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Wie sieht die Studer-Fertigungsstrategie aus?
F. Gaegauf: Wir bevorzugen, möglichst viele Prozessschritte in einer Bearbeitungsfolge auszuführen. Das war schon immer eine Studer-Philosophie. Wir wollen, dass das Bauteil möglichst fertig von der Maschine kommt. So gibt es keine Qualitätsverluste durch Umspannen. Die Bearbeitung ist so zwar komplexer, aber dafür viel effizienter. Somit entstehen auch keine zusätzlichen Handlingskosten und Liegezeiten. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Kunde in Deutschland, der für einen Prozess sieben verschiedene Maschinen benötigte bei einer Durchlaufzeit von mehr als einer Woche. Das gleiche Bauteil hat er dann auf einer Studer-Maschine gefertigt, allerdings auf einer Technologie-Kombinationsmaschine mit Hartdrehen und Schleifen.
Studer ist offensichtlich nicht nur Maschinenbauer, sondern auch Softwarehersteller. Muss sich heutzutage ein Werkzeugmaschinenhersteller in Richtung Software entwickeln, um am Markt eine Chance zu haben?
F. Gaegauf: Die spezielle Problematik beim Schleifen ist, dass es praktisch keine Schleifsteuerungen auf dem Markt gibt. Der Markt dafür ist zu klein und Schleifen als Prozess ist viel anspruchsvoller als Drehen und Fräsen. Beim Schleifen findet das Abrichten während des Schleifprozesses statt und die Messaufgabe in der Maschine ist relativ komplex. Man bekommt zwar eine Basissteuerung, aber die Software muss jeder Schleifmaschinenbauer selber herstellen. Dadurch, dass wir damit schon sehr früh angefangen haben und heute gegen 30 Softwareingenieure beschäftigen, beherrschen wir das Metier sehr gut.
Ein anderes Thema ist das Hartdrehen. Als das aufgekommen ist, haben sich viele Experten Sorgen um das Rundschleifen gemacht. Wie sieht das heute aus?
F. Gaegauf: Wir beobachten das Hartdrehen fortlaufend. Aber nicht aus Angst, dass Hartdrehen das Schleifen ablösen könnte, sondern wir wollen die Technologie auch richtig verstehen. Unser Ansatz ist dabei, beide Technologien zu kombinieren. Auch können wir die Grenzen des Hartdrehens und des Schleifens besser beurteilen. Bei Werkstücken, die mit unserer Kombinationsmaschine bearbeitet werden, können wir ziemlich genau sagen, welcher Teil gedreht werden soll und welcher Teil für das Schleifen besser geeignet ist. Diese Kombination bringt viele Verbesserungen auch im Hinblick auf die Effizienz. Insgesamt wird Hartdrehen das Schleifen wohl niemals ersetzen können, aber es gibt für beide Verfahren ihre Anwendungsfelder, die sinnvoll sind.
Kommen wir zur internen Organisation und Effizienz. Die Fritz Studer AG ist ein Unternehmen der United Grinding Group AG. Welche Rolle spielt Studer innerhalb der Gruppe?
F. Gaegauf: Unter den verschiedenen Firmen der United Grinding Group ist Studer die grösste Organisation – sowohl vom Umsatzvolumen als auch von der Anzahl der Mitarbeitenden her. Entsprechend gross ist die Bedeutung für die Holding. Man sagt auch, wenn Studer den Schnupfen hat, dann bekommt die Holding die Grippe. Aber auch Walter als zweitgrösstes Unternehmen der Gruppe trägt substanziell zum Wohlergehen der Gruppe bei. Die restlichen Unternehmungen der Gruppe sind etwas kleiner. Zusätzlich ist es so, dass wir innerhalb der Gruppe in drei Technologieeinheiten gegliedert sind. Das sind das Flach- und Profilschleifen mit Mägerle, Blohm und Jung, das Werkzeugschleifen mit Walter und Ewag sowie das Rundschleifen, bei dem Studer und Schaudt Mikrosa dabei sind. Innerhalb der Technologiegruppen betrachten wir uns als eine Einheit.
Wie ist die Produktion innerhalb der Gruppe organisiert. Produziert jeder für sich alleine oder gibt es Synergien, die genutzt werden?
F. Gaegauf: Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die Wahl des Produktionsstandortes. Innerhalb der Gruppe haben wir drei Unternehmen als Produktionsstandorte definiert. Das ist zum einen Shanghai in China, dann haben wir Kurim in Tschechien und Steffisburg hier in der Schweiz. Der Produktionsverbund wird zentraler gesteuert und hat die Aufgabe, die ganze Gruppe zu versorgen. Wichtig dabei ist, dass zwischen den Produktionsstandorten bestimmte Aufträge und Themen je nach Auslastung verschoben werden können. Da wollen wir Synergien ausnutzen.
Sind diese Verschiebungen einfach durchzuführen, beispielsweise von Steffisburg nach Shanghai?
F. Gaegauf: Am Anfang war das überhaupt nicht einfach. Das mussten wir zuerst einmal entwickeln. In Shanghai sind wir seit 2005 vor Ort und seit gut vier Jahren fertigen wir dort auch Teile. Von China wird ja allgemein angenommen, dass sie qualitativ nicht das erreichen, was wir hier in der Schweiz erreichen können. Dies ist jedoch nicht so. Die Fertigung haben wir mit hochmodernen Produktionsmitteln, ausschliesslich europäischen Maschinen, aufgebaut. Vom Maschinenpark aus gesehen, können wir dort dieselbe Qualität erzielen wie in der Schweiz.
Die Maschinen müssen auch bedient werden, wie haben Sie das gelöst?
F. Gaegauf: In China findet man nicht unbedingt ausgebildete Schleifer, Dreher oder Fräser auf dem Markt. Sie müssen von den Firmen selber gründlich ausgebildet werden. Wir haben das von Anfang an sehr intensiv gemacht. Qualifizierte Studer-Mitarbeitende aus Steffisburg sind längere Zeit vor Ort gewesen und haben die chinesischen Mitarbeitenden entsprechend ausgebildet. Dafür gibt es Ausbildungspläne und regelmässige Qualitätsaudits, die durchgeführt werden. Das garantiert uns, dass die Qualität, mit der wir in China fertigen, identisch ist mit der Qualität, die wir hier in der Schweiz oder auch in Kurim kennen.
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