Swissmem Halbjahreskonferenz 2021 Deutliche Erholung in der MEM-Industrie

Redakteur: Anne Richter

Swissmem hat die Halbjahreszahlen veröffentlicht. Demnach hat sich die Lage für das Gros der Unternehmen der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie im ersten Halbjahr 2021 deutlich verbessert. Die Auftragseingänge haben im Vergleich zum Vorjahr um fast 25 Prozent zugenommen.

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Für die meisten MEM-Unternehmen hat sich die Situation im ersten Halbjahr 2021 deutlich verbessert.
Für die meisten MEM-Unternehmen hat sich die Situation im ersten Halbjahr 2021 deutlich verbessert.
(Bild: ©industrieblick - stock.adobe.com)

Auf seiner Online-Medienkonferenz am 24. August 2021 hat Swissmem, Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM), die Halbjahreszahlen der Branche veröffentlicht. Demnach hat sich die Lage im ersten Halbjahr 2021 für viele Unternehmen der MEM-Branche deutlich verbessert. So stiegen die Auftragseingänge gegenüber der Vorjahresperiode um +24,4 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Umsätzen. Diese stiegen gegenüber dem ersten Halbjahr 2020 um 9,3 Prozent, womit sie nur noch knapp unter dem Vorkrisenniveau liegen. KMU und Grossfirmen profitierten in gleichem Masse von diesem kräftigen Aufschwung. Ins Auge stechen im Vergleich zur Vorjahresperiode vor allem die Zuwächse im zweiten Quartal 2021 (Aufträge: +50,6 Prozent und Umsätze: +20,2 Prozent). Dahinter verbirgt sich allerdings auch ein ausgeprägter Basiseffekt, da das zweite Quartal 2020 wegen dem fast weltweiten Lockdown sehr schwach ausgefallen war.

Der Aufschwung wirkt sich auch auf die Kapazitätsauslastung in den Betrieben aus. Diese betrug im zweiten Quartal 2021 85,6 Prozent. Gemäss der jüngsten KOF-Umfrage erreichte sie im Juli 87,2 Prozent, womit sie über dem langjährigen Mittelwert von 86,1 Prozent lag. Bei der Beschäftigung liegen noch keine Halbjahreszahlen vor. Im ersten Quartal 2021 arbeiteten 313 500 Personen in der MEM-Branche. Swissmem geht davon aus, dass sich die Anzahl der Mitarbeiter aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung in den nächsten Monaten erhöhen wird.

Deutliches Exportwachstum in alle wichtigen Märkte

Die Güterausfuhren der MEM-Industrie erreichten im ersten Halbjahr 2021 einen Wert von 33,4 Milliarden Franken. Dieser Wert liegt um +15,6 Prozent höher als in der Vorjahresperiode. Die MEM-Branche hat dabei in alle Hauptmärkte mehr exportiert, allen voran in den EU-Raum mit 21 Prozent. Danach folgen die USA mit 12,1 Prozent und Asien mit 8,4 Prozent. Sämtliche Warengruppen profitierten vom Aufschwung. Die Exporte bei den Metallen stiegen um 25,2 Prozent, bei den Präzisionsinstrumenten um 13,8 Prozent, in der Elektrotechnik / Elektronik um 12,0 Prozent und im Maschinenbau um +10,5 Prozent.

Aufschwung bitte nötig

Nach den massiven, pandemiebedingten Einbrüchen im vergangenen Jahr, beurteilt laut Swissmem fast 90 Prozent der Unternehmen die aktuelle Geschäftslage als befriedigend bis gut. «Die hohen Auftragseingänge deuten darauf hin, dass im zweiten Halbjahr die Umsätze in der MEM-Industrie das Vorkrisenniveau deutlich übertreffen werden», sagt Swissmem Direktor Stefan Brupbacher. «Nach dem schwierigen 2019 und dem sehr schlechten letzten Jahr ist dieser Aufschwung bitter nötig, um vergangene Verluste auszugleichen sowie Mittel für die Innovation und die Digitalisierung zu erarbeiten».

