivität auswirken.

Smart Factory braucht den Smart Worker

Die Fabrik der Zukunft zeichnet sich nicht dadurch aus, dass der Mensch aus dem Produktionsprozess verschwindet. Vielmehr wird seine Rolle anspruchsvoller. Routinetätigkeiten werden zunehmend automatisiert, während Fachkräfte komplexe Entscheidungen treffen, Prozesse überwachen und kontinuierliche Verbesserungen vorantreiben. Damit diese Entwicklung gelingt, benötigen sie Werkzeuge, die Informationen verständlich aufbereiten und sie im Arbeitsalltag gezielt unterstützen. Digitale Werkerassistenz, Bildverarbeitung und Künstliche Intelligenz bilden hierfür eine leistungsfähige Kombination. Sie nehmen Mitarbeitenden keine Verantwortung ab, sondern schaffen die Voraussetzungen dafür, dass sie ihr Wissen und ihre Erfahrung dort einsetzen können, wo sie den grössten Mehrwert erzeugen. Unternehmen, die diesen Perspektivwechsel vollziehen, investieren nicht nur in neue Technologien, sondern vor allem in die Zukunft ihrer Belegschaft. Denn der grösste Effizienzhebel in der Produktion war nie ausschliesslich die Maschine – und wird es auch künftig nicht sein. Er sitzt dort, wo Menschen ihr Know-how mit den Möglichkeiten moderner Technologie verbinden.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:50937989)