Risiken durch gescheitertes Rahmenabkommen

Die wichtigsten Indikatoren weisen zudem auf eine weiterhin positive Entwicklung hin. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) in der Industrie erreichte im Sommer 2021 mit Ausnahme von China in allen Hauptmärkten einen sehr hohen Wert. Auch die Ergebnisse der jüngsten Swissmem-

Umfrage unter den Mitgliedfirmen lassen Optimismus zu. Für die kommenden zwölf Monate erwarten 53 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer höhere Auftragseingänge aus dem Ausland. Lediglich elf Prozent der Firmenchefs gehen von sinkenden Aufträgen aus. Dennoch

weist Stefan Brupbacher auf gewisse Risiken hin: «Bei allem Optimismus dürfen wir nicht vergessen, dass sich das Verhältnis zur EU nach dem Scheitern des Rahmenabkommens spürbar verschlechtert hat. Sorge bereitet uns auch der weiter verschärfte Handelskonflikt zwischen China und den USA sowie das zunehmende China-Bashing in der Schweiz.»

Zielvereinbarungssystem für alle Unternehmen fortsetzen

Die Schweiz braucht nach der Ablehnung des CO2-Gesetzes rasch eine am politisch Machbaren ausgerichtete Klimapolitik fordert Swissmem. Das Zielvereinbarungssystem hat den Tatbeweis erbracht, dass die CO2-Emissionen der Industrieunternehmen substanziell gesenkt werden können, ohne deren internationale Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen. Alleine die Swissmem-Mitgliedfirmen haben u.a. dank diesem System ihre CO2-Emissionen seit 1990 um 56 Prozent senken können.

Gemäss dem noch geltenden CO2-Gesetz ist das Zielvereinbarungssystem bis Ende 2021 befristet. Für Martin Hirzel, Präsident Swissmem, ist deshalb klar: «Das Parlament muss im Herbst eine Übergangsgesetzgebung beschliessen, welche das Zielvereinbarungssystem fortsetzt. Andernfalls drohen den Firmen ab nächstem Jahr stark erhöhte Produktionskosten. Das wäre ein massiver Vertrauensbruch gegenüber Firmen, die zur Senkung ihrer CO2-Emissionen umfangreiche Investitionen getätigt haben.»

Parallel dazu setzt sich Swissmem für eine schlanke, effektive und realistische Neuauflage des CO2-Gesetzes ein. Dabei steht die Ausweitung des Zielvereinbarungssystems auf alle Unternehmen im Zentrum. Da dieser Punkt im gescheiterten CO2-Gesetz unbestritten war, kann er unverändert in die neue Vorlage überführt werden. Um Zusatzbelastungen für die Bevölkerung und die Unternehmen zu vermeiden, soll das neue Gesetz, im Unterschied zur gescheiterten Vorlage, auf reine Lenkungsabgaben statt auf Steuern setzen.

Swissmem fordert Gleichbehandlung von Brenn- und Treibstoffen

Ausserdem braucht es aus Sicht von Swissmem eine Gleichbehandlung von Brenn- und Treibstoffen. Deshalb soll die CO2-Abgabe auf Treibstoffe ausgeweitet werden. Das hätte eine Benzin- bzw. Dieselpreiserhöhung zur Folge, wobei bereits bestehende Belastungen des Verkehrs zu berücksichtigen sind (z.B. LSVA). Damit dies vor dem Volk eine Chance hat, muss die Abgabe zu 100 Prozent an die Bevölkerung und die Wirtschaft zurückerstattet werden. Desweiteren fordert Swissmem, die ab 2022 geltende CO2-Abgabe von 120 CHF/Tonne als Maximum nicht weiter zu erhöhen. Ausserdem soll auf neue Subventionstöpfe verzichtet werden.

In engem Zusammenhang mit der Klimapolitik steht die Herausforderung, jederzeit eine unterbruchsfreie Stromversorgung sicherzustellen. Um ab dem Jahr 2030 eine Winterstromlücke zu verhindern, braucht es nach Swissmem ein politisches Bekenntnis für die bestehenden Kernkraftwerke, damit die Betreiber ihre Werke – solange sicher – mindestens 60 Jahre am Netz halten. Im Weiteren braucht es den Zubau von gesicherten Stromerzeugungskapazitäten im Winter. Dabei sollen alle klimaneutralen Technologien als mögliche Varianten in Betracht gezogen werden. -ari- SMM

